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August 2021 - Selektiveres Vorgehen ratsam

Tappe & Telschow

Tappe & Telschow - Marktbericht

Derzeit befinden sich die Finanzmärkte im Übergang zur Mitte des Konjunkturzyklus. Das Wirtschaftswachstum nähert sich damit seinem Höchststand und die Unterstützung durch Geld- und Fiskalpolitik dürfte nachlassen.

Derzeit befinden sich die Finanzmärkte im Übergang in die Mitte des Konjunkturzyklus. Das Wirtschaftswachstum nähert sich damit seinem Höchststand und die Unterstützung durch Geld- und Fiskalpolitik dürfte nachlassen. Zwar wächst die Weltwirtschaft noch kräftig, aber in einigen Bereichen schwächt sich die Dynamik bereits ab.

Wir behalten drei Dinge besonders im Auge: das nachlassende Wirtschaftswachstums, die Unsicherheit bezüglich der Delta-Variante des Coronavirus und die Inflation. Diese Faktoren können eine Teuerung hervorrufen. Während manche nur einen vorrübergehenden Einfluss haben, könnten andere Faktoren dauerhaft ihre Wirkung entfalten. Die Zentralbanken stehen daher vor einer Gratwanderung, da sich die Debatte um eine Straffung der Geldpolitik verstärken dürfte.

Insgesamt spricht das Umfeld weiterhin für risikobehaftete Anlagen. Wir sehen Aktien aus entwickelten Ländern nach wie vor positiv; am Anleihenmarkt bevorzugen wir höherverzinste Bereiche. Allerdings rechnen wir mit verstärkten Kursausschlägen im weiteren Jahresverlauf. Daher halten wir nach Quellen relativer Sicherheit Ausschau. Aktuell sind wir besonders positiv für US-Aktien gestimmt, die bei Turbulenzen am breiten Markt mehr relative Sicherheit bieten dürften. Vorsichtiger bleiben wir gegenüber Aktienmärkten, die weniger vom Wirtschaftsaufschwung profitieren dürften. Dazu gehört die Region Asien-Pazifik (ohne Japan). Staatsanleihen schätzen wir negativ ein und wir sind auch gegenüber Unternehmenspapieren mit einem hohen Rating vorsichtiger geworden.

Entwicklungen bezüglich Coronavirus, Wachstum und Inflation

Im Juli hat sich der Anstieg der Coronavirus-Infektionen infolge der Ausbreitung der Delta-Variante auf die Finanzmärkte und die Konjunktureinschätzung ausgewirkt. Besonders deutlich wurde dies in Großbritannien, wo es zu einer weitreichenden Aufhebung von Beschränkungen bei starker Verbreitung der Delta-Variante kam. In der Juli-Sitzung des EZB-Rats zeigte sich die Besorgnis der Entscheidungsträger über den Anstieg der Covid-19-Fälle auch in Kontinentaleuropa. Es wurde beschlossen eine „anhaltende" Niedrigzinspolitik zu verfolgen.

Wir teilen zwar die Auffassung, dass die Ausbreitung der Delta-Variante wesentlich zum Anstieg der Infektionsfälle beiträgt und zu erheblichen Kursschwankungen an den Märkten geführt hat. Wir halten die Ausbreitung angesichts der weitreichenden Einführung von Impfstoffen in den entwickelten Volkswirtschaften dort aber für eher unbedenklich. Unterstützt wird diese Ansicht durch den Zusammenhang zwischen neuen Corona-Infektionsfällen und den Todesfällen in den einzelnen Ländern.

Dabei erkennt man einen deutlichen Unterschied zwischen Ländern, in denen weniger als 50 % der Bevölkerung mindestens eine Impfung erhalten haben, und Ländern, in denen mehr als 50 % der Menschen mindestens eine Dosis erhalten haben. Demnach scheinen die Impfstoffe hochwirksam gegen die Delta-Variante zu sein, sodass der Zusammenhang zwischen Infektionsfällen und Todesfällen (der eigentlich maßgebliche Faktor) in Ländern mit hohen Impfraten aufgehoben wurde. Allerdings dürfte sich die Erholung in Schwellenländern langsamer als in entwickelten Volkswirtschaften vollziehen. Dies liegt an dem Zusammenhang zwischen dem langsameren Impftempo und der Verwendung von Impfstoffen mit geringerer Wirksamkeit.

Was das Wachstum betrifft, steht die nachlassende Dynamik in den USA und in Großbritannien im Gegensatz zu den Inflationsdaten für Juni. Vor allem in den Vereinigten Staaten fielen diese Daten überraschend hoch aus. Voraussichtlich wird die US-Notenbank ihre Inflationsprognose von 3 Prozent für das Gesamtjahr 2021 erneut nach oben korrigieren müssen.

Dies ist in Hinblick auf die Vergangenheit von Bedeutung. Als die US-Notenbank das letzte Mal, als sie ihre Erwartungen nach oben korrigierte, eine Straffung der Geldpolitik andeutete, führte dies zu einem Rückgang der Anleiherenditen. Das muss sich zwar nicht wiederholen. Dennoch dürfte eine etwaige Anhebung der Inflationserwartungen der Notenbank für 2021 Hinweise darauf geben, wie sie ihr neues flexibles durchschnittliches Inflationsziel künftig umsetzen will.

Auf den ersten Blick könnte der Höhepunkt des Wachstums bei steigender Inflation darauf hindeuten, dass wir in eine Phase der Stagflation eintreten. Das Wachstum wird also hauptsächlich durch steigende Preise und nicht durch vermehrte Wirtschaftstätigkeit angetrieben. Dennoch sehen wir Grund zum Optimismus. So sind im US-Dienstleistungssektor die Inputpreise den zweiten Monat in Folge gesunken, während sie im Euroraum stagnierten. Im Verarbeitenden Gewerbe begannen sich die Lieferzeiten der Zulieferer in den USA wie im Euroraum zu verbessern. Dies deutet darauf hin, dass die verbreiteten Engpässe bei Gütern und Arbeitskräften nachzulassen beginnen. Im zweiten Quartal belasteten diese noch die Konjunktur und trieben die Preise in die Höhe. Wir messen dies anhand der Differenz zwischen den Auftragseingängen und den Lieferzeiten der Lieferanten im Verarbeitenden Gewerbe. Dies spiegelt die Relation von Angebot und Nachfrage wider. Hält diese Entwicklung an, sollte die Konjunktur nicht mehr durch steigende Preise gedämpft werden.

Diese kurzfristige Entwicklung ändert jedoch nichts an der längerfristigen Einschätzung einer möglicherweise dauerhaft erhöhten Inflation. Zu den preistreibenden Faktoren gehören der Anstieg der Arbeitskosten im US-Niedriglohnsektor, der Teuerungsdruck infolge der Dekarbonisierung der Volkswirtschaften und ein voraussichtlich hinter der Nachfrage zurückbleibendes Angebot am US-Wohnungsmarkt.

Eine gesonderte Betrachtung verdient die Entwicklung in China. Dort gerieten die Märkte im Juli in Unruhe. Die straffere Regulierung, die bei großen E-Commerce-Plattformen begonnen hatte, wurde auf immer mehr Sektoren ausgeweitet. Infolgedessen fiel der NASDAQ Golden Dragon Index (der die in den USA notierten chinesischen Unternehmen abbildet) im Monatsverlauf um 26 Prozent, der FTSE China A50 Index sank im gleichen Zeitraum um 14 Prozent. Das volle Ausmaß der Maßnahmen der chinesischen Regulierungsbehörden bleibt zwar abzuwarten. Dennoch dürften diese Schritte auf verstärkte Bemühungen der Regierung hinauslaufen, Märkte und Wirtschaft stärker auf die sozialen und politischen Ziele von Präsident Xi abzustimmen. Insgesamt könnte die Änderung des Regulierungsrahmens die Kapitalbeschaffung für chinesische Aktiengesellschaften verteuern.

Kapitalmarkt-Blog mit Carsten Roemheld

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