16. August 2018

Treynor Ratio: Risikofaktor Markt

Nicht jedes Risiko lässt sich ausschalten: Die Treynor Ratio zeigt, wie systematische Risiken, z.B. Naturereignisse oder allgemeine Konjunkturschwankungen sich auf die Rendite von Investitionen ausgewirkt haben. Bildquelle: iStock / dmelnikau

Finanzanalysten nutzen verschiedene Indikatoren, um ihren Kunden das Risiko eines Investments zu erklären. Mithilfe der Treynor Ratio lässt sich der Einfluss systematischer und unsystematischer Risiken auf die Geldanlage bewerten.

Über eine hohe Rendite freut sich jeder Investor – allerdings taugt sie allein nicht als Maßstab, um den Erfolg einer Investition zu bewerten. Denn die Entwicklung eines Portfolios hängt oft signifikant vom Marktgeschehen ab. Allgemeine Schwankungen und Risiken an den Börsen beeinflussen also das Ergebnis. Was wiederum bedeutet: Nur weil ein Fondspreis einmal sinkt, muss das Management keinen schlechten Job machen. Umgekehrt ist aber auch nicht jeder Gewinn ein Zeichen für dessen Güte. Um Risiken und Chancen zu bewerten, nutzen Finanzanalysten verschiedene Indikatoren. Einer davon ist die sogenannte Treynor Ratio, auch Treynor-Quotient oder Treynor-Maß genannt. Sie gibt das Verhältnis von der Überschussrendite zum sogenannten Beta-Faktor an.

Das bedeutet: Die Treynor Ratio betrachtet, wie sehr die Kurs- oder Preisentwicklung eines Investments von der allgemeinen Marktentwicklung abhängt oder abweicht. Anders gesagt: Investoren können mithilfe dieser Kennziffer einschätzen, inwieweit tatsächlich die spezielle Investment-Strategie für die Performance eines Anlageprodukts oder Portfolios ausschlaggebend war.

Systematische versus unsystematische Risiken

Der Entwickler der Kennzahl, Jack Treynor, hat das Maß im Jahr 1965 bei Arbeiten zum sogenannten Capital Asset Pricing Model (CAPM) vorgestellt. Das CAPM, zu Deutsch Kapitalgutpreismodell, ist angelehnt an die Portfoliotheorie, die sich mit Risiken von Investitionen auseinandersetzt. Grundlegend unterscheiden die Analysten dabei zwischen sogenannten unsystematischen und systematischen Risiken.

Für das unsystematische Risiko ist allein der Investor verantwortlich. So stellen Fondsmanager, die falsche Entscheidungen treffen oder Kosten falsch kalkulieren, ein unsystematisches Risiko dar. Investoren können solchen Risiken meist durch breite Diversifikation ausweichen. Das wiederum schaffen sie bei systematischen Risiken nicht. Denn diese bezeichnen den Anteil am Gesamtrisiko einer Investition, der sich nicht eliminieren lässt, indem man seine Anlagen breit streut. Anders gesagt: Es geht hier darum, wie das allgemeine Preis- und Zinsniveau, Konjunktur- und Länderrisiken, Steuerrecht, Naturkatastrophen, demografische Entwicklung und Technologien auf Kurse wirken – und zwar auf ganze Märkte gleichermaßen, eben systematisch.

Richtig berechnen

Wer die Treynor Ratio berechnen möchte, muss zunächst die Alpha-Rendite einer Investition kennen. Das Alpha zeigt an, wie sehr ein Anlageportfolio, beispielsweise ein Fonds, in der Performance von seinem Vergleichsindex abweicht, also vom allgemeinen Markt. Erzielt das Portfolio eine Überschussrendite, ist das Alpha positiv. Andersherum gilt: Ist das Alpha negativ, hat der Fonds schlechter abgeschnitten als der breite Markt. Das Alpha errechnen Anleger, indem sie die Marktrendite von der Gesamtrendite des Portfolios abziehen beziehungsweise bei Anleiheprodukten den risikolosen Zins von der Portfoliorendite.

Zweitens braucht es noch den sogenannten Beta-Faktor. Das ist ein Maß für die Volatilität, aber nicht absolut gemessen, sondern im Vergleich zur Volatilität des Gesamtmarktes. Der Beta-Faktor gibt also an, ob ein Portfolio stärker oder weniger stark schwankt als der Gesamtmarkt. Bei Portfolios, die genau den Index abbilden, ist der Beta-Faktor definitionsgemäß 1. Ist er größer als 1, reagiert das Portfolio stärker auf Marktschwankungen. Ist er kleiner als 1, gilt das Portfolio als schwankungsärmer als der Markt.

Je größer der Quotient, desto besser

Die Treynor Ratio ist nun schlicht das Verhältnis von Mehr- oder Minderertrag zu Mehr- oder Minderschwankung einer Anlage, mathematisch ausgedrückt: Alpha durch Beta-Faktor. Damit lassen sich unterschiedliche Fonds und andere Anlageportfolios vergleichen. Angenommen, es stehen zwei Portfolios zur Wahl, die dieselbe Rendite aufweisen – dann sollte die Wahl auf jenes fallen, das eine größere Treynor Ratio hat. Denn dieses Portfolio erzielt die Rendite bei einem geringeren als dem systematischen Risiko und erzielt somit die höhere Risikoprämie.

Anders herum gilt: Ist der Beta-Faktor bei zwei Anlagen identisch, zum Beispiel 1, dann ist die Treynor Ratio beim Portfolio mit der höheren Überschussrendite höher. Sehr hohe Treynor-Quotienten könnten allerdings auf ein kleines Beta hinweisen, das nicht auf einem ausgezeichneten Risikomanagement basiert, sondern auf einer schlecht gewählten Benchmark.

Standardabweichung statt Beta-Faktor

Bei der Interpretation der Treynor Ratio sollten Investoren auch nicht vergessen, dass das Maß immer vollständig auf das Marktrisiko als Referenzpunkt abzielt. Anders verhält es sich beispielsweise beim Sharpe-Quotienten: Statt des Beta-Faktors kommt hier die Standardabweichung zum Einsatz. Dort fließt somit das Gesamtrisiko einer Anlage ein, ohne Blick auf den Markt. Ein Vorteil: Investoren können den Sharpe-Quotienten auch für marktübergreifende Vergleiche verwenden – die Treynor Ratio nicht.

Die Grafik zeigt die Treynor-Quotienten fünf verschiedener Portfolios an. Der klare Gewinner ist Portfolio 2: Es hat im Vergleich zwar nur den zweitniedrigsten Wert für Beta, weist aber die höchste Durchschnittsrendite auf. Portfolio 4 ist mit hohem Beta und niedriger Rendite der Verlierer im Vergleich.

Treynor-Maße von fünf Aktienportfolios

Grafik dient nur zur Illustration

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