Der echte Brexit kommt erst noch

Brexit Niemand rechnete wirklich mit einem positiven Brexit-Votum. Nun sind vier Monate vergangen, der erste Schock ist verdaut. Auch wenn sich die Märkte erholt haben, ist das Pfund Sterling auf ein Rekordtief gefallen. Es gibt also erste Konsequenzen, obwohl der „echte“ Brexit erst noch kommt. Wie es weitergeht, zeigt unsere Analyse.

Die Börsen haben sich beruhigt

Die Turbulenzen auf den Aktienmärkten haben sich relativ schnell wieder gelegt, die meisten europäischen Aktienindizes stehen nun sogar besser da als vor dem Referendum. Geschickte Investoren konnten die volatile Phase direkt nach dem Brexit-Votum zum günstigen Einstieg nutzen – so auch Matthew Siddle, der in der kurzen Ausverkaufsphase nach dem Referendum für den von ihm betreuten Fidelity European Growth Fund* Chancen bei überverkauften Werten wie zum Beispiel dem Lebensversicherer Legal & General** wahrnahm. Dafür gibt es viele Gründe. Ein wichtiger Punkt: Britische Unternehmen, insbesondere die aus dem FTSE 100 Index, erwirtschaften einen Großteil ihres Gewinns außerhalb von Großbritannien. Hinzu kommt, dass es der britischen Wirtschaft bereits vor dem Votum recht gut ging. Ob der Markt auch weiterhin derart stabil bleibt, ist derzeit schwer abzuschätzen.

Schwaches britisches Pfund stärkt Exportwirtschaft

Das Pfund Sterling wirkt wie ein Sicherheitsventil für die britische Wirtschaft, um zu großen Kostendruck abzulassen. Die Briten haben nach dem Brexit-Votum von der eigenen Währung profitiert. Ja, der Wechselkurs des britischen Pfunds gegenüber anderen Leitwährungen ist seit dem Brexit-Votum massiv gefallen. Doch dadurch haben britische Exporteure ihre Erträge deutlich steigern können. Es ist einer der größten Vorteile einer unabhängigen Währung und Geldpolitik. Ob das langfristig so bleibt, muss sich aber noch zeigen, weil zahlreiche britische Unternehmen auch Vorprodukte auf dem Weltmarkt mit einem schwächeren Pfund Sterling bezahlen müssen. Bislang scheint es aber so, dass sich die Unternehmen im Vereinigten Königreich gut schlagen dürften. Weil Großbritannien sowohl eine flexible Währung als auch einen flexiblen Arbeitsmarkt besitzt, stehen die Chancen für das Land sehr gut, sich wirtschaftlich weiter solide zu entwickeln.

Was passiert, wenn 2017 der echte Brexit kommt?

Der Brexit ist bislang nicht viel mehr als eine Ankündigung. Erst wenn Premierministerin Theresa May im kommenden Jahr ernsthaft die Trennung von der Europäischen Union angeht, beginnt er wirklich. Investoren sollten sich auf zunehmende Unsicherheit vorbereiten. Denn es ist nicht klar, wie genau der Brexit gestaltet wird – und Ungewissheit ist prinzipiell schlecht für die Märkte. Welche Form der Brexit am Ende der Verhandlungen haben wird, ist unbekannt – daher sind die Auswirkungen auf die Märkte umso schwerer abzuschätzen.

Befördert der Brexit weltweiten Protektionismus?

Auf lange Sicht ist vielleicht nicht der Brexit selbst eine so große Gefahr für die Weltwirtschaft als vielmehr die globale Stimmung, für die er steht: für zunehmenden Protektionismus, wie es derzeit auch in den USA zu beobachten ist. Und ohne das Vereinigte Königreich könnte auch die Europäische Union protektionistischer werden.

So bewerten Bürger das Brexit-Votum (in % der Bevölkerung)

Dass der Brexit den europaweiten Protektionismus befördert, sieht man insbesondere an den Reaktionen unter Befragten in Frankreich und Italien. Aber auch in Deutschland, Spanien und Polen ist das Verständnis für den Austritt größer als beispielsweise Trauer oder Wut auf die Briten. Und das, obwohl die Briten immerhin ein gemeinsames Wirtschaftsbündnis verlassen.

 

Frankreich

Deutschland

Italien

Spanien

Belgien

Polen

Haben Verständnis

23

15

26

14

18

18

Kein Verständnis

22

45

18

20

31

19

Ist es egal

17

9

9

17

12

16

Sind besorgt

16

17

17

28

22

31

Sind begeistert

10

4

9

4

6

2

Sind traurig

8

7

14

14

8

11

Sind wütend

4

3

7

3

3

3

Quelle: Umfrage des Institut Français d’Opinion Publique (IFOP) im Juli 2016.

* Fidelity Funds – European Growth Fund; ISIN: LU0048578792
** Die genannten Unternehmen dienen zu rein illustrativen Zwecken. Dies stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der jeweiligen Werte dar. Die genannten Unternehmen können gegebenenfalls nicht zu den Fondsbeständen zählen.

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