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Stagflationsschock verstärkt die Suche nach sicheren Häfen

Romain Boscher

Romain Boscher - Global CIO, Equities

Höhere Inflation und schwächeres Wachstum sind zwei Auswirkungen der Tragödie in der Ukraine, mit denen weltweit zu rechnen ist. Im Folgenden beleuchten wir die Optionen, mit denen Anleger ihre Portfolios krisenfester machen können.

Während in der Ukraine ein verheerender Krieg tobt, macht sich die Wirtschaft rund um den Globus daran, sich auf die Folgen des damit einhergehenden Preisschocks bei Energieträgern und Agrarrohstoffen einzustellen. Ein hoher Preisauftrieb und mageres Wachstum werden den gesamtwirtschaftlichen Ausblick in der nächsten Zeit bestimmen. Chinesische Vermögenswerte, inflationsgeschützte Anleihen und Aktien von Unternehmen mit starken Bilanzen und Preissetzungsmacht können helfen, Portfolios widerstandsfähiger zu machen.

Übertragungskanäle

Steigende Lebensmittel- und Energiepreise sind die beiden wichtigsten Kanäle, über die die Risiken des Krieges in der Ukraine ihren Niederschlag in der Realwirtschaft finden werden. In ihnen spiegeln sich die Kosten einer realen und tagtäglich schlimmer werdenden Tragödie für die Menschen in der Ukraine wider.

Wegen ihrer starken Abhängigkeit von russischem Öl und Gas ist die Wirtschaft in Europa besonders hohen Risiken ausgesetzt. Bei einer anhaltenden Unterbrechung der Gas- und Öllieferungen aus Russland könnte ihr Wachstum nach den Schätzungen der Analysten von Fidelity um 2,4 Prozent niedriger ausfallen.

Bei dem letzten vergleichbaren Ereignis, dem Ölembargo 1973, verdreifachten sich die Preise für das schwarze Gold innerhalb von nur zwölf Monaten. Mit der Aussicht auf neue Sanktionen, die auch die russischen Energieexporte treffen würden, steigt die Gefahr eines Lieferstopps bei russischem Öl und Gas.

Durch den Krieg in der Ukraine wird zudem die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Agrarrohstoffen wie Weizen ins Stocken geraten. Auch das wird den Inflationsdruck anfachen und die Lebenshaltungskosten steigen lassen, was die Nettoimporteure unter den Schwellenländern besonders hart treffen wird.

Schwierigere Zeiten für Währungshüter

Mit diesen Stressfaktoren sind die geldpolitischen Rahmenbedingungen für die Zentralbanken der Industrieländer komplizierter geworden. Diese hatten vor Ausbruch des Krieges ihre Absicht bekundet, die Zinsen anzuheben und sich auf die Eindämmung der Inflation zu konzentrieren. Für die Europäische Zentralbank ist die Gefahr eines negativen Wachstumsschocks zwar größer als für die US-Notenbank. Dennoch könnten beide nun gezwungen sein, bei ihren Straffungsplänen etwas den Fuß vom Gas zu nehmen. Chinas Notenbank war bereits vor Kriegsbeginn in der Ukraine auf eine expansive Geldpolitik umgeschwenkt und dürfte auch weiterhin Konjunkturimpulse setzen.

Widerstandskraft stärken

In Chinas Wirtschaft mehren sich inzwischen die Anzeichen einer Stabilisierung. Die Zentralbank des Landes hat den Stimulierungskurs eingeschlagen. Sie konzentriert sich darauf, der heimischen Wirtschaft unter die Arme zu greifen und sie so möglicherweise vor den schlimmsten Folgen steigender Preise für Vorprodukte zu bewahren. Angesichts dieser günstigen Ausgangslage bietet sich mithilfe von chinesischen Staatsanleihen eine gute Möglichkeit, das Risiko in Portfolios breiter zu streuen.

Derweil stehen die globalen Aktienmärkte unter Druck: An ihren Kursen lassen sich die inflationsbereinigt stagnierenden Gewinne, aber auch die von Extremrisiken und einem indirekten Engagement in Russland ausgehenden Risiken ablesen. In dieser schwierigen Gemengelage bevorzugen wir Qualitätsunternehmen mit soliden Bilanzen, die über Preissetzungsmacht verfügen und in der Lage sind, talentierte Mitarbeiter zu halten. Dies sind entscheidende Faktoren, um dem Sturm, entfacht von hoher Inflation und magerem Wachstum, also einer Stagflation, standzuhalten. In einigen Schwellenländern wie zum Beispiel Brasilien könnten sich Aktien überdurchschnittlich entwickeln, da dem Land möglicherweise höhere Preise für seine Rohstoffexporte zugutekommen werden.

Bei festverzinslichen Wertpapieren konzentrieren wir uns auf die beiden Themen Inflationsschutz und Durationsrisiko. Inflationsgeschützte Anleihen sind eine gute Möglichkeit, Portfolios gegen das aktuelle Stagflationsumfeld zu wappnen. Die Realrenditen werden weiter sinken, denn die Gefahr einer Rezession wird die Entscheidungen der Währungshüter zunehmend beeinflussen und das Straffungstempo bremsen.

Vor diesem Hintergrund erscheinen Anleihen bonitätsstarker Unternehmen aus Asien besonders attraktiv, und ein gewisses Engagement bei ihnen dürfte hilfreich sein. Die Anlageregion Asien ist weit vom Epizentrum der Krise entfernt und wird von der entgegenkommenden Geldpolitik Chinas profitieren.

Finanzierungsstress

Bereits vor der Eskalation in der Ukraine hatten sich die Finanzierungsbedingungen verschärft, die sich aber in den letzten zwei Wochen noch einmal verschlechtert haben. Liquiditätsindikatoren wie die Cross-Currency-Basis beim Euro und die Zinsdifferenz zwischen dem Dreimonats-LIBOR und dem risikofreien Zins der US-Notenbank (FRA-OIS-Spread) lassen auf zunehmenden Finanzierungsstress schließen. Noch aber haben diese Indikatoren ihre Niveaus zu Beginn der Coronakrise bzw. der Finanzkrise 2008 nicht erreicht.

Der Finanzierungsengpass gibt Anlass zur Sorge. Wir gehen aber davon aus, dass die Zentralbanken über ihre Devisenswap-Linien Liquidität in den Markt pumpen werden, sollte der Run auf Dollar in Panik umschlagen.

In einer schwierigeren Lage befindet sich Russlands Zentralbank, die von einem Großteil ihrer Devisenreserven abgeschnitten ist. Sie wird also nicht an den Devisenmärkten intervenieren und so den Rubel stützen können. Damit wächst die Gefahr einer schweren Bankenkrise in Russland, wenn die Kreditinstitute keinen Zugang mehr zu Dollar haben.

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