12. Juni 2018

Information Ratio: Wenn Risiken sich bezahlt machen

Lohnt sich das Risiko? Wer hoch hinaus will, sollte nicht allein auf den Ertrag einer Anlage achten, sondern auf das Verhältnis von Risiko und Rendite. Bildquelle: istock / vernonwiley

In der Finanzwelt existieren verschiedene Indikatoren, auf die Anleger zurückgreifen können, um das Risiko eines Investments einzuschätzen. Eines dieser Risikomaße ist die Kennzahl Information Ratio. Sie gibt Aufschluss über das Rendite-Risiko-Profil einer Anlage.

War meine Geldanlage erfolgreich? Viele Anleger beantworten diese Frage, indem sie betrachten, welchen Ertrag ihr Investment gebracht hat. Das ist nicht verkehrt – schließlich ist das Ziel jeder Geldanlage, das eingesetzte Kapital zu mehren. Jedoch sollten Anleger sich auch fragen, ob sie für das eingegangene Risiko angemessen entlohnt wurden. Das Rendite-Risiko-Verhältnis – oder auch die sogenannte risikoadjustierte Rendite – sagt wesentlich mehr über die Qualität eines Investments aus als der Ertrag allein. Denn um eine hohe absolute Rendite zu erzielen, gehen Fondsmanager mitunter auch sehr hohe Risiken ein – und riskieren hohe Verluste.

Maß für den Erfolg aktiven Managements

Risikobereinigte Performance-Kennzahlen geben Aufschluss darüber, ob der mit einem Fondsinvestment erzielte Ertrag auch in Anbetracht der eingegangenen Risiken noch gut ist. Eine solche Kennzahl ist die Information Ratio, entwickelt von dem US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Fischer Black und dem studierten Mathematiker und Manager Jack Treynor im Jahr 1973. Sie ist eine Weiterentwicklung der Sharpe Ratio und misst, ob sich die Abweichung eines Fonds vom Vergleichsindex in Form einer Mehrrendite bezahlt macht. Anders gesagt: Die Information Ratio gibt an, ob ein Fonds durch die Abweichung der Portfoliozusammensetzung vom Vergleichsindex eine höhere oder niedrigere Rendite als dieser erzielen konnte. Die Information Ratio lässt sich somit als Maß für den Erfolg des aktiven Fondsmanagements interpretieren.

Berechnung der Information Ratio

Um die Information Ratio zu berechnen, wird zuerst der sogenannte Tracking Error des betrachteten Fonds ermittelt. Auf Deutsch heißt diese Kennzahl Nachbildungsfehler. Sie gibt die Abweichung der Wertentwicklung des Fondsportfolios von der Wertentwicklung seines Vergleichsindex an, was auch als Überschussrendite bezeichnet wird. Anschließend wird die Fondsperformance ins Verhältnis zum Tracking Error gesetzt. Die Information Ratio errechnet sich also durch Division der Überschussrendite des Fonds (Alpha) durch das Fondsrisiko, ausgedrückt im Nachbildungsfehler. Es ergibt sich folgende Formel:

RI = Information Ratio
Rpa = annualisierte Wertentwicklung des Portfolios
Rba = annualisierte Wertentwicklung der Benchmark
TEa = annualisierter Tracking Error

Ein Rechenbeispiel:
Das annualisierte Alpha des Fidelity Funds – Asia Pacific Opportunities Fund beträgt über drei Jahre 4,37.

Die Information Ratio des Fonds über drei Jahre liegt also bei 0,67.

Das Beispiel dient nur zur Illustration. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Garantie für zukunftige Erträge. Der Wert der Anteile kann schwanken und Anleger können Verluste erleiden. Fremdwährungsanlagen sind Wechselkursschwankungen unterworfen. Anlagen in kleine Märkte und Schwellenländer können stärker schwanken als Anlagen in entwickeltere Märkte.

Je höher, desto besser

Grundsätzlich gilt: Je höher die Information Ratio, desto höher ist die Leistung des Fondsmanagers einzuschätzen. Dahinter steckt die Idee, dass eine Abweichung des Fondsportfolios gegenüber dem Gesamtmarkt nur dann gerechtfertigt ist, wenn sich damit auf Dauer eine höhere Wertentwicklung erzielen lässt. Steigt der Tracking Error, muss deshalb auch die Überrendite des Fondsportfolios gegenüber seiner Benchmark zulegen – sonst sinkt die Information Ratio und damit auch die Fondsqualität.

So lässt sich die Höhe der Information Ratio interpretieren

Information Ratio < 0,4: Der Investmentfonds hat seit Längerem keine Überschussrendite erzielt. Ein Investment lohnt sich wahrscheinlich nicht.

Information Ratio 0,4 – 0,6: Das Fondsmanagement hat über einen längeren Zeitraum konsistent höhere Renditen erzielt als der Vergleichsindex.

Information Ratio 0,61 – 1: Auch hier liegt die Fondsrendite kontinuierlich über der Rendite seiner Benchmark. Eine Information Ratio in diesem Korridor gilt als Hinweis auf ein außergewöhnlich gutes Rendite-Risiko-Verhältnis.

Negative Information Ratio

Es kann vorkommen, dass die Information Ratio negativ ist, also im Minusbereich liegt. Das bedeutet, dass es dem Manager des betreffenden Fonds nicht gelungen ist, im betrachteten Zeitraum eine Überschussrendite zu erzielen.

Information Ratio im Zeitverlauf

Quelle: http://slideplayer.org/2892475/10/images/22/Information-Ratio+F%C3%BCr+ein+negatives+IR+ist+keine+Reihung+m%C3%B6glich.jpg

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Herausgeber: FIL Finance Services GmbH, Kastanienhöhe 1, 61476 Kronberg im Taunus. Stand: April 2018.