Expertenmeinung

Fidelity Ausblick 2017: Positive Wachstumsaussichten für die Region Asien-Pazifik

TIMOTHY ORCHARD - 30.11.2016

Timothy Orchard, Portfoliomanager und CIO für Asien-Pazifik (ex Japan)

  • Günstige Bewertungen und gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen sprechen für asiatische Märkte
  • Reformen in Indien und China mit zum Teil großen positiven Auswirkungen
  • Rückschlaggefahr durch steigende US-Zinsen eher gering

Fidelity Ausblick 2017: Positive Wachstumsaussichten für die Region Asien-Pazifik

In der ersten Jahreshälfte stand die Anfälligkeit des kreditgetriebenen Wirtschaftswachstums in China im Fokus der Anleger und war ausschlaggebend für das schlechtere Abschneiden der Region. Diese Sorgen traten in der zweiten Jahreshälfte jedoch zunehmend in den Hintergrund. Stattdessen rückten die vergleichsweise attraktiven Bewertungen und ein möglicher Gewinnanstieg ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Auf längere Sicht sollten Anleger ihr Augenmerk jedoch vor allem darauf richten, ob und wie die diversen Reformpläne an den wichtigen Märkten umgesetzt werden. Indien zum Beispiel hat Fortschritte bei seiner großen Steuerreform erzielt. Besondere Beachtung fand unlängst die Entscheidung der indischen Regierung, große Banknoten aus dem Verkehr zu ziehen, um der Schattenwirtschaft das Wasser abzugraben. Diese Maßnahme wird das Wachstum in nächster Zeit zwar unweigerlich bremsen. Sie zeugt jedoch von Ministerpräsident Modis ungebrochenem Reformwillen. Zudem ist es Indien gelungen, sein Doppeldefizit zu senken und den Preisauftrieb zu verlangsamen. Damit ist Spielraum für weitere Zinssenkungen vorhanden. Der Konjunkturabschwung mag zwar noch längere Zeit anhalten, und in nicht allzu ferner Zukunft könnte die Wiederwahl Modis für Unruhe an den Märkten sorgen. Auf längere Sicht ist der Ausblick für Indien aber unverändert gut. Auch Indonesien ist mit seiner Landreform und der jüngsten Steueramnestie auf einem guten Weg.

China erleichtert Zugang für ausländische Investoren

In China geht der Balanceakt weiter. So strebt Peking einerseits ein ausreichend hohes nominales Wachstum an, während andererseits der langsame Umbau der Wirtschaft hin zu einem nachhaltigen Konsummodell weg von einer auf Sachanlageinvestitionen basierten Struktur fortgesetzt wird. Parallel dazu schreitet die Öffnung des chinesischen Marktes für ausländische Investoren voran. Jüngste Beispiele sind höhere Quoten für so genannte "Qualified Foreign Institutional Investor" (QFII) sowie das Stock-Connect-Programm, was ausländischen Anlegern den Zugang zu den an der Börse in Shenzhen gehandelt Titeln eröffnet. Sobald die vollständige Übertragbarkeit zwischen Anlageklassen erreicht ist und inländische Aktien in die diversen Indizes aufgenommen wurden, wird China den Löwenanteil am regionalen Index stellen.

In einer Zeit mit zunehmenden geopolitischen Risiken sind die genannten Reformen ein Beleg für die vergleichsweise günstigen Rahmenbedingungen in Asien. Dass die asiatischen Schwellenländer nicht zwangsläufig aufgrund unternehmensspezifischer und politischer Faktoren mit einem massiven Abschlag gegenüber ihren westlichen Pendants gehandelt werden sollten, scheint uns plausibel. Das gilt vor allem in Anbetracht der turbulenten Entwicklungen in anderen Teilen der Welt, angefangen von der Teilannexion eines souveränen europäischen Staates über den Brexit bis hin zu den Unsicherheiten infolge der US-Präsidentschaftswahl.

Ferner fürchten viele, dass höhere Zinsen in den USA den asiatischen Ländern das Leben schwer machen könnten. Der aktuelle Konjunkturzyklus mag sich zwar in etlichen Punkten von früheren unterscheiden. Dennoch sollte ein Blick auf die Entwicklung der asiatischen Märkte in den vorangegangenen Zyklen für Beruhigung sorgen: Denn in einem Umfeld mit steigenden Zinsen in den USA haben sich Asiens Märkte in der Vergangenheit behauptet, was dem Umstand geschuldet sein mag, dass höhere Zinsen meist mit robustem weltwirtschaftlichem Wachstum einhergehen.

Aktuell sind die asiatischen Märkte verglichen mit den entwickelten Märkten im Westen günstig bewertet. Zudem haben sie ansehnliche Fortschritte bei ihren Reformvorhaben erzielt und ihren zyklischen Gewinnabschwung bereits hinter sich. Alles in allem scheinen sie damit gut aufgestellt für langfristiges Wachstum.

Der Autor:

Timothy Orchard ist CIO für Asien-Pazifik (ex Japan) bei Fidelity International.

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