6. Februar 2018

Korrektur ist der beste Beweis für gesunde Märkte

In den letzten Tagen haben die Börsen Rückschläge erlebt. Was in der langen Geschichte der Finanzmärkte beileibe nichts Neues ist. In einer Welt jedoch, in der die Vorstellung einer „Korrektur“ schon beinahe abwegig erscheint und Aktien nur eine Richtung zu kennen schienen, die nach oben, kann sich ein normaler Rückschlag schmerzlicher anfühlen als sonst.

Dabei ist das, was wir in den letzten Tagen gesehen haben, möglicherweise nichts anderes als der seit Langem beste Beweis dafür, dass die Märkte gesund sind. Der von Technologieaktien befeuerten Rally in den USA war schon lange jeder Sinn für Realität verloren gegangen. Die Aussicht auf ewig niedrige Inflation konnte nicht von Dauer sein, und die US-Notenbank hat einen neuen Chef, der sich erst noch bewähren muss. Besorgniserregender wäre es, wenn die Märkte auf all das mit einem Achselzucken reagiert hätten.

Selbst nach den jüngsten Kursbewegungen notieren US-Aktien immer noch um rund 50 Prozent über ihrem Stand von Anfang 2016. Der aktuelle Kursrückgang mag sich auch deshalb seltsam anfühlen, weil wir uns an ein wenig volatiles Umfeld gewöhnt hatten, in dem weltweit die Wirtschaftsdaten im letzten Jahr kontinuierlich positiv ausfielen.

Wie geht es nun weiter?

Alan Greenspan, ehemals Chef der Fed, erklärte letzte Woche, an den Anleihe- und Aktienmärkten habe sich eine Blase gebildet. Auch das ist nichts Neues. Es braucht keinen früheren Fed-Chef, der uns erklärt, dass sich die Anleihemärkte in einer Blase befinden, wenn zweijährige deutsche Bundesanleihen unter dem EZB-Einlagenzins rentieren oder Aktien anfällig für eine Korrektur sind, nachdem sie seit Monaten einen Rekord nach dem anderen brechen.

Blasen können sich lange halten. Und auch wenn eine Wiederaufnahme des von Technologiewerten angeführten Trends nicht ausgeschlossen ist: Wahrscheinlicher ist doch, dass die aktuelle Verschnaufpause Anleger dazu bewegt, neu über die Branchenführer an den Märkten nachzudenken.

Was könnte diese These ins Wanken bringen? Beim neuen Fed-Präsident Jerome Powell besteht die Gefahr, dass er mehr als nur eine Fehlentscheidung trifft. Wie immer muss der Notenbankchef bei seinen zinspolitischen Entscheidungen auch die Stimmung an den Märkten berücksichtigen und bewegt sich dabei auf einem schmalen Grat. Ein zu starkes Anziehen der Zinszügel oder eine Verschiebung der nächsten Zinsstraffung würde einen Vertrauensverlust signalisieren. Das könnte die Aktienmärkte in Aufruhr versetzen und eine neuerliche Talfahrt auslösen.

Aber andererseits ist den Marktakteuren sicher bewusst, dass der neue Fed-Chef nicht zuletzt wegen seiner Zurückhaltung in Sachen Zinsen für diesen Posten ausgewählt wurde. Die Gefahr, dass seine Äußerungen als bedenklich gemäßigt interpretiert werden könnten, ist daher wohl eher gering.

Powell verfügt zudem über mehr Munition als nur seine zurückhaltenden öffentlichen Erklärungen, um Anleger zu überzeugen, dass er keine dramatischen Zinserhöhungen im Sinn hat. So mag der starke Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne in den USA für Überraschung gesorgt haben. Aber ob dies der Beginn eines markanten Aufwärtstrends ist, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Deutlich verhaltener präsentiert sich jedenfalls ein über zwölf Monate gleitender Durchschnitt derselben Datenreihe. Und auch andere Kennzahlen zum Lohnwachstum wie zum Beispiel der Beschäftigungskostenindex tendieren weiter schwach. Das liefert all jenen schlagende Argumente, die wie Jerome Powell allmähliche Zinserhöhungen statt eine scharfe Straffung der Zinszügel befürworten.

In diversen Aktiensektoren schwächeln die Kurse zwar, aber doch nicht so stark, dass mit einem allgemeinen Markteinbruch zu rechnen wäre. Ich bleibe daher in Aktien investiert – werde aber nach Kursverlusten in „Value“-Titel umschichten, die während der jüngsten Momentum-Rally nicht mit den Aktienmärkten Schritt halten konnten. Ferner werde ich solche Aktien meiden, deren Dividendenrenditen nicht durch starke freie Cashflows und eine solide Bilanz untermauert werden. Die Suche nach Rendite hat nicht nur die Kurse von Aktien mit höheren Dividendenrenditen hochgetrieben. Sie hat auch die Geschäftsmodelle mancher Unternehmen grundlegend verändert – leider nicht eben zum Besseren. All das spricht für ein aktives Management in der Spätphase des aktuellen Zyklus. Diesen Kurs auch dann zu halten, wenn die Schwankungen nachlassen, wird nicht leicht sein. Aber in der momentanen Zyklusphase werden Anleger gewinnen, die die Nerven bewahren, während andere die Nerven verlieren.

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Unser Autor:

James Bateman

James Bateman kam 2012 zu Fidelity und ist Chief Investment Officer - Multi Asset. Er leitet Fidelitys globales Multi-Asset-Team, das aus Portfoliomanagern und zahlreichen Analysten besteht.

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Herausgeber: FIL Finance Services GmbH, Kastanienhöhe 1, 61476 Kronberg im Taunus. Stand: Februar 2018.

ISG1632 / DK1246