Keine Angst vor Schwankungen

Keine Angst vor Schwankungen
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Höhere Kursschwankungen sind nicht grundsätzlich der Feind jedes Anlegers. Wer günstige Einstiegskurse sucht, findet sie häufig gerade in Zeiten höherer Volatilität. Diese fünf Leitfragen helfen beim Volatilitäts-Check.

Wie wirken sich Marktschwankungen auf Ihre Geldanlage aus?

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Wirtschaftsmedien melden Turbulenzen an den Weltbörsen. Eine schwierige Situation für jeden Anleger. Wer sich die Zeit nimmt zu prüfen, ob die kurzfristigen Kursausschläge die langfristige Anlagestrategie beeinflussen, kann den Marktentwicklungen gelassener gegenübertreten und handelt weniger emotional. Fünf Fragen, die Sie sich selbst stellen sollten:

1. Ist Panik im Spiel?

Angst und Euphorie sind am Aktienmarkt keine guten Ratgeber. Denn sie verleitet dazu, dem Herdentrieb zu folgen. Phasen sinkender Kurse überraschen Investoren im ersten Moment häufig, zunehmende Kursverluste lassen die Nervosität steigen. Schließlich schlägt diese Nervosität in Panik um, je länger der Abwärtstrend anhält. In solchen Momenten verkaufen viele Anleger einen großen Teil ihrer Papiere – zum denkbar ungünstigen Moment, denn dann erzielen sie einen besonders niedrigen Verkaufspreis. Auch wenn die Kurse wieder anziehen, kann das zu Kurzschlussreaktionen führen. Die Stimmung steigt, Zuversicht wird zu Begeisterung und dann zu Euphorie. Wenn irgendwann auch der letzte zögerliche Anleger wieder bei Aktien zugreift, sind die in der Regel schon wieder teuer. Nicht selten ist dann sogar bereits der Moment gekommen, ab dem die Kurse wieder auf Talfahrt gehen werden.

2. Ist die Sorge im konkreten Fall begründet?

Es ist andererseits verständlich, dass sich Anleger Sorgen über heftige Kursausschläge machen. Erstens steckt oft ein erheblicher Teil ihrer Ersparnisse in den Investmentlösungen. Zweitens haben nur wenige Anleger Zeit und Wissen, sich ausführlich mit den Gründen der Marktentwicklung zu beschäftigen. Gerade wer gegenüber Aktieninvestments ohnehin skeptisch eingestellt ist, fühlt sich geradezu bestätigt, wenn die Börsen „verrücktspielen“. Wenn Fonds in extremen Börsenphasen innerhalb weniger Tage massiv an Wert verlieren, rechnen sich viele sofort aus, um wie viel Sie „ärmer“ geworden sind. Die Frage ist nur: Ist der Verlust überhaupt real? Wer nicht verkauft, und damit seinen Verlust realisiert, erlebt ihn nur auf dem Papier.

3. Haben die Fondsmanager reagiert?

Im nächsten Schritt gilt es zu prüfen, ob und wie stark die eigenen Produkte/Fonds überhaupt von den Marktbewegungen betroffen sind. Nicht selten stellt sich dabei heraus, dass die Ausschläge im eigenen Depot viel geringer ausfallen als auf dem Gesamtmarkt, etwa weil Fondsmanager bereits gegengesteuert haben. Das ist der Vorteil eines Fonds – und gerade bei Multi-Asset-Produkten: Man mischt risikoträchtige Anlageformen wie Aktien, Immobilien und Unternehmensanleihen mit defensiven Anlageformen wie Staatsanleihen, um das Risiko allzu großer Wertschwankungen auszugleichen. Und falls es die Fonds des Kunden doch heftiger erwischt hat, lohnt ein Blick auf die langfristige Entwicklung der betroffenen Produkte. Dann wird oft deutlich, dass Korrekturen ein ganz normaler Teil des Börsengeschehens sind. Solche Phasen sind häufig sogar ein besonders günstiger Zeitpunkt zum Einstieg in Werte und Strategien.

4. Sind die langfristigen Anlageziele in Gefahr?

Inzwischen ist klar: Fest verzinste Geldanlagen sind im andauernden Niedrigzinsumfeld immer weniger attraktiv. Anleger, die ihr Vermögen vor der Inflation bewahren oder gar vermehren möchten, kommen nicht um Anlageformen herum, die gewissen Schwankungen unterliegen. Ein nüchterner Blick auf die langfristigen Anlageziele beweist, dass hektisches Kaufen und Verkaufen für die meisten Anleger kontraproduktiv sein dürfte. Das lässt sich am Beispiel europäischer Aktien in den vergangenen 30 Jahren zeigen: Bei einem Anlagezeitraum von einem Jahr mussten Anleger im MSCI Europe mit sehr viel Pech bis zu 40 Prozent Verlust verkraften. Bei drei Jahren Haltedauer waren es in allen denkbaren Abschnitten schon nur noch maximal 20 Prozent. Über 15 Jahre machten Anleger sogar in jedem Fall Gewinn, egal, zu welchem Zeitpunkt sie eingestiegen waren.

Die Anlagedauer entscheidet über den Erfolg

Anlagedauer

Quelle: Datastream und Fidelity, Zeitraum: 31.12.1990 bis 31.05.2016. Durchschnittliche jährliche Wertentwicklung, berechnet über alle möglichen 5-, 10- und 15- Jahresperioden. (jeweils zum Monatsende), die von 1990 bis 2016 möglich waren. Berechnung auf Basis des MSCI Europe Index und des MSCI World Index. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Indikatoren für zukünftige Erträge. Der Wert der Anteile kann schwanken und wird nicht garantiert. Fremdwährungsanlagen sind Wechselkursschwankungen unterworfen.

5. Will man sich wirklich an Market Timing versuchen?

Es ist für einen Laien extrem schwer, den richtigen Einstieg in den Markt zu erwischen. Wer bis zum Jahr 2015 zehn Jahre lang ununterbrochen in den MSCI Europe investiert war, erzielte eine positive Rendite von 4,8 Prozent pro Jahr. Nur: Wer bloß die besten zehn Tage verpasste, rutschte ins Minus – und machte 1,8 Prozent Verlust pro Jahr. Ohne die besten 20 Tage waren es sogar 5,5 Prozent Minus pro Jahr. Sinnvoller investieren Anleger regelmäßig einen bestimmten Geldbetrag in einen Fonds, zum Beispiel jeden Monat oder alle drei Monate. Dann kaufen sie in guten Börsenphasen weniger Anteile, in schwachen Börsenphasen, wenn die Kurse niedrig sind, dafür umso mehr. Man spricht vom Durchschnittskosteneffekt („Cost Averaging“). Dadurch sinkt der durchschnittliche Preis der Anteile.

"Hin und her macht Taschen leer"

Es lohnt sich voll investiert zu bleiben – das zeigt die jährliche Wertentwicklung über den Anlagezeitraum der vergangenen 10 Jahre.

Anlagezeitraum

Quelle: Fidelity, Datastream, MSCI Europe Index, annualisiert, in EUR. 10-Jahreszeiträume, zu allen möglichen Zeiträumen in monatlichen Intervallen. Betrachtungsraum 31.05.2006 - 31.05.2016. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Indikatoren für zukünftige Erträge. Der Wert der Anteile kann schwanken und wird nicht garantiert. Fremdwährungsanlagen sind Wechselkursschwankungen unterworfen.

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