6. Februar 2018

Expertenmeinungen zur Korrektur an den Börsen

In den letzten Tagen haben die Börsen Rückschläge erlebt. Beileibe nichts Neues in der Geschichte der Finanzmärkte. Lesen Sie die Einschätzung unserer Experten zu den aktuellen Kursturbulenzen und warum eine Korrektur für aktive Fondsmanager langfristig günstige Rahmenbedingungen schafft.

Matt Siddle, Fondsmanager, europäische Aktien

Mit der Talfahrt an den Märkten haben die Schwankungen massiv zugenommen. Für den Kurseinbruch gibt es einen fundamentalen ökonomischen Auslöser, der mit den gestiegenen Inflationserwartungen als Reaktion auf den starken Arbeitsmarktbericht aus den USA zu tun hat. Dagegen sind die Wirtschaftsdaten unverändert robust. Die starken Kursausschläge erinnern uns jedoch daran, dass wir uns in der Spätphase des aktuellen Zyklus befinden. Und mit der Normalisierung der Zinsen dürfte auch die Volatilität zunehmen.

Als Reaktion auf die gestiegene Volatilität an den Märkten kam es zu Zwangsverkäufen bei Strategien wie z.B. Risikoparitäts- oder Minimum-Volatilitätsstrategien. Diese hatten in einem Umfeld mit außergewöhnlich niedriger Volatilität nicht nur ihr Engagement in volatilere Vermögenswerte (d.h. Aktien), sondern auch ihren Fremdmittelanteil deutlich über das sonst übliche Maß angehoben. Mit der hochschnellenden Volatilität sahen sich diese Strategien gezwungen, ihr Aktienengagement und ihren Fremdmittelanteil zu verringern, um ihre Risikovorgaben einzuhalten.

Verstärkt wurde die Talfahrt vermutlich durch Gewinnmitnahmen fundamentaler Anleger, denn die Märkte hatten ein hohes Niveau erreicht und die Bewertungen erschienen angespannt. Bei steigenden Zinsen können Änderungen der Diskontierungssätze die Attraktivität der Bewertungen von Anleihen verglichen mit Aktien beeinflussen.

Eine der zentralen Fragen für Anleger lautet nun, wie lange die Kursverluste an den Märkten vermutlich anhalten. Werden sie vor allem von den technischen Folgen der Transaktionen von Risikoparitätsfonds getrieben, könnten sie sich als kurzlebig erweisen. Erfasst die Talfahrt jedoch immer mehr Bereiche, ist eine längere Korrekturphase nicht ausgeschlossen. Viel hängt zudem davon ab, ob Anleger mit liquiden Mitteln bereit sind, Kursrückschläge für Käufe zu nutzen.

Für mein Portfolio konzentriere ich mich auf den langfristigen Kapitalerhalt. Zudem ist die Strategie nicht für ein Umfeld mit kurzzeitig starken Marktbewegungen konzipiert. Sollte diese Korrekturphase die Rückkehr vermehrter Konjunkturschwankungen und der Risikoaversion signalisieren, dürfte mein Portfolio durch den Fokus auf Qualitätsunternehmen und Kapitalerhalt deutlich besser als der Markt abschneiden.

Angel Agudo, Fondsmanager, US-Aktien

Am US-Aktienmarkt hat es seit geraumer Zeit keine wesentliche Kurskorrektur mehr gegeben. Zugleich haben die Bewertungen und operativen Margen in zahlreichen Branchen historische Höchststände erklommen. In einem solchen Umfeld fällt es wertorientierten Anlegern in der Regel schwer, attraktive Anlagechancen zu finden. Eine Korrektur und Verschnaufpause an den Märkten schaffen daher für aktive Fondsmanager langfristig günstige Rahmenbedingungen.

Jeremy Podger, Fondsmanager, globale Aktien

DIn der momentanen Situation sehe ich keinen Grund, meine positive Haltung gegenüber Aktien zu ändern, denn weltweit fahren die Unternehmen hohe Gewinne ein. Die rasante Talfahrt der letzten Tage mahnt uns jedoch, angesichts steigender Zinsen und Anleiherenditen wachsamer zu sein.

Nach einer ungewöhnlich langen Phase der Ruhe und geringer Volatilität ist der CBOE VIX Index auf ein zuletzt 2009 gesehenes Niveau gestiegen. Verantwortlich für die massiven Schwankungen und Verkäufe der letzten Tage waren vermutlich die am Freitag, den 02. Februar, veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten mit überraschend stark gestiegenen Löhnen. Verstärkt wurde die Talfahrt noch durch Kapitalabflüsse aus den beinahe kollabierten ETF- und Derivatestrategien, denen das Umfeld mit niedriger Volatilität bis vor Kurzem scheinbar besonders zugute kam.

Nach den Wirtschaftsdaten vom Freitag, den 2. Februar, richten die Marktteilnehmer ihr Augenmerk nun wieder stärker auf den Inflationsdruck, der sich langsam in der Weltwirtschaft aufbaut. Wir rechnen jedoch mit keiner starken Beschleunigung des Preisauftriebs, sofern unerwartete Ereignisse wie ein Ölschock oder protektionistische Maßnahmen ausbleiben. Technologischer Fortschritt und flexiblere Arbeitsmärkte dürften dafür sorgen, dass die Inflation nur ganz allmählich steigt. Auch wenn die Marktteilnehmer die Angst vor einem zu schnellen Anziehen der Zinszügel umtreiben mag: Die von den amtierenden Zentralbankern hart erkämpften Erfolge lassen auf eine langsame Normalisierung der Zinsen schließen.

In der Rückbesinnung auf Inflation und Zinsen in einer Phase des weltweit synchronen Wachstums sehe ich ein gesundes Zeichen für die Rückkehr des „Zyklus“. Die dürfte zwar auch höhere Schwankungen an den Märkten mit sich bringen. Aber bislang deutet nichts auf eine Umkehr des Positivtrends bei den Unternehmensgewinnen hin.

Hyun Ho Sohn, Fondsmanager, globale Technologieaktien

Wir erleben gegenwärtig eine breit angelegte, nicht auf die Technologiebranche beschränkte Kurskorrektur. Diese ändert jedoch nichts an den langfristig guten Fundamentaldaten von Technologiefirmen. Ich konzentriere mich daher weiterhin auf die Titelauswahl, bei der ich nach Firmen mit langfristig guten Wachstumsaussichten, starken Cashflows und Bilanzen Ausschau halte. Mit dem Ausverkauf gehen jedoch Bewertungsanomalien einher, die mir eine günstige Gelegenheit bieten, unterbewertete Aktien zu kaufen. An meinen Verkaufskriterien halte ich fest, und der Fonds ist, verglichen mit dem Index und vielen Wettbewerberfonds, weniger stark bei hoch bewerteten Aktien engagiert. Für Verkaufswellen wie diese ist er daher besser gewappnet.

Rick Patel, Fondsmanager, globale Anleihen

Seit einiger Zeit schon waren wir der Meinung, dass die Euphorie vom Januar nicht von Dauer sein würde, rätselten aber noch über den möglichen Auslöser. Auch wenn noch unklar ist, ob die Nachricht über starke Lohnzuwächse in den USA vom Freitag, den 2. Februar oder vorgezogene Vermögensverkäufe amerikanischer Pensionsfonds die Schuldigen waren: Die Kursbewegungen waren heftig und aus unserer Sicht vor allem technischer Natur. So wurden beliebte Short-Volatilitäts-Positionen im großen Stil aufgelöst, sodass der Volatilitätsindex VIX heute die 50er-Marke touchierte, nachdem er den stärksten jemals gemessenen Anstieg an einem Handelstag hinter sich hatte.

Renditen von Anleihen und Aktien waren in den letzten drei Wochen im Gleichschritt vorgerückt – seit über zehn Jahren hat es das nicht mehr gegeben. Hinzu kamen erste Anzeichen einer Rückkehr zu traditionellen Korrelationen, denn Anleihen aus Kernländern setzten zur Rally an. Allerdings bleiben die Märkte nervös und US-Staatsanleihen haben heute wieder Boden abgegeben. Relativ gut behaupten sich bislang die Kreditmärkte: Kursrückschläge werden offenbar für Zukäufe genutzt, weshalb sich die Spread-Bewegungen in Grenzen halten. Federn mussten Schwellenländer lassen: Magere Renditen bei US-Anleihen, günstige Finanzierungsbedingungen, niedrige Risikoprämien und ein schwacher Dollar hatten ihnen Rückenwind gegeben. Aber in Anbetracht des wachsenden Drucks auf derart perfekte Rahmenbedingungen verbuchte die Region eine schwächere Performance.

Aus Marktschwankungen ergeben sich aber auch gute Chancen für aktive Asset Manager. Wir achten zwar darauf, nicht zu schnell wieder einzusteigen, solange die Märkte noch so nervös sind. Gleichwohl werden wir vereinzelt bei unseren aussichtsreichen Ideen nachkaufen. Mit Blick auf die Bewertungen agieren wir weiter taktisch und behalten die Marktvolatilität genau im Blick.

Weiteres zum Thema Risikomanagement finden Sie auf unserer Übersichtsseite

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Herausgeber: FIL Finance Services GmbH, Kastanienhöhe 1, 61476 Kronberg im Taunus. Stand: Februar 2018.

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