Die meisten Anleger wissen, was Anleihen ausmacht: Dass sie schon während der Laufzeit verlässlich Zinsen einbringen und der Schuldner am Ende sein Geld zurückzahlt. Weil das Grundprinzip aber so simpel ist, missverstehen viele den Einfluss von Aktienkursen, Inflation oder Politik auf die Schuldverschreibungen. Kein Wunder, dass eine Menge Vorurteile über diese Wertpapiere im Umlauf sind. Wir stellen die acht häufigsten Mythen über Anleihen auf den Prüfstand.

Vorurteil Nummer 1: „Es gibt nur zwei Optionen: Staats- oder Unternehmensanleihen.“

Der Anleihemarkt ist längst nicht mehr derart übersichtlich. Zu den beiden genannten Klassikern haben sich inzwischen noch weitere Anleihetypen gesellt: Hochzinsanleihen (High-Yield-Bonds) oder Schwellenländeranleihen (Emerging-Markets-Anleihen) sowie Indexanleihen, deren Zins sich nach der Inflation richtet. Es gibt auch supranationale Anleihen, die von Regierungen oder internationalen Organisationen ausgegeben werden. Wichtig dabei: Jeder dieser Anleihetypen reagiert anders auf veränderte Marktsituationen. Wichtig für die Auswahl von Anleihen ist unter anderem das Anlageziel und die Risikoneigung der jeweiligen Investoren.

Vorurteil Nummer 2: „Anleihen kleiner, unbekannter Unternehmen sind besonders riskant.“

Der US-Automobilkonzern General Motors und der deutsche Solarmodulhersteller Solarworld sind beileibe keine kleinen Firmen. In finanzielle Schieflage konnten sie trotzdem geraten. Umgekehrt gilt: Hinter einer Anleihe mit hoher Bonität muss kein riesiger, bekannter Konzern stehen. Nur durch fundierte Analysen unabhängig von Namen und Größe der Unternehmen lassen sich Anleihen mit attraktiven Renditen finden. Um das weltweit zu gewährleisten, bedarf es entsprechender Kapazitäten. Das gilt auch für Staatsanleihen. Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass Staaten nicht vor der Pleite gefeit sind. Die Notwendigkeit der Analyse ist übrigens ein gutes Argument für einen Rentenfonds. Denn dann übernimmt der Fondsmanager mit seinem Fachwissen und seinen Ressourcen die schwierige Auswahl. Und dabei kann er bei Fidelity auf das Know-how der Credit-Analysten zurückgreifen, die mehr als 2.500 Emittenten regelmäßig weltweit analysieren und dabei mehr als 90% des relevanten Anleiheuniversums abdecken.

Vorurteil Nummer 3: „In politisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten sind Anleihen keine gute Investition.“

Seit der US-Wahl sind die Märkte von Unsicherheit geprägt. Wie sich weitere Zinserhöhungen auf den Markt auswirken werden, ist fraglich. In Europa herrscht nach wie vor eine lockere Geldpolitik samt Anleihekaufprogramm – kurzum: Sichere Zeiten sehen anders aus. Das ist aber kein Grund, Anleihen als Investment zu ignorieren. Flexible Strategien, um schnell auf Marktveränderungen reagieren zu können, sind gefragt. Hier spielen Rentenfonds eine weitere Stärke aus. Denn anders als einzelne Anleger mit Direktinvestments können sie nicht nur strategisch planen, sondern auch taktisch handeln und schnell auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren.

Vorurteil Nummer 4: „Die Anleihepreise steigen, wenn die Aktienkurse fallen.“

So einfach ist der Zusammenhang zwischen Aktien und Anleihen wahrlich nicht. Es stimmt zwar, dass Anleihen in der Zeit nach einem Aktieneinbruch an Wert zulegen. Aber das kann auch passieren, wenn die Aktienpreise steigen – dann allerdings meist in abgeschwächter Form. Wie sehr sich Aktien und Anleihen beeinflussen, hängt zudem von der Art der Anleihe ab.

Vorurteil Nummer 5: „Anleihen verlieren an Wert, wenn Zinsen steigen.“

Es stimmt: Anleihen konkurrieren vor allem mit Anlageinstrumenten, die an den aktuellen Zins gekoppelt sind. Da Anleihen einen festen Zinssatz haben, wirken sich Schwankungen im Marktzins also auf ihren Kurswert aus. So weit, so gut. Doch das ist noch lange nicht die ganze Geschichte: Anleihen reagieren auch auf die Inflationsentwicklung. Steigen Zinsen, um die Inflation zu bekämpfen, reagieren Anleihen darauf meistens positiv – und ihre Kurse steigen. Wie Anleihen auf die Zinsentwicklung reagieren, hängt also von der Situation ab.

Vorurteil Nummer 6: „Bei der Wahl der passenden Anleihe spielt nur der Preis eine Rolle.“

Der Preis ist nicht alles. Anleger sollten auch die Rendite im Blick behalten. Fällt der Anleihekurs – wird die Anleihe also billiger –, dann steigt die Rendite. Die Logik ist einfach: Anleger bekommen ja weiter dieselben, festen Zinszahlungen, nur eben für weniger Geld. Doch Vorsicht: Solche Situationen treten insbesondere bei langen Laufzeiten auf, und die stellen ein Risiko dar. Anleihen, bei denen die Rückzahlung noch in weiter Ferne liegt, sind eben auch längere Zeit Marktschwankungen ausgesetzt. Außerdem kann sich die Bonität des Emittenten verändern – und das nicht immer zum Besseren.

Vorurteil Nummer 7: „Investments in einzelne Anleihen sind risikoärmer als in Rentenfonds.“

Das Gegenteil ist richtig: Wer einen Fonds mit vielen und breit gestreuten Anleihen hält, senkt damit sein Anlagerisiko. Sinkt die Bonität einer Anleihe, oder wird ein Emittent zahlungsunfähig, federn Fonds solche Verluste besser ab als Einzelanleihen. Solch ein Szenario mag extrem erscheinen – immerhin bekommen Anleger nach Ende der Laufzeit ja so oder so ihr Geld zurück. Doch das ist dann womöglich keine große Freude mehr. Bei langen Laufzeiten könnte die Rückzahlung am Ende nämlich deutlich weniger Kaufkraft haben als zu Beginn – wegen der Inflation. Und wenn Anleger Anleihen vor Laufzeitende zu einem niedrigen Kurs verkaufen müssen, machen sie Verlust. Fonds können so etwas managen – dafür sind sie da.

Vorurteil Nummer 8: „Aktien muss man ständig im Auge haben, Anleihen kann man einfach liegen lassen.“

Das stimmt vielleicht für ausgewählte Staatsanleihen mit Topbonität, bei denen keinerlei Überraschungen zu erwarten sind. Mit solchen Papieren kommen Anleger aber kaum gegen die Inflation an. Gerade in einem Umfeld niedriger Anleiherenditen braucht es also Rentenpapiere, die das Portfolio wirklich bereichern, etwa eine gute Mischung aus Staatsanleihen, Hochzinsanleihen und Investment-Grade-Unternehmensanleihen (ab BBB-Rating), möglichst mit einer geringen Korrelation zum Aktienmarkt. Solch ein Portfolio verspricht überdurchschnittlich hohe Renditen bei geringem Risiko. Nur: So ein Portfolio kann man nicht einfach liegen lassen, man muss es gut überwachen und ständig nachjustieren. Ein Rentenfonds mit der entsprechenden Flexibilität kann das leisten – der einzelne Anleger in der Regel nicht.

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