Wer bei der Anlage in Megatrends nicht nur der Herde folgen will, braucht ein gutes Research-Team an seiner Seite. Gerade gegen Ende des Zyklus werden langfristige Anlagethemen interessant – und eine durchdachte Titelauswahl umso wichtiger.

Vor 20 Jahren erkannten Anleger, dass die Digitalisierung die Welt grundlegend verändern würde. Die Begeisterung war so groß, dass selbst unprofitable Unternehmen an der Börse auf schwindelerregende Höhen schossen. „Anleger waren zurecht begeistert, aber 20 Jahre zu früh“, sagt Toby Gibb, Investment Director bei Fidelity. Einige Unternehmen wie Amazon und eBay überlebten die Dotcom-Blase und gehören heute zu den wichtigsten Technologiekonzernen der Welt. Andere stellten sich als Luftnummer heraus. So wird sich heute kaum mehr jemand an Webvan erinnern, einen Online-Lebensmittellieferanten, der in der Spitze 3500 Mitarbeiter hatte.1

„Megatrends sind in der Regel keine Überraschung“, sagt Gibb. Ob Digitalisierung, demografische Trends oder der Wertewandel, der sich bei Anlegern vollzieht – alle sind schon seit Jahren offensichtlich. „Es ist jedoch schwieriger abzusehen, wie sich der Wettbewerb konkret verändern wird, wer von diesen Trends profitiert und wer daran scheitert.“

Solche Vorhersagen sind nur mit einem großen Research-Team möglich, das Trends von allen Seiten beleuchten kann. Um sich zum Beispiel ein differenziertes Bild von den Investitionschancen rund um die Elektromobilität zu machen, erfordert es mehr als einen Auto-Analysten. Ein Energie-Analyst untersucht, wie der künftige Ölpreis die Nachfrage nach E-Autos und die Investitionen in Batterietechnologie beeinflussen könnte, ein Chemie-Experte kennt sich mit ebendiesen Batterien aus und kann abschätzen, ob diese die Reichweiten ermöglichen können, die Kunden von einem Auto erwarten.

Technologie-Analysten beschäftigen sich mit den Chips und Sensoren, die in Elektroautos stecken, Telekom-Analysten mit dem Mobilfunkstandard 5G, der autonomes Fahren möglich macht, und Versicherungsanalysten beantworten die Frage: Wie wirken sich neue Mobilitätslösungen auf die Kfz-Versicherung aus? All diese Aspekte schlüsseln einen breiten Megatrend auf in Chancen und Risiken, Gewinner und Verlierer.

Seit MiFID II haben viele Unternehmen ihre Research-Abteilungen deutlich verkleinert, um Kosten zu sparen. Bei Fidelity werden hingegen 90 Prozent der Research-Leistungen weiterhin im eigenen Haus erzeugt. Das lässt ganz andere Prognosen über langfristige Trends zu, die Leben und Wirtschaft in den nächsten Jahrzehnten verändern werden. „Für Anlageentscheidungen ist es enorm wichtig, Veränderungen wirklich zu verstehen“, sagt Gibb – vor allem in einer Welt, die sich immer schneller wandelt.

Anlegern steht jedoch nicht nur dieser strukturelle Wirtschaftswandel, sondern auch ein Stimmungswandel an den Märkten bevor. Im zehnten Jahr des Aufschwungs deuten viele Indikatoren darauf hin, dass sich der Zyklus langsam gen Ende neigt. Die Suche nach Anlagechancen wird in diesem Umfeld immer schwieriger.

Eine Anlage in Megatrends macht gerade zu diesem Zeitpunkt Sinn. „Am Ende des Zyklus sind die Märkte volatiler. Der Handel ist verstärkt von Stimmungsschwankungen getrieben. Dadurch ergeben sich Chancen, um günstig in langfristige Wachstumstrends zu investieren“, sagt Gibb.

1 https://money.cnn.com/2001/07/09/technology/webvan/

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