6. März 2018

Verluste begrenzen: Was der Maximum Drawdown verrät

Gut abgesichert: Der Maximum Drawdown liefert einen Anhaltspunkt dafür, wie verlustanfällig eine Anlage ist. Privatanleger können anhand der Kennzahl sehen, ob eine Aktie in der Vergangenheit starke Kurseinbrüche erlitten hat. Bildquelle: iStock/EXTREMEPHOTOGRAPHER

In der Finanzwissenschaft existieren verschiedene Indikatoren, auf die Berater zurückgreifen können, um ihren Kunden das Risiko eines Investments zu erklären. In einer Serie stellen wir die wichtigsten Risikomaße vor. Der Maximum Drawdown liefert einen Anhaltspunkt für das maximale Verlustrisiko einer Geldanlage.

Anleger zielen in der Regel darauf, mit möglichst geringen Risiken eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Dabei wollen sie Verluste meiden beziehungsweise begrenzen. Einen Hinweis auf die Verlustanfälligkeit einer Anlage liefert der sogenannte Maximum Drawdown (auf Deutsch: maximale Absenkung). Die Kennzahl misst den stärksten Verlust einer Anlage in einem bestimmten Zeitraum und wird in Prozent angegeben – als höchstmöglicher relativer Verlust, den ein Anleger erlitten hätte, wenn er innerhalb eines bestimmten Zeitraums zum höchsten Kurs gekauft und zum tiefsten Kurs verkauft hätte.

Hinweis auf die Länge von Korrektur- und Erhohlungsphasen

Der Maximum Drawdown lässt sich leicht berechnen und interpretieren. Die Formel lautet:

Maximum Drawdown = (Kurstief × 100/Kurshoch) – 100

Beispiel: Wenn der Wert eines Fonds in einer bestimmten Zeitspanne zwischen 94 Euro und 105 Euro schwankte, beträgt der Maximum Drawdown – also der potenzielle Maximalverlust für Anleger, die den Fonds in dieser Zeit ge- und verkauft haben – 10,48 Prozent.

1. Berechnung des Maximum Drawdowns

Grafik dient nur zur Illustration. Quelle: http://www.avanainvest.com/avana-asset-management/maximum-drawdown

Der Maximum Drawdown lässt sich für alle möglichen Anlageklassen berechnen. Durchgesetzt hat sich die Kennzahl besonders bei der Risikoanalyse von Anlageportfolios sowie Investmentfonds: Anhand des Maximum Drawdowns eines Fonds lässt sich auch erkennen, wie gut das Risikomanagement funktioniert. Produkte, bei denen die Kennzahl vergleichsweise niedrig ausfällt (zum Beispiel bei unter 10 Prozent liegt), können als weniger riskant gelten als Fonds, die ähnliche Renditeziele verfolgen und dabei stärker schwanken. Anleger erhalten durch den Maximum Drawdown also einen Anhaltspunkt darüber, mit welchem Verlust sie in einem bestimmten Zeitraum rechnen können. Zwar bezieht sich der Wert immer auf die Vergangenheit. Der Kursverlauf in früheren Zeitspannen kann aber einen Hinweis darauf geben, wie heftig künftige Korrektur- und Erholungsphasen bei der jeweiligen Anlage mutmaßlich ausfallen – und wie lang Verlustphasen andauern. Als Drawdown gilt dabei die Zeitspanne zwischen dem Beginn einer Kurskorrektur bis zum Erreichen des tiefsten Kurses, von dem aus es dann wieder aufwärtsgeht.

2. Erholungsphasen

Grafik dient nur zur Illustration. Anhand des Maximum Drawdowns lässt sich erkennen, wie lange es dauert, bis eine Anlage sich von einem Kurseinbruch erholt hat. Quelle: https://www.mutualfundobserver.com/2014/08/recovery-time/

Höhe der Kennzahl variiert je nach Zeitraum

Die Zeitspanne lässt sich bei der Berechnung des Maximum Drawdowns frei wählen. Grundsätzlich gilt: Je länger der gewählte Zeitraum, desto tiefer fällt der Maximum Drawdown in der Regel aus, weil die Wahrscheinlichkeit steigt, dass es in den betrachteten Jahren zwischenzeitlich höhere Wertverluste gab. Fonds-Rating-Agenturen und Investment-Gesellschaften betrachten oft Zeitspannen von drei oder fünf Jahren; oder sie berechnen den Maximum Drawdown eines Fonds seit dessen Auflagedatum. Wie hoch der Maximum Drawdown ausfällt, hängt noch von anderen Faktoren ab, unter anderem von den verwendeten Vergleichswerten der Höchstwerte. So können entweder Tagesrenditen oder Monatsrenditen eines Produkts in die Berechnung einfließen. Der Maximum Drawdown fällt je nach Berechnungsgrundlage unterschiedlich hoch aus.

Interessante Kennzahl für risikoaverse Anleger

VWeil mit dem Maximum Drawdown ein Worst-Case-Szenario abgebildet wird, ist die Kennzahl vor allem für risikoscheue Anleger interessant, die hohe Verluste meiden wollen. Dazu gehören auch viele institutionelle Investoren wie Versicherungen, Stiftungen oder Pensionsfonds. Sie haben in der Regel klare Risikovorgaben und gestatten nur bestimmte prozentuale Höchstverluste. Wenn sie eine gewisse Verlustschwelle mit einem Investment unterschreiten, müssen sie ihre Position auflösen. Anhand des Maximum Drawdowns können solche Anleger im Vorfeld abschätzen, ob ein Investment voraussichtlich zu ihren Anlageregularien passt.

Privatanleger wiederum können anhand des Maximum Drawdowns sehen, ob eine Anlage – etwa eine Aktie – in der Vergangenheit starke Kurseinbrüche erlitten hat. Mithilfe der Kennzahl lässt sich zudem abschätzen, ob die Aktie sich bisher von Kurseinbrüchen wieder erholt hat. So können Anleger Käufe gegebenenfalls verschieben und warten, bis sich ein aktueller Kurs wieder früheren Tiefstkursen annähert. Zu einem späteren Zeitpunkt könnten sie so gegebenenfalls zu einem noch günstigeren Preis kaufen.

Wichtige Hinweise

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