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August 2022 – Die Rezession rückt näher

Andreas Telschow

Andreas Telschow - Kundenservice

In Kürze:

  • In Europa und den USA wiegen Rezessionsängste inzwischen schwerer als Inflationssorgen.
  • Investment-Grade-Anleihen sind attraktiver als Hochzins- und Schwellenländer-Anleihen.

Angesichts der Datenlage und unserer firmeneigenen Tracker gehen die Analysten von Fidelity davon aus, dass die USA wahrscheinlich noch im Laufe des zweiten Halbjahrs in eine Rezession rutschen werden – nicht erst 2023, wie derzeit allgemein vermutet wird. Die Märkte spiegeln das Risiko allerdings noch nicht ausreichend wider. Aus Sicht unserer Experten müssten die sich verschlechternden Wachstumsaussichten noch deutlicher auf die Gewinnschätzungen von großen Unternehmen auswirken – auch wenn es im Jahresverlauf bereits deutliche Korrekturen gegeben hat.

Noch ist ungewiss, wie sich die US-Notenbank Fed in den kommenden Monaten verhalten wird. Im Juli hat sie die Zinsen um weitere 75 Basispunkte angehoben und damit eine Serie von aggressiven Zinserhöhungen fortgesetzt, wie es sie zuletzt zu Beginn der 1980er Jahre unter Notenbankchef Paul Volcker gegeben hat. Wenn die Fed der Inflationsbekämpfung weiterhin absolute Priorität einräumt, droht der Konjunktur eine harte Landung. Fed-Chef Jerome Powell hielt eine erneute Leitzinserhöhung um 75 Basispunkte im September noch offen – man wolle nun von Sitzung zu Sitzung entscheiden. Unsere Experten rechnen damit, dass der Leitzins zum Ende des Erhöhungszyklus bei 3,25 Prozent stehen wird. Das Verbrauchervertrauen bricht in den USA indessen weiter ein. Immerhin: Der Arbeitsmarkt ist weiterhin robust. Und die Angebotsseite erholt sich von den Corona-bedingten Lieferkettenproblemen. 

TPI, Gasknappheit, Italien-Neuwahl: schlechtes Wirtschaftsklima in der EU

In Europa ist das Szenario ein etwas anderes, wenngleich nicht rosiger. Auf ihrer Juli-Sitzung erhöhte die Europäische Zentralbank (EZB) nach einigem Zaudern den Leitzins stärker als erwartet um 50 Basispunkte. Unsere Analysten rechnen allerdings damit, dass die EZB nach der Septembersitzung den Zinserhöhungszyklus beenden wird. Ihr neues geldpolitisches Instrument TPI (Transmission Protection Instrument) soll derweil das Auseinanderdriften der Euro-Staatsanleiherenditen eindämmen. Damit sollen zu hohe Risikoaufschläge für Anleihen hochverschuldeter Staaten verhindert werden. Wegen scharfer Auflagen sind dessen Einsatzmöglichkeiten aber beschränkt. Beispiel Italien: Bei der vorgezogenen Parlamentswahl in zwei Monaten könnte es zum extremen Rechtsruck kommen. Dass die von der EZB gestellten Bedingungen von einer solchen Regierung eingehalten werden, ist mehr als fraglich. 

Zudem steht Europa wegen der drohenden Gasknappheit unter Druck. Russland scheint sich darauf vorzubereiten, die Lieferungen weiter zu reduzieren. Zwar hat die Europäische Kommission ihre Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, ihren Gasverbrauch freiwillig um 15 Prozent zu senken. Im Zweifel wird den privaten Verbrauchern im Falle einer Rationierung aber gegenüber der Industrie der Vorzug gegeben. Der deutsche und der italienische Aktienmarkt wären am stärksten von Gasausfällen betroffen, jeweils etwa 50 Prozent der Erträge von Unternehmen der wichtigsten Indizes Dax und MIB stammen aus stark von dem Rohstoff abhängigen Branchen. Im Falle einer vollständigen Abschaltung der Pipeline Nord Stream 1 könnte allein das deutsche BIP um mehr als fünf Prozentpunkte sinken.

Portfolio absichern: (Staats-)Anleihen rauf, Aktien runter

Die Aktienregion Europa (ohne Großbritannien) belassen unsere Analysten untergewichtet. Großbritannien, Japan, der Pazifikraum und die USA bleiben neutral eingestuft. Ausgewählte Schwellenländer bieten eine aussichtreichere Perspektive: Die chinesische Wirtschaft ist auf Erholungskurs, das Wachstum rückt wieder in den Fokus von Pekings Politik. Allerdings gilt es die Risiken der schwächelnden chinesischen Immobilienbranche und deren mögliche Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft im Blick zu behalten. Lateinamerika bleibt attraktiv bewertet, da es von den jüngsten Rohstoffpreissteigerungen profitiert hat.

Der Welthandel entwickelt sich laut der Fidelity-Auswertung seit Mai unterdurchschnittlich und rückläufig. Das Verbrauchervertrauen ist nicht nur in den USA stark gesunken, sondern infolge des hohen Inflationsdrucks auch in Europa, allen voran in Deutschland und Frankreich. Die Analysten von Fidelity halten an ihrer Untergewichtung von Aktien und Übergewichtung von Staatsanleihen fest, um Portfolios abzusichern. Denn in Europa und den USA wiegen die Befürchtungen einer Rezession inzwischen schwerer als die Inflationssorgen. 

Als weitere defensive Maßnahme gewichten unsere Analysten Investment-Grade-Anleihen über, während sie an der Untergewichtung von Hochzinsanleihen festhalten. Auch Schwellenländer-Anleihen in Hartwährung werden nun zur Risikoprävention untergewichtet.

Fazit

Die Rezession in den USA könnte schneller eintreten als weithin erwartet. Auch in Europa spitzt sich die Lage zu, das Verhalten der EZB und der Umfang der russischen Gaslieferungen sind für die weitere Entwicklung entscheidend. Unsere Analysten gewichten Euro- und UK-Staatsanleihen über und Aktien unter. Bei Anleihen bleiben sie bei Produkten mit niedrigerem Risiko, für Aktien bei einer Investition in ausgewählte Schwellenländer.

Kapitalmarkt-Blog mit Carsten Roemheld

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