Die Welt ist vernetzter denn je. Facebook, Google, Amazon, Apple, Microsoft, Tencent and Alibaba: Die sieben wichtigsten „Superplattformen“ haben die Art und Weise revolutioniert, wie Einzelne, Gruppen, Firmen und Organisationen interagieren. Doch Unternehmen und Investoren beginnen erst langsam, die langfristen Folgen dieser globalen Vernetzung zu realisieren.

Wir sind überzeugt: Investoren werden vom Wachstumstempo derjenigen Unternehmen überrascht sein, die diese Plattformen nutzen. Ein Großteil der Investitionsmöglichkeiten von Konnektivität wird sich daher erst in Zukunft ergeben.

Zoom: Erfolg über Nacht

Kannten Sie Anfang des Jahres Zoom? Falls nicht, geht es Ihnen genauso wie den meisten anderen in der Finanzwelt. Heute ist das Videokonferenzsystem in Unternehmen und der Öffentlichkeit allgegenwärtig, und der Aktienkurs ist um 230 % gestiegen. Doch was wäre passiert, wenn die Coronakrise im Zoom-Gründungsjahr 2011 aufgetreten wäre? Oder auch nur vor wenigen Jahren? Dann hätte Zoom seinen Erfolg höchstwahrscheinlich nicht so schnell oder gar nicht erzielt. Dafür gibt es klare Gründe.

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Ein wesentlicher Unterschied liegt in den digitalen Infrastrukturen, die den Unternehmen heute zur Verfügung stehen. Von 10 Millionen täglichen Nutzern im Dezember 2019 zu 300 Millionen im April 2020: Zoom konnte diesen starken Zuwachs stemmen, weil es auf die Dienste des Cloud-Netzwerk Amazon Web Services (AWS) zurückgriff. Die Kapazität der AWS-Server und Rechenzentren auf der ganzen Welt ermöglichte diese Flexibilität. Plattformen wie diese revolutionieren, wie Unternehmen und ihre Kunden miteinander verbunden sind – und das bietet für die Zukunft gigantische Möglichkeiten.

Der 'Big Bang‘ der Konnektivität

Die sieben führenden „Superplattformen“ haben eine Vernetzung ermöglicht, die beispiellos in der Geschichte der Menschheit ist. Wie haben sie das geschafft?

3 Gründe für den Paradigmenwechsel:

  • Reichweite. Wie stark sind die Plattformen verbreitet? Zum Beispiel hat Facebook drei Milliarden Nutzer oder anders gesagt: fast die Hälfte der Weltbevölkerung. 
  • Intensität. Wie stark sind die Plattformen in unserem Leben verwurzelt? Der durchschnittliche Amerikaner verbringt drei Stunden pro Tag an seinem Mobiltelefon. Damit liefert er den Plattformanbietern massenhaft Daten. 
  • Benutzerfreundlichkeit. Nie war es einfacher, ein globales Publikum schnell zu erreichen: von Unternehmen zu Unternehmen, von Unternehmen zu Verbrauchern oder von Verbrauchern zu Verbrauchern.

Viele Unternehmen und Investoren kennen die Plattformen und deren Funktionen gut. Doch die langfristigen Folgen der Entwicklung können sie nur begrenzt abschätzen. Wir sind davon überzeugt: Wenn Firmen die Möglichkeiten dieser Plattformen voll ausschöpfen, können sie in eine neue Größendimension wachsen. Das Tempo und der Umfang dieses Wachstums wird die meisten Menschen überraschen. Das eröffnet Anlegern große Möglichkeiten. Noch stehen wir am Anfang dieser Möglichkeiten – doch die Einführung von 5G wird die Ereignisse beschleunigen. Vor allem in den Schwellenländern und den ländlichen, weniger entwickelten Märkten werden wir eine rasche Geschäftsexpansion erleben.

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Ihr Publikum erreichen

Blicken wir zurück auf die Zeit vor dem Internet:

  • Nehmen wir an, der Automobilkonzern Ford hätte ein neues Auto auf dem Markt bringen und dafür werben wollen. 
  • Vor dem Internetzeitalter hätte er dafür einen Werbespot während der Halbzeit des Super Bowls geschaltet. Und rund 100 Millionen Zuschauer erreicht. Ohne den Super Bowl wäre das nächstgrößte Publikum deutlich kleiner ausgefallen. 
  • Um international zu werben, hätte sich das Unternehmen in einem umständlichen und teuren Verfahren an jeden einzelnen nationalen Fernsehsender wenden müssen.

Heute können Unternehmen Werbespots auf Facebook oder YouTube schalten und auf einen Schlag jedes Land der Welt erreichen. Vorausgesetzt das Unternehmen hat die notwendigen Ressourcen, sprechen sie sofort mehr als drei Milliarden Menschen an.

Dabei spielt nicht nur die Größe des Publikums eine Rolle, sondern auch die Art des Publikums. Mit Hilfe der Plattformen können Unternehmen eine demografische Zielgruppe in einer Granularität ansprechen, wie es bisher nicht möglich war. Das Zusammentragen und Analysieren der entsprechenden Daten kann bei der Feinabstimmung von Marketingstrategien helfen. Dadurch wird jeder Werbedollar weitaus effizienter als je zuvor. Unternehmen haben mit starken Produkten, gutem Management und cleveren Strategien eine gute Chance, schnell erfolgreich zu werden.

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Meilensteine erreichen

Zoom ist nur ein Beispiel für ein Unternehmen, das schnell skaliert hat – es gibt noch viele andere.

  • 2007 begann Netflix von der Lieferung von DVDs per Post auf Streaming-Inhalte umzustellen, und hat inzwischen 180 Millionen Abonnenten. 
  • Die Dating-App Tinder startete 2012 und erreicht heute 60 Millionen Benutzer. 
  • 2011 startete Uber, eine Vermittlungs-App für Chauffeur- Dienste 2019 hatte Uber bereits 111 Millionen Nutzer weltweit.

Unternehmen haben in den letzten Jahren einen Wachstumsschub hingelegt, für den sie früher Jahrzehnte gebraucht hätten. Und wie? Indem sie Apple, Facebook, Amazon und Google für die Vermarktung und den Verkauf von Produkten eingebunden haben. Und indem sie Amazon und Microsoft für die technische Infrastruktur genutzt haben.

In ein neues Land expandieren oder neue Abonnenten gewinnen: Vor der Einführung von Cloud Computing hätten Unternehmen dafür Büros im jeweiligen Land einrichten, Personal einstellen und neue Server kaufen müssen.

  • Heute geht das nahtlos – ein Unternehmen muss nur die Nutzung von Plattformen ausweiten. 
  • Darüber hinaus können kleine Unternehmen die Logistik von Amazon nutzen, um Produkte zu liefern.
  • App-Entwickler müssen nur das richtige Kästchen antippen, um über Apple ihre Produkte in einem neuen Land anzubieten.
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Der Beginn einer zweiten Internet-Welle

Die  Investoren sind immer noch weitgehend auf die Plattformen der Tech-Giganten und ihre hohen Wachstumsraten fixiert. Viele Anleger fragen sich: Haben wir die Tech-Party verpasst? Sind diese Unternehmen überbewertet und ist eine Korrektur fällig? Unserer Meinung nach sind dies nicht die relevantesten Fragen. Es geht nicht unbedingt darum, was die Zukunft für diese Unternehmen bereithält. Sondern darum, wie die angebotenen Systeme und Dienstleistungen Chancen für eine ganze Reihe anderer Unternehmen und Branchen eröffnet haben.

Wir erwarten für die nächste Phase der technischen Expansion eine Ausweitung des Benutzer- und Umsatzwachstums: Von der engen Besetzung bekannter Akteure wie Netflix und Zoom hin zu einer bunteren und vielfältigeren Mischung von Unternehmen. Beispielsweise könnten Spieleverlage wie Activision Plattformen wirksam einsetzen, Social- und Dating-Apps könnten ihre Nutzerbasis erweitern, Online-Lebensmittelhändler neue Märkte erschließen, und neu gegründete Streaming-Spieler wie Disney+ ihre Abonnentenzahl auf 200 Millionen vervierfachen.

In der ersten Internet-Welle entwickelten sich die Superplattformen zu globalen Phänomenen. Heute stehen wir am Anfang der zweiten Welle: Wo Unternehmen, die diese Plattformen verwenden, ihre Konnektivität nutzen und gigantische globale Geschäfte aufbauen. Die Revolution der Konnektivität steht erst am Anfang.

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Portfolio Manager

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Sumant Wahi

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Analyst and Portfolio Manager