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Vorangehen: Warum wir den aktiven Dialog dem Ausschluss vorziehen

Jenn-Hui Tan

Jenn-Hui Tan - Global Head of Sustainable Investing

Anleger können nicht-nachhaltige Unternehmen aus ihren Portfolios ausschließen – oder bei ihnen Verbesserungen anzustoßen. Doch richtig aufräumen halten wir für besser, als Branchen und Firmen unter den „ESG-Teppich“ zu kehren.

Wie geht man als Anleger mit Anhui Conch um, einem der größten Zementhersteller Chinas? Klar, die Zementindustrie gehört zu den umweltschädlichsten Branchen der Welt. Und klar, in China wird mehr davon in Säcke gefüllt als im Rest der Welt zusammengenommen. Also klar, dass Conch keinen Platz in einem nachhaltigen Anlageportfolio hat? 

Tatsache ist: Die Welt wird Zement kaufen, ob man als Investor in einen Hersteller investiert oder nicht. Verantwortungsbewusste Kapitalverwalter stellt das vor eine spannende Frage: Wie kann man optimale Renditen erzielen und gleichzeitig das Unternehmensverhalten verbessern? Dieses „Verbessern“ kann von verstärktem Umweltschutz bis hin zu einer gerechteren Behandlung der Beschäftigten reichen. Wo also lässt sich mehr Gutes erreichen: Wenn man sich bei einem Zementhersteller engagiert, damit dieser umweltfreundlicher wird? Oder wenn man sich von einem Unternehmen trennt und eine Warnung an den gesamten Sektor sendet? 

Engagement oder Ausschluss: Das ist eine zentrale Frage für nachhaltige Investoren. Wo immer möglich, entscheiden wir uns für Ersteres. 

Ein vorbildliches Engagement 

Noch im Jahr 2021 hatte die globale Ratingagentur MSCI für Anhui Conch den Daumen gesenkt: Der Zementhersteller hat für seine Umwelt-, Sozial- und Governance-Belange (ESG) die niedrigste Note erhalten. Dies war ein klares Signal an die Anleger, dass Conch kein nachhaltiges Unternehmen ist.

Dennoch sahen die Analysten von Fidelity vielversprechende Anzeichen. Conch arbeitete bereits an der Senkung seiner Emissionen, und wir schätzten das Unternehmen trotz seiner Größe als Vorreiter bei der Dekarbonisierung in der chinesischen Zementindustrie ein. Das Unternehmen investierte mehr als zwei Milliarden Renminbi pro Jahr (288 Millionen US-Dollar), um seine CO2-Emissionen pro Tonne in den fünf Jahren bis 2025 um sechs Prozent zu senken. 

Unternehmen wie Conch stellen Investoren vor ein Dilemma. Einerseits kann man vor dessen Auswirkungen auf die Umwelt nicht die Augen verschließen. Andererseits kann ein Zementhersteller seine CO2-Emissionen nicht über Nacht reduzieren. Er kann jedoch im Laufe der Zeit Strategien entwickeln, um seine Vorgehensweisen zu verbessern. Und engagierte Investoren können dabei helfen, diesen Prozess zu steuern.

Strategien wie diese erfordern erhebliche Finanzmittel, und ein schlechtes MSCI-Rating trug nicht zu sinkenden Kapitalkosten von Anhui Conch bei. Anfang 2021 trafen wir uns mit dem Management von Conch – und stellten fest, dass das CCC-Rating von MSCI der Umweltleistung des Unternehmens nicht gerecht wurde. Die Zementpreise sind von Region zu Region sehr unterschiedlich, und Zement ist in China in der Regel viel billiger als im Westen. Indem der Zementhersteller zuließ, dass die Ratings Dritter seine Emissionsdaten in Bezug zu den Umsätzen setzten, verkaufte er seine Anstrengungen unter Wert. 

Anhui Conch befolgte unseren Rat hinsichtlich solcher grenzüberschreitenden Vergleiche: Diese wären mit volumenbasierten Kennzahlen genauer, bei denen die Emissionen pro Einheit der tatsächlichen Zementproduktion erfasst werden. Das Ergebnis trug dazu bei, dass MSCI das Nachhaltigkeitsrating des Unternehmens um gleich zwei Stufen anhob.

Ein letzter Ausweg

Engagierte Investoren können viel erreichen, wenn die Unternehmen ein offenes Ohr für sie haben. Doch genauso wichtig ist das, was sie ohne diesen Einfluss nicht erreichen können. 

Natürlich schließen einige Anleger aufgrund ihrer eigenen Werthaltung bestimmte Unternehmen aus. Doch in vielen Fällen ist es besser, mit den Firmen zusammenzuarbeiten, um nachhaltige Ergebnisse zu erreichen – etwa verringerte Emissionen aus Verarbeitungsprozessen. Oder um Druck auf Unternehmen auszuüben, Geschäftsfelder mit fossilen Brennstoffen einzustellen, anstatt diese zu veräußern.  
Eine solche Veräußerung hätte bei der Mount Arthur Kohlemine in Australien anstehen können. Die BHP-Gruppe hatte signalisiert, dass sie die Mine im Rahmen ihrer Dekarbonisierungspolitik verkaufen würde. Damit hätte BHP seine eigenen Emissionen in der Wertschöpfungskette reduziert. Doch positive Auswirkungen in der realen Welt hätte dieses Vorgehen nicht garantiert: Die Anlagen wären weiter betrieben worden, höchstwahrscheinlich unter der wenig transparenten Regieführung privater Käufer. 

Wir haben die Entscheidung von BHP unterstützt, den Verkauf zu stoppen und stattdessen die Mine bis zur Schließung im Jahr 2030 abzuwickeln – viel früher als bei einem Verkauf an einen privaten Betreiber. Der vorübergehende Anstieg der CO2-Bilanz von BHP wird langfristig zu einer Verringerung der realen Emissionen führen.

Doch es geht um mehr als um Nachhaltigkeit: Portfolios auf dem Papier durch mehr Ausschlüsse „grüner“ zu machen kann eine schlechte Anlagestrategie sein. Denn sie kann Ihr Anlageuniversum einengen und das Konzentrationsrisiko erhöhen. Eine Veräußerung kann die Exposition gegenüber bestimmten ESG-Faktoren nominell verringern. Doch zugleich verzichten Sie damit auf die Vorteile von Unternehmensverbesserungen. Wenn sich Anleger die Zeit nehmen zu verstehen, wohin sich Unternehmen entwickeln, haben sie bessere Möglichkeiten, ihr Portfolio für künftig mögliche Überrenditen zu positionieren. 

Anstatt Unternehmen also vorschnell auszuschließen, halten wir es für besser, mögliche Veräußerungen als Druckmittel einzusetzen: Um Veränderungen zu erreichen und Engagements zu eskalieren, die nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen.

Von oben nach unten

Investoren können sogar mehr tun, als mit einzelnen Unternehmen zu sprechen. Sie können ihren Einfluss auf einer höheren Ebene geltend machen, um sich für übergreifende Themen stark zu machen. 

Nehmen wir die Abholzung der Wälder als Beispiel. Wälder sind die effektivsten CO2-Senken und absorbieren ein Drittel des Kohlendioxids, das bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe freigesetzt wird. Um überhaupt eine Chance zu haben, die Netto-Null-Ziele zu erreichen, müssen die Investoren dringend das Problem der hemmungslosen Abholzung angehen. Der Anbau von Produkten wie Palmöl, Soja und Holz oder die Schaffung von Weideflächen (etwa für Rinder) sind die Hauptursachen für die Abholzung. Daher muss das Engagement in diesen Branchen auf thematischer Ebene ansetzen. 

Engagement lohnt sich

Kapital ermöglicht Einfluss. Nutzen Investoren diesen Einfluss verantwortungsvoll, kann er das Los aller Beteiligten langfristig verbessern. Ein nachhaltiges Unternehmen gedeiht besser. Und eine Desinvestition untergräbt unsere treuhänderische Pflicht, positive Renditen für unsere Kunden zu erzielen. Es bedeutet nichts anderes, als ein „schlechtes“ Unternehmen unter den ESG-Teppich zu kehren. Es ist an der Zeit, richtig aufzuräumen.

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Stand, soweit nicht anders angegeben: April 2023. MK15233