Einführung

Wir befinden uns in der Mitte des Konjunkturzyklus. Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene ist der Höhepunkt des Wachstums und der lockeren Geldpolitik überschritten. Energieknappheit und Engpässe in den Lieferketten dämpfen das Wachstum und sorgen für anhaltenden Preisdruck. Erhebliche Risiken birgt, dass China sein Wirtschaftsmodell anzupassen versucht. Dieses Umfeld muss die Märkte nicht aus der Bahn werfen, erhöht aber die Volatilität.

Das Makroumfeld für sich genommen würde uns gegenüber Aktien vorsichtiger werden lassen. Positive Saisoneffekte im vierten Quartal und unsere Einschätzung, dass der Konjunkturzyklus noch lange nicht am Ende ist, stimmen uns jedoch mittelfristig positiv, was Aktien angeht. Vorerst sind wir noch neutral gegenüber Aktien positioniert, planen aber, bei Kursrückgängen wieder vermehrte Risiken einzugehen.

Übergewichtet bleiben wir in Aktien aus entwickelten Ländern, während wir den Pazifikraum (ohne Japan) meiden. Diesbezüglich behalten wir im Blick, ob es in China zu einer deutlichen Lockerung der Politik kommt, die in der Region zu einem Favoritenwechsel führen könnte, aber dies ist noch nicht der Fall.

In Anbetracht des jüngsten Renditeanstiegs am Anleihenmarkt haben wir unsere Short-Duration-Position geschlossen und die Untergewichtung in Investment Grade-Unternehmensanleihen reduziert. Da wir uns erst in der Mitte des Zyklus befinden und die Ausfallraten in den entwickelten Ländern niedrig bleiben dürften, halten wir an der Übergewichtung des High Yield-Segments fest.

Angesichts des schwierigeren kurzfristigen Wachstumsbildes und der Tatsache, dass die US-Notenbank ihre Geldpolitik bald straffen will, bleiben wir auch im US-Dollar übergewichtet.

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Makroausblick

Sinkendes Wachstum und höhere Inflation stellen Notenbanken vor ein Dilemma

Die Wirtschaftsdaten deuten auf eine Verlangsamung des globalen Wachstums hin, die zumindest in den nächsten Monaten anhalten dürfte. Gleichzeitig entfalten sich inflationstreibende Kräfte, die in naher Zukunft wohl nicht nachlassen werden. Dies stellt die Notenbanken vor ein Dilemma: sollen sie das Wachstum stützen und gleichzeitig zulassen, dass die Inflation über dem Zielwert liegt, oder sollen sie die Inflation auf Kosten der Erholung in Schach halten?

Zwei Entwicklungen veranlassen uns zu vermehrter Vorsicht bezüglich der Wachstumsaussichten: die Konjunkturabschwächung in China und die Energiekrise in Europa. In China werden die geld- und fiskalpolitischen Rahmenbedingungen verschärft, was weitreichende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben könnte. Die Konjunkturabschwächung resultiert insbesondere aus Reformen, die auf den chinesischen Immobiliensektor abzielen, und eine Energiekrise, die durch Engpässe bei der Kohleversorgung und CO2-Emissionsziele ausgelöst wurde. Die chinesische Regierung hat eine größere Toleranz gegenüber einer nachlassenden Konjunktur an den Tag gelegt als früher. Das Ergebnis könnte eine länger anhaltende und tiefere Talsohle für die Industrieproduktion und die Nachfrage sein, was zwangsläufig die Weltwirtschaft belasten würde.

In Europa liegen die Gas- und Strompreise auf Rekordniveau. Es wird davon ausgegangen, dass sie den Winter über und möglicherweise noch länger hoch bleiben werden, da in den letzten Jahren weniger Investitionen in die Förderung fossiler Brennstoffe erfolgten und der CO2-Preis in Europa gestiegen ist. Dies könnte auf dreierlei Weise die Konjunktur dämpfen: Erstens halten wir in der Industrie eine Rezession für möglich, die auf die Verknappung von Rohstoffen und hohe Kosten zurückzuführen ist. Zweitens wird das Verbrauchervertrauen durch die Belastung mit höheren Stromrechnungen schon jetzt beeinträchtigt. Drittens zeigte unsere Analystenumfrage von Oktober, dass 62 % der europäischen Unternehmen mit einer Belastung ihrer Gewinne durch die hohen Energiekosten rechnen. Dies ist eine besorgniserregende Entwicklung, auch wenn die negativen Realzinsen noch unterstützend wirken.

Angebotsstörungen dürften sich verschärfen

Auch die globalen Inflationsaussichten haben sich durch Unterbrechungen der Lieferketten in vielen Bereichen eingetrübt (siehe Grafik 1). Der Nachfrageüberhang bei Mikrochips beeinträchtigt weiterhin die Autoproduktion, sodass die Hersteller ihre Absatzerwartungen zurückschrauben mussten. Die Lieferfristen haben sich verlängert, wodurch Erzeuger- und Verbraucherpreise weltweit steigen.

Grafik 1: Störungen in den Lieferketten verschärfen sich

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Ein Wert unter 50 deutet auf Schrumpfung hin. Quellen: Fidelity International, Bloomberg; Stand: September 2021

Das knappe Angebot an Arbeitssuchenden trägt ebenfalls zur Inflation bei. Am auffälligsten ist dies in den USA, wo die Löhne vor allem in den unteren Einkommensklassen steigen. Über 70 % unserer Analysten berichten, dass die Kosten für die von ihnen abgedeckten Unternehmen in den nächsten sechs Monaten steigen werden. Unternehmen, die über keine Preissetzungsmacht verfügen oder nicht imstande sind, höhere Kosten durch Effizienzsteigerungen auszugleichen, werden unter sinkenden Gewinnmargen und möglichen Marktanteilsverlusten leiden. Mittelfristig kann ein anhaltender Lohnanstieg zu dauerhaft höheren Inflationserwartungen führen.

Die Verlängerung der Angebotsstörungen scheint bei einigen Notenbanken und Marktteilnehmern zu einer Verschiebung der Erwartungen in Richtung „anhaltende Inflation" zu führen. Unserer Ansicht nach wird sich dieses Szenario bis auf weiteres durchsetzen. Das ist auf strukturelle Faktoren zurückzuführen, die schneller als erwartet Wirkung entfaltet haben. Dazu zählen die Dekarbonisierung und politische Bemühungen zur Förderung des Lohnwachstums sowie Nachwirkungen der Angebotsunterbrechungen im Zuge der Coronavirus-Krise.

Geldpolitik vor schwierigen Entscheidungen

Die Kombination aus verlangsamtem Wachstum und erhöhter Inflation stellt die Notenbanken vor die Wahl, entweder den Aufschwung nach der Pandemie zu unterstützen oder die Glaubwürdigkeit ihres Mandats zur Wahrung von Preisstabilität zu wahren. Dies führt zu einer größeren Divergenz der geldpolitischen Reaktionen, die aus unterschiedlichen Prioritäten der Notenbanken resultiert.

Die Notenbanken lassen sich derzeit in zwei Lager einteilen: Das eine konzentriert sich auf die Wahrung der Glaubwürdigkeit sowie die Verankerung der Inflationserwartungen und hat mit der Straffung der Geldpolitik begonnen. Dabei dürfte die Bank of England nach der Norges Bank und der neuseeländischen Notenbank als nächste an der Reihe sein (Grafik 2). Wir ordnen auch die US-Notenbank diesem Lager zu, da sie entschlossen zu sein scheint, zumindest die Käufe von Vermögenswerten noch vor Jahresende zu reduzieren. Zum anderen Lager gehören Notenbanken, die sich in einer abwartenden Haltung befinden. Dazu zählen die EZB und die chinesische Notenbank (PBOC), die weniger über steigende Inflationserwartungen besorgt sind. Die Hauptziele der EZB sind die Verhinderung einer Ausweitung der Renditeaufschläge für Staatsanleihen und die Bereitstellung umfangreicher Bankliquidität, während die PBOC ein Gleichgewicht zwischen Schuldenabbau und Unterstützung des Regierungsziels „allgemeiner Wohlstand" herzustellen.

Nur allmähliche Straffung der Geldpolitik

Ungeachtet dieser sich abzeichnenden Divergenz in den Strategien dürfte der längerfristige Weg zur Normalisierung der Geldpolitik für alle Notenbanken eine Herausforderung darstellen. Da die meisten Länder mit einer stark gestiegenen Verschuldung aus der Pandemie hervorgehen, wird die Sicherstellung der Schuldentragfähigkeit den Spielraum der Geldpolitik in den kommenden Jahren noch stärker einschränken. Die Notenbanken, die ihre Lockerungsmaßnahmen frühzeitig zurücknehmen, dürften ihre Geldpolitik nur allmählich straffen. Dagegen werden Notenbanken, die erst später handeln, möglicherweise auf absehbare Zeit nicht imstande sein, die Lockerungsmaßnahmen vollständig zurückzunehmen oder Zinserhöhungen vorzunehmen. Wir glauben, dass die Märkte erst eine Phase der Neuausrichtung ihrer Erwartungen durchlaufen müssen, bevor sich wieder ein reflationäres Szenario etabliert.

Makroresearch als Basis der Asset Allocation

Das Global Macro & SAA Team von Fidelity trägt zu den taktischen Anlageentscheidungen bei. Es liefert wichtige Inputs und kooperiert mit dem Investmentteam, um die maßgeblichen gesamtwirtschaftlichen Faktoren zu verstehen und darauf zu reagieren.

Grafik 2: Längerfristige Inflationserwartungen setzen die Notenbanken unter Druck

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Am Terminmarkt unterstellte Inflationsraten auf Sicht von 5 Jahren in den USA, Europa und Großbritannien; -30 Basispunkte für CPI:PCE-Basis und -90 Basispunkte für RPI:VPI-Basis. Die Raten in den USA und in Großbritannien basieren auf Breakeven-Sätzen, die Raten im Euroraum auf Swap-Sätzen. Quellen: Fidelity International, Refinitiv Datastream; Stand: Oktober 2021.

Fidelity-Indikatoren

Fidelity Leading Indicator (FLI)

Der FLI soll die kurzfristige Richtung und Dynamik des globalen Wachstums prognostizieren. Er soll auch die dafür maßgeblichen Faktoren identifizieren. Konkret soll der FLI die globale Industrieproduktion und andere zyklische Variablen auf Sicht von rund drei Monaten vorhersagen. Fidelity Solutions & Multi Asset nutzt den FLI als Bezugsgröße im Rahmen der taktischen Asset Allocation.

Der FLI Cycle Tracker hat sich weiter in den Quadranten unten links bewegt (Wachstum unter Trend und nachlassend). Die 3-Monats-Wachstumsrate ist stark gesunken, auch wenn sie im Jahresvergleich noch positiv ist. Das quantitative Signal des FLI ist nach wie vor negativ und deutet auf eine risikoarme Ausrichtung bzw. eine lange Durationsposition bei Anleihen hin.

FLI Cycle Tracker

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Quelle: Fidelity International; Stand: Oktober 2021

FLI: Änderung über 3-Monate vs. Industrieproduktion (OECD)

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Quelle: Fidelity International; Stand: Oktober 2021.

Alle FLI-Sektoren zeigen eine Verlangsamung an, wobei vier der fünf Bereiche unter dem Trend liegen. Nur der Sektor Konsum und Arbeitsmarkt liegt noch darüber. Die Konsumausgaben waren der Schlüssel zum Aufschwung nach der Coronavirus-Krise und entwickeln sich in Europa weiterhin positiv. In den USA sind die staatlichen Hilfen ausgelaufen, und das Verbrauchervertrauen ist allgemein gesunken. Umgekehrt ist in Europa der Rückgang der Arbeitslosigkeit weniger ausgeprägt, während die US-Arbeitsmarktlage positiv überraschte. Steigende Kosten und Engpässe in den Lieferketten könnten die Verbraucherausgaben in nächster Zeit dämpfen

Regionale Perspektiven

USA

Die Unternehmensgewinne in den USA sind stark gestiegen und dürften stabil bleiben. Unsere Analysten erwarten leicht höhere Erträge, als es dem Marktkonsens entspricht. Weiter kräftig zulegen dürften die Gewinne der zyklischen Branchen. Steigende Inputpreise wirken sich dämpfend auf konsumorientierte Sektoren aus, während die Bereiche Industrie und Rohstoffe ebenfalls mit Störungen der Lieferkette konfrontiert sind.

Die staatlichen Hilfen haben in den USA ihren Höhepunkt überschritten. Die Frage ist nun, ob steigende Löhne die sinkende öffentliche Unterstützung ausgleichen können. Angesichts logistischer Engpässe und steigender Frachtkosten verstärken einige Unternehmen wieder ihre Lagerhaltung. Die Arbeitsmarktlage verbessert sich weiter, und die Einzelhandels- und Kreditkartenumsätze entwickeln sich nach wie vor gut.

Die Inflation bleibt vorerst auf hohem Niveau. Der Aufwärtsdruck kommt hauptsächlich von Gütern, bei denen es im Zusammenhang mit der Wiedereröffnung der Wirtschaft zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage kommt. Die US-Notenbank erkennt den kurzfristigen Inflationsdruck an, rechnet aber immer noch damit, dass dieser wieder nachlässt. Auch die Teilnehmer an den Aktien- und Anleihenmärkten rechnen noch nicht mit einem Stagflationsszenario.

Asien

Unsere Analysten prognostizieren, dass die Unternehmensgewinn in Asien ohne Japan weiterhin unter den Markterwartungen liegen werden, in Japan aber deutlich darüber. Die Gewinne im dritten Quartal dürften bei zyklischen Titeln sowie in Taiwan, Australien und Indien nach oben korrigiert werden.

Die Inflation in Asien liegt noch niedriger als in anderen Schwellenländern. Allerdings steigen die Kosten für verschiedene Inputs wie Seefrachtraten, Rohstoffe und Öl. Der Marktkonsens, wonach sich die Nettomargen in Asien (weniger in China) bis 2022 verbessern werden, erscheint optimistisch, wenn der aktuelle Inflationsdruck anhält. Die Bewertungen indischer Aktien könnten korrekturanfällig sein, da sie in einem Umfeld hoher Ölpreisen auf dem höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten gehandelt werden, was in der Vergangenheit zu Verlusten geführt hat. Indonesien profitiert von Rohstoffexporten und sowie der Wiedereröffnung der Wirtschaft nach Fortschritten bei Impfungen.

Europa

Die Situation im Hinblick auf das Coronavirus erscheint beruhigend. Die Impfquoten sind hoch, die Belastung des Gesundheitssystems ist gering und die Mobilität hat fast wieder das Niveau von vor der Krise erreicht. Weniger positiv sind jedoch die Nachrichten aus der Wirtschaft – so sind die Einkaufsmanagerindizes in der gesamten Region gesunken. Preisschocks auf der Angebotsseite, insbesondere auf den Energiemärkten, belasten das Verbrauchervertrauen und das Verarbeitende Gewerbe. Rohstoffanalysten gehen davon aus, dass sich die Lage zumindest in diesem Jahr nicht normalisieren wird.

In Großbritannien ist der Konjunkturaufschwung vorbei. Die Löhne schießen in die Höhe, die Arbeitslosigkeit sinkt, und neue Mitarbeiter sind so schwer zu bekommen wie seit sieben Jahren nicht mehr. Beschleunigte Inflation erscheint unvermeidlich, was eine Erhöhung der Leitzinsen in diesem Jahr wahrscheinlich macht. Allerdings dämpfen die sich abschwächende Konjunktur und ein personeller Wechsel an der Spitze der Bank of England die Chance auf künftige Zinserhöhungen.

Globale Sicht

Wir bevorzugen nach wie vor Aktien aus entwickelten Ländern gegenüber solchen aus Schwellenländern. Dafür sprechen das Wachstumsgefälle zwischen den beiden Regionen sowie die anhaltenden Risiken durch die politischen Veränderungen in China. Unseres Erachtens spricht wenig dafür, dass der derzeitige Vorteil der Aktienerträge in Industrieländern gegenüber denen in den Emerging Markets schwinden wird.

Entwicklung regionaler Einschätzungen

Gründliche Analysen regionaler Trends unter Einbeziehung von Inputs der gesamten globalen Research-Plattform von Fidelity.

Asset Allocation

Anlagesegmente Einschätzung Änderung Begründung

Aktien

 

 

 

USA

- Die Ertragslage in den USA ist nach wie vor gut, die Rückführung der quantitativen Lockerung der Geldpolitik durch die Notenbank ist gut kommuniziert und die Fiskalpolitik bleibt unterstützend.

UK

- Der positive Effekt der Wiedereröffnung der Wirtschaft hat sich etwas abgeschwächt, gleichzeitig steigt die Inflation. Kurzfristig dürften jedoch die hohen Rohstoffpreise dem britischen Aktienindex zugutekommen.
Europe exkl. UK

 

- Die Einkaufsmanagerindizes sind gesunken und angebotsseitige Schocks belasten Verbrauchervertrauen und Verarbeitendes Gewerbe. Andererseits ist das Coronavirus unter Kontrolle und die Unternehmenserträge sind stabil.
Japan

- Die Bewertungen erscheinen günstig und mit der Ausrichtung auf die globale Konjunktur ermöglicht der japanische Markt ein zyklisches Engagement.
Pazifikraum exkl. Japan
- Unsere Zurückhaltung gegenüber der Region ist das Gegenstück zu Übergewichtungen in anderen Regionen. Die politische Neuausrichtung Chinas ist eine Quelle erheblicher Unsicherheit.
Schwellenländer

- Rohstoffexportierende Länder profitieren von den jüngsten Preissteigerungen und die Coronavirus-Situation verbessert sich. Einige Schwellenländer haben jedoch aufgrund des Inflationsdrucks die Zinssätze angehoben.
Credits      
Unternehmensanleihen (Investment Grade) 
Trotz erholter Erträge ist die Qualität im IG-Segment historisch gesehen niedrig, während Spreads und die Gesamtrenditen weiterhin unattraktiv sind.
High Yield-Anleihen (global) - Die Fundamentaldaten verbessern und normalisieren sich, während die technischen Daten ebenfalls positiv sind. Die Spreads von BB und BBB bieten nach wie vor Spielraum für eine Einengung, insbesondere im Energiesektor.
Emerging Market Bonds (Hartwährungen) - Der jüngste Energiepreisanstieg dürfte Emittenten aus Ländern wie Russland, Saudi-Arabien und Mexiko zugutekommen. Die Wachstumsverlangsamung in China könnte sich aber nachteilig auf die Schwellenländer auswirken.
Staatsanleihen      
USA
- Die US-Notenbank dürfte auf die gestiegenen Inflationsdaten nicht reagieren. Wir erwarten eine anhaltend beschleunigte Teuerung, was für höhere Renditen (und fallende Anleihenkurse spricht).
Euroraum (Bundesanleihen) - Die EZB hat ihren Leitzins niedrig gehalten und lediglich die Verringerung der Ankäufe im Rahmen des Pandemie-Programms angekündigt.
Großbritannien - Angesichts nachlassenden Wachstums halten wir an unserer Übergewichtung fest. Die erwogene Straffung der Geldpolitik erscheint verfrüht, und negative Entwicklungen am Arbeitsmarkt könnten die BoE wieder umstimmen.
Japan
- Der japanische Markt bleibt defensiv. Wir behalten daher die Übergewichtung bei und wollen unsere Position auf eine kurze Duration ausrichten.
Inflationsindexierte Papiere (USA) Während eine Rückführung der Kaufprogramme der Notenbank Druck auch auf TIPs ausüben dürfte, erwarten wir keinen Kurseinbruch wie 2013.

Währungen

     

USD

 

- Der Dollar würde entweder von schwächeren globalen Wachstum oder einer strafferen US-Geldpolitik profitieren. Daher bleiben wir vorerst bei unserer Übergewichtung.

EUR

- Die entscheidenden Faktoren für eine Untergewichtung sind schwache Wachstumsanreize und nur begrenzter Spielraum für Zinserhöhungen.

JPY

 

- Der Yen dürfte bei einer Reflation unter Druck geraten. Da wir die globale Inflation für ein Risiko halten, wollen wir den Yen künftig untergewichten.
GBP - Negative Faktoren wie die Entwicklung der Zahlungsbilanz und das strukturell schwache Wachstums stehen den höheren Anleihenrenditen gegenüber.
Emerging Markets

 

- Die Schwellenländer stellen sich derzeit zu uneinheitlich dar, um ihre Währungen auf breiter Front zu kaufen; einige haben eine sehr hohe Inflation (Brasilien, Russland), andere eine sehr niedrige (Indonesien).

Quelle: Fidelity International; Stand: Oktober 2021. Die Veränderung spiegelt den Richtungsunterschied der Einschätzung gegenüber dem Vormonat wider. Die Einschätzungen beziehen sich auf einen typischen Zeithorizont von 12-18 Monaten und bieten eine breite Basis für Entscheidungen zur Asset-Allocation. Sie spiegeln jedoch nicht zwangsläufig die aktuellen Positionen der Anlagestrategien wider, die nach spezifischen Zielen und Vorgaben umgesetzt werden.

Aktuelle Anlagethemen

Das Investmentteam trifft sich regelmäßig, um Perspektiven zur Asset-Allokation zu sammeln, Meinungen zur Positionierung gegenüber den Hauptanlageklassen zu entwickeln und die jeweils besten Ideen für taktische Engagements auszutauschen. Dazu gehören makroökonomische Ausblicke, Inputs der Bottom-up-Research-Teams von Fidelity sowie die Ideen des globalen Investmentteams von Fidelity Solutions & Multi Asset.

Long-Position in Gold

Die Anleihenrenditen und der Wechselkurs des US-Dollar haben sich in letzter Zeit stark bewegt, weshalb das weitere Aufwärtspotential begrenzt erscheint. Sollte sich die Inflation als hartnäckiger erweisen, wovon wir ausgehen, würde dies auch die Goldnotierung unterstützen, zumal wenn die Nachfrage nach Goldschmuck saisonal bedingt höher ist.

Bevorzugung von Autoaktien am europäischen Aktienmarkt

Die Störungen der Lieferkette, die zu Engpässen bei Mikrochips geführt haben, haben die Autohersteller insbesondere in Europa beeinträchtigt. Der Automobilabsatz liegt derzeit wahrscheinlich auf einem Tiefpunkt. Die Situation wird sich unserer Meinung nach verbessern, sobald die Chipversorgung in den nächsten Quartalen wiederhergestellt ist.

Alternative Anlagen: Lizenzgebühren für Biopharmarka

Fidelity verfügt über beträchtliche Ressourcen für die Analyse alternativer Investments. Wir nutzen diese zur Erfüllung besonderer Anlagebedürfnisse und greifen dabei auf Instrumente von Infrastruktur über Private Debt bis hin zu Erneuerbaren Energien zurück. Der folgende Abschnitt beschreibt eine alternative Anlageklasse und unsere Einschätzung. Für weitere Informationen zu unserem Investmentansatz in diesem Bereich wenden Sie sich bitte an Ihren Ansprechpartner bei Fidelity. 

Lizenzgebühren für Biopharmarka: attraktive Renditen mit lebensrettender Medikamenten

Lizenzgebühren für biotechnologisch hergestellte Arzneimittel sind eine neue Anlagegattung, die ein Engagement in Cashflows ermöglicht, welche aus dem künftigen Verkauf von Biopharmaka resultieren. Investmentfonds beginnen damit, dieses Marktsegment zu erschließen, indem sie Darlehen an Biotechnologie-Unternehmen vergeben, die durch die Cashflows aus den Lizenzgebühren gesichert sind. Biotechnologiefirmen verfügen oft über hohes Vermögen, erzielen aufgrund der hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung neuer Produkte aber nur geringe laufende Einnahmen. Daher haben sie einen ausgeprägten Kapitalbedarf an, verfügen aber über keine größeren Kreditgeber oder spezialisierte Kreditmärkte. Hier können Investmentgesellschaften eine attraktive Nische bedienen.

Eine Reihe von Faktoren begünstigen den Sektor: Immer mehr Biotechnologie-Unternehmen besitzen Rechte an Produkten und Ansprüche auf Lizenzgebühren. Eine wachsende Zahl von Arzneien (darunter Medikamente für seltene Krankheiten) gelangen in die klinische Erprobung und werden dank eines günstigen regulatorischen Umfelds zugelassen. Investmentgesellschaften, die Kredite für Produkte mit stabilen und vorhersehbaren Cashflows vergeben können, bieten Anlegern attraktive Renditen bei relativ geringem Risiko. Die Darlehen können zur zusätzlichen Absicherung mit einer Reihe von Auflagen verknüpft sein und sogar die Rechte am Medikament selbst als Sicherheit verwenden, was Anlegern bei einem Zahlungsausfall zusätzlichen Schutz bietet.

Multi Asset-Investoren, die in diesen Bereich investieren, sollten sich vergewissern, dass die Anlagemanager, die die Darlehen vergeben, konservativ vorgehen. Anleger müssen auch den Prozess der Beschaffung neuer Kredite und die Erfolgsbilanz des Managers bewerten, den Umgang mit notleidenden Krediten in der Vergangenheit analysieren und die maßgeblichen Trends im Biotechnologiesektor beurteilen. Mit einer angemessenen Due Diligence-Prüfung sowie durch selektive und vorsichtige Investments können auf Lizenzgebühren aus Biopharmaka spezialisierte Fonds eine willkommene Ergänzung für ein Multi Asset-Portfolio sein.

Quelle: Fidelity International; Oktober 2021. Darstellung nur zur Illustration.

Im Brennpunkt: dauerhaft inflationstreibende Faktoren

Dieser Abschnitt beleuchtet ein bestimmtes Thema, einen Trend oder einen speziellen Fokusbereich. Von der Inflation wie in der vorliegenden Ausgabe bis hin zu anderen Themen mit Bezug zu Assetklassen und Investmentstrategien analysieren wir unterschiedliche Anlageideen, um in den Portfolios langfristige Ziele zu erreichen.

Die aus der Coronavirus-Pandemie resultierenden preistreibenden Faktoren dürften im nächsten Jahr nachlassen. Dennoch erwarten wir, dass die Inflation länger erhöht bleiben wird, als die Marktteilnehmer derzeit erwarten. Drei Faktoren sollten mittelfristig Aufwärtsdruck auf die US-Inflation ausüben.

Die Inflation ist in diesem Jahr sprunghaft angestiegen. Die Wiederöffnung nach den Lockdowns hat die Nachfrage nach einigen Produkten und Dienstleistungen in die Höhe schnellen lassen, während das Angebot an Waren und Arbeitskräften immer noch beeinträchtigt ist. Zudem haben die Regierungen und Notenbanken die Volkswirtschaften mit umfangreichen geld- und fiskalpolitischen Anreizen überhäuft. Einige Notenbanken, darunter die amerikanische, sind nunmehr bereit sind, eine stärkere Teuerung zu tolerieren, um ihre Inflationsziele im Durchschnitt zu erreichen, anstatt sie als Obergrenze zu betrachten.

1.    Steigende Mindestlöhne in den USA

Die im Zuge der Pandemie entstandene Lücke zwischen Angebot und Nachfrage hat in einigen Sektoren zu starken Lohnsteigerungen geführt, vor allem im Freizeit- und Gastgewerbe. Verstärkt wurde der Effekt durch die allmähliche Anhebung des Mindestlohns auf 15 US-Dollar pro Stunde (vom derzeitigen Mindestlohn von 7,25 Dollar). Einige Arbeitgeber von Niedriglohnempfängern kommen der Gesetzgebung zuvor und haben bereits jetzt damit begonnen, die Löhne zu erhöhen, um der Arbeitskräfteknappheit zu begegnen.

Das Gaststättengewerbe, in dem rund 7 % der US-Beschäftigten arbeiten, war von den Lockdowns mit am stärksten betroffen. Viele Restaurants waren gezwungen, Personal zu entlassen oder für immer zu schließen. Doch seit Aufhebung der Beschränkungen ist die Nachfrage so stark gestiegen, dass viele Restaurants Schwierigkeiten haben, ausreichend Personal einzustellen. Um Mitarbeiter zu gewinnen, müssen sie die Gehälter nun erheblich anheben.

Grafik 3: Höhere Löhne im Freizeit- und Gastgewerbe werden an die Verbraucher weitergegeben

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Quellen: Fidelity International, Haver Analytics; Stand: Oktober 2021

Die Faktoren, die die Arbeitgeber dazu veranlassen, höhere Löhne für die am schlechtesten bezahlten Arbeitsplätze anzubieten, dürften in naher Zukunft fortbestehen und könnten auf andere Sektoren in den USA übergreifen. Ob andere Sektoren einen ähnlichen Anteil der Lohnerhöhung an ihre Kunden weitergeben wie das margenschwache Gaststättengewerbe, bleibt abzuwarten. Da aber die unteren Einkommensgruppen eine höhere Ausgabenbereitschaft bei zusätzlichen Einkünften haben, könnte eine höhere Inflation aufgrund steigender Gesamtnachfrage die indirekt Folge sein.

2.    Wohnkostenentwicklung in den USA

Die Rate, mit der die Kosten für Häuser und die Mieten steigen, hat erheblichen Einfluss auf die Kerninflation in den USA. Die Mieten bzw. die Mietäquivalente von Wohnungseigentümern machen fast 20 % des PCE-Kernpreisindexes und etwa 40 % des VPI-Kernindexes aus. Im Jahresvergleich sind die Hauspreise um 18 % gestiegen, was auf eine Kombination aus begrenztem Angebot, niedrigen Hypothekenzinsen und Abwanderung aus den Großstädten zurückzuführen ist. Die lineare Beziehung zwischen Hauspreisen und der Entwicklung der Wohnkosten impliziert eine Wohnkosteninflation von 4-5 % in den nächsten 12-18 Monaten.

Zusätzlich zu diesem kurzfristigen zyklischen Schub dürften die dauerhaften Auswirkungen des begrenzten Wohnungsangebots und der anhaltenden Nachfrage die Preise in den kommenden Jahren weiter nach oben treiben, während die Millennials in die höchste Altersgruppe für Haushaltsgründungen aufsteigen.

Grafik 4: Steigende Immobilienpreise treiben Wohnkosten nach oben

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Quellen: Fidelity International, Refinitiv Datastream; Stand: Oktober 2021.

3.    Nachhaltigkeit und globale Netto-Null-Ziele

Der Klimawandel und die Bemühungen zu seiner Eindämmung werden die künftige Form des Wirtschaftswachstums bestimmen und tiefgreifende Auswirkungen auf die Kapitalmarktrenditen und die strategische Vermögensallokation haben, wie wir in einem kürzlich erschienen Papier dargelegt haben.

Unserer Ansicht nach erfordert eine wirksame Reaktion auf den Klimawandel unter anderem eine Bepreisung der CO2-Emissionen. Das Network for Greening the Financial System (NGFS) schätzt, dass der CO2-Preis steil ansteigen müsste, um bis 2050 die Marke von netto null Emissionen zu erreichen, und zwar von derzeit durchschnittlich 3 Dollar pro Tonne über 150 bis 200 Dollar in der Mitte dieses Jahrzehnts auf 700 bis 800 Dollar im Jahr 2050. Dies würde sich erheblich auf die Inflation auswirken.

Unserer Ansicht nach erfordert eine wirksame Reaktion auf den Klimawandel unter anderem eine Bepreisung der CO2-Emissionen. Das Network for Greening the Financial System (NGFS) schätzt, dass der CO2-Preis steil ansteigen müsste, um bis 2050 die Marke von netto null Emissionen zu erreichen, und zwar von derzeit durchschnittlich 3 Dollar pro Tonne über 150 bis 200 Dollar in der Mitte dieses Jahrzehnts auf 700 bis 800 Dollar im Jahr 2050. Dies würde sich erheblich auf die Inflation auswirken.

Darüber hinaus sind die derzeitigen Verwerfungen auf den globalen Energiemärkten und die daraus resultierenden Energieengpässe in Europa und China ein erstes Beispiel für die inflationären Auswirkungen einer unkoordinierten Dekarbonisierung, welche in den nächsten Jahren häufiger auftreten könnten.

Abwägung in der Inflationsdebatte

Auch wenn sich die gravierendsten Auswirkungen der Pandemie auf die Finanzmärkte und die Realwirtschaft abgeschwächt haben, könnten die obengenannten längerfristigen Faktoren anhaltenden Aufwärtsdruck auf die Inflation ausüben. Dennoch sind wir uns bewusst, dass die strukturellen Kräfte, die sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten als disinflationär erwiesen haben, seit der Pandemie weder verschwunden sind noch sich vollständig umgekehrt haben.

Technologie, demografischer Wandel und Globalisierung sind einige der Kräfte, die die Preisentwicklung auch längerfristig beeinflussen werden - allerdings nicht unbedingt in dieselbe Richtung wie bisher.

Die Notenbanken sehen sich nun mit der Aussicht konfrontiert, mit steigenden Preisen zurechtzukommen, während sich das globale Wachstum verlangsamt. Ob sie dem Wachstum oder der Inflation den Vorrang geben, wird tiefgreifende Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben. Wir glauben, dass die US-Notenbank im Zweifelsfall dem Wachstum den Vorzug geben und die realen Renditen extrem niedrig halten wird, was bedeutet, dass die Inflation weiter steigen könnte.

Wie Verbraucher und Unternehmen auf beschleunigte Inflation reagieren wird, bleibt abzuwarten.

Fidelity Solutions & Multi Asset

Fidelity Solutions & Multi Asset ist ein globales Team, das Portfolios mit einer breiten Palette von Anlageklassen managt -  darunter Aktien, Anleihen, Immobilien, Infrastruktur und andere alternative Investments. Das Team ist darauf spezialisiert, für Kunden ergebnisorientierte Strategien zu entwickeln und zu managen. Dabei kombiniert es mehrere Anlageklassen, um die jeweiligen Ziele zu erreichen.

Zum 31. August 2021 verwaltete Fidelity Solutions & Multi Asset für institutionelle und private Kunden aus aller Welt ein Anlagevolumen von über 58 Mrd US-Dollar. Das Team deckt folgende Bereiche ab: Anlagemanagement, Asset Allocation, Research, Entwicklung von Kundenlösungen und Umsetzung. Es stützt sich dabei auf die operative Infrastruktur von Fidelity, arbeitet in den Hauptanlageklassen mit den Bottom-up-Investmentteams von Fidelity zusammen und nutzt deren umfangreiches globales Research.

Weitere Informationen zu Strategien und Services von Fidelity Solutions & Multi Asset erhalten Sie bei Ihrem lokalen Ansprechpartner bei Fidelity.

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