Die Korrelation von Aktien zu Anleihen ist in einigen Wirtschaftssektoren ins Positive gedreht. Die beiden großen Anlageklassen verlieren damit an Diversifikationskraft. Erinnerungen an den Correlation Breakdown in der globalen Finanzkrise werden wach – zu Recht?

Die globale Finanzkrise 2008 machte vielen Portfolios deutlich zu schaffen und sorgte für einschneidende – wenn auch temporäre – Verluste. Das betraf damals nicht nur reine Aktienportfolios, sondern durchaus auch solche, die durch die Allokation von Aktien und Anleihen als gut diversifiziert galten. Der Grund: Während der Stressphasen in der Wirtschaft und an den Anlagemärkten waren die Korrelationen zwischen den Kursen von Aktien und Anleihen plötzlich positiv. Die zuvor lange Zeit negative Korrelation als Garantin einer wirksamen Diversifikation war verschwunden. 

Heute sehen wir in Teilen wieder positive Korrelationen zwischen den beiden großen Anlageklassen. Allerdings im Juli auch noch mit positiven Vorzeichen bei der Kursentwicklung. Das ist ein deutlicher Unterschied zu 2008, als ein Abwärtssog alle Märkte fast unterschiedslos mitriss. Und doch lohnt es sich genauer hinzusehen, um mögliche Folgen für die Anpassung der Asset Allocation von Kundenportfolios abzuschätzen.

US-Technologie- und zyklische Konsumgüterbranche mit positiven Korrelationen

Bemerkenswerte Folge der globalen Corona-Pandemie: US-amerikanische Technologie- und zyklische Konsumgüterunternehmen weichen von der seit zwei Jahrzehnten herrschenden negativen Korrelation zwischen Aktien und Anleihen ab.

Bisher zeigten Aktien- und Anleihenkurse in diesem Jahrhundert eine Tendenz, sich in entgegengesetzte Richtungen zu bewegen – so konnten Anleihen Schwächephasen von Aktien ausgleichen und umgekehrt. Das ermöglichte Anlegern, diversifizierte Portfolios aufzubauen und dabei auch ein gewisses Aktienrisiko gegebenenfalls durch Anleihen abzusichern, mindestens aber zu relativieren.

Mit Juli dieses Jahres zeigen Auswertungen jedoch ein anderes Bild: Diese Korrelation beginnt sich in bestimmten Sektoren im Zuge der wirtschaftlichen Auswirkungen und der Erholung von der Covid-19-Pandemie umzukehren und positiv zu werden. Das heißt, dass bei steigenden Aktienkursen auch die Anleihekurse steigen (und die Anleiherenditen einsprechend sinken). Zu den Sektoren, in denen dies gerade im US-Markt am deutlichsten ist, gehören Technologie, zyklische Konsumgüter und Kommunikationsdienstleistungen. Und das, obwohl Aktien und Anleihen zuvor in all diesen Branchen im Durchschnitt der letzten fünf Jahre negativ korreliert waren.

Aktien-Anleihen-Korrelation im US-Markt: in einigen Sektoren heute positiv

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Quelle: Fidelity International/Refinitiv, Juli 2021

Ist die Veränderung dauerhaft?

Extrem niedrige Zinssätze und die schon lange vorherrschende ultra-lockere Geldpolitik haben die Aktienbewertungen von Unternehmen in die Höhe getrieben. Das gilt besonders für Titel, die von Investoren als langfristig ertragsstark eingeschätzt werden – etwa die der Technologiebranche. Je mehr die Bewertungen von den möglichen und erwarteten Gewinnen in der fernen Zukunft bestimmt werden, desto empfindlicher reagieren die Kurse auf Änderungen des Zinssatzes und damit auf Anleiherenditen. Infolgedessen könnten steigende Anleiherenditen (und daher fallende Anleihekurse bei bereits im Umlauf befindlichen Anleihen) auch zu fallenden Aktienkursen führen. Es ist also keine Überraschung, dass die drei Sektoren (IT, Kommunikationstechnologie und zyklische Konsumgüter), in denen die Vermögenswerte am stärksten korreliert sind, die höchsten zyklusbereinigten Bewertungen aufweisen.

Ob sich die derzeitige Verschiebung hin zu einer positiven Korrelation zu einem langfristigen Trend entwickeln wird? Das ist noch offen. Ein Gleichlauf von Aktien und Anleihen würde aber bedeuten, dass die beiden Anlageklassen weniger als bisher zur Diversifikation von Portfolios beitragen und die traditionellen „Absicherungsvorteile“ verloren gehen könnten.

Die Wirkung von Inflation und Inflationssorgen

Historisch gesehen tendieren Aktien und Anleihen in Zeiten erhöhter Inflationssorgen in die gleiche Richtung. Das liegt nicht zuletzt daran, dass beide Möglichkeiten bieten, durch Investition die Auswirkungen einer erwarteten Geldentwertung zu reduzieren. Als Reaktion auf die Pandemie haben die Zentralbanken und Regierungen weltweit massive geld- und fiskalpolitische Programme zur Stimulierung der Wirtschaft aufgelegt. Es gibt inzwischen Anzeichen dafür, dass sich nicht zuletzt deshalb tatsächlich ein Inflationsdruck aufbaut. Die Mitte Juli veröffentlichten Daten zeigten, dass die Verbraucherpreisinflation in den USA im Juni auf einem 13-Jahres-Hoch lag. Auch in Deutschland hat die Inflation in den Monaten des ersten Halbjahres beinahe 10-Jahres-Höchststände erreicht.

Fazit: Die Auswirkungen auf Allokationsentscheidungen im Portfolio

Traditionell bestimmen Aktien- und Anleihenmischungen die Portfolioallokation vieler Anleger. Doch wenn die beschriebenen positiven Korrelationen fortbestehen, müssen sie möglicherweise alternative Wege zur Diversifizierung ihrer Portfolios suchen. Zu Alternativen, die man in Betracht ziehen könnte, gehören Gold, Immobilien oder auch Private Equity oder Private-Debt-Investitionen. Allerdings können Aktienengagements in manchen Sektoren noch immer in unterschiedlichem Maße mit Anleihen abgesichert werden. Voraussetzung ist wie immer eine negative Korrelation zu Anleihen – und die findet sich überwiegend bei Finanzwerten und in geringerem Maße auch im Energiesektor. Für Fondsanleger lassen sich diese Überlegungen durch Schwerpunktsetzung mit bestimmten Branchenfonds umsetzen. Bei aktiv gemanagten, breit streuenden Aktien-, Anleihen- oder Multi-Asset-Fonds kann ein Blick in die aktuelle Portfolioallokation oder den aktuellen Fondsmanagerkommentar aufschlussreich sein. Hier lässt sich ablesen, inwieweit das Fondsmanagement kritische Entwicklungen bei der Korrelation im Blick hat.

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