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Sondermarktbericht – Wird China durch Regulierungsmaßnahmen unattraktiv?

Tappe & Telschow

Tappe & Telschow - Marktbericht

Kürzlich gab es eine Reihe von regulatorischen Maßnahmen in einigen chinesischen Sektoren. Dies führte zu einer Verunsicherung am Markt. Wie geht es nun weiter?

Die wichtigsten Informationen in Kürze:
 

  • Einige Verkäufe im Zuge der Talfahrt der Aktien scheinen übertrieben zu sein 
  • Die Entwicklungen können Anlegern Chancen bieten, wenn das langfristige Wachstum intakt bleibt und die Auswirkungen der Politik neutral - oder positiv - sind
  • Trotz des politischen Gegenwinds ist China immer noch auf dem Weg zu einem anständigen BIP-Wachstum in den nächsten zehn Jahren
  • Zu den Bereichen, die besser mit den langfristigen Zielen der Regierung übereinstimmen, gehören grüne Energie, Halbleiter, neue Infrastrukturen, Lieferketten für Elektrofahrzeuge und die High-End-Produktion
  • Für Sektoren, die stärker von regulatorischen Kontrollen betroffen sind, gilt: Interessant sind Unternehmen, die nachhaltigere Geschäftsmodelle oder eine stärkere Preissetzungsmacht haben

Was passiert aktuell in China? Lohnt sich Langfristigkeit noch? Und wie wirkt sich das Wachstum der Märkte darauf aus?


Die Einschätzung unserer Experten aus der Privatkundenbetreuung Andreas Telschow und Maurice Tappe zu diesem Thema können Sie hier sehen:

China strebt ausgewogenes und langfristiges Wachstum an

Die Aktien zahlreicher chinesischer Unternehmen gaben zuletzt stark nach. Grund dafür ist die Veröffentlichung unerwartet strenger Vorschriften für Bildungsunternehmen. Dies schürt die Befürchtung, dass die politischen Unsicherheiten in der Privatwirtschaft in China noch größer werden könnten.

Auf den ersten Blick ist das Zittern des Marktes verständlich. Die Strenge der Regulierungsmaßnahmen bringen den privaten gewinnorientierten Nachhilfedienst als praktisch zum Erliegen. Bei einigen Anlegern weckten die Maßnahmen gegen den Nachhilfesektor die Befürchtung, dass im schlimmsten Fall eine erdrückende Regulierung für eine Vielzahl von Branchen in China droht. Wir sind jedoch der Meinung, dass einige dieser Befürchtungen übertrieben sind und die Geschehnisse auch aus einer anderen Perspektive betrachtet werden müssen.

Regulatorische Eingriffe in China sind nichts Neues. Der Unterschied besteht darin, dass in diesem Fall gezielt die Wirtschaft eines bestimmten Sektors ins Visier genommen wurde - die private Nachhilfe für Grund- und Mittelschüler in den Kernfächern des Lehrplans. Die Maßnahmen kamen überraschend, aber die Probleme, die damit gelöst werden sollen, sind ein altbekanntes nationales Anliegen in China: Wie kann die finanzielle Belastung der Elternschaft verringert werden, um die sinkende Geburtenrate des Landes anzukurbeln? Bildung ist in China weithin als einer der "drei großen Berge" (neben Wohnen und Gesundheit) bekannt geworden. Die finanzielle Belastung ist immens und steigt seit Jahren.

Ein ähnliches Problem besteht bei den Technologiewerten. Chinas größte und dynamischste Technologie- und Internetunternehmen sind ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten. Mit ihren neuen und sich schnell entwickelnden Geschäftsmodellen, haben sie möglicherweise einen enormen wirtschaftlichen Einfluss erlangt. Dies ist nicht nur in China der Fall, sondern weltweit, wie beispielsweise die jüngsten Regulierungsmaßnahmen gegen große Technologie- und Internetunternehmen in den USA und Europa zeigen.

Bisher hatten die Regulatoren der schnellen Entwicklung der globalen Top-Unternehmen nichts entgegenzusetzen. Das wird nun nachgeholt. Es ist schwer vorherzusagen, wann und wie stark die Märkte auf solche Maßnahmen reagieren werden. Aktuell sehen wir, dass die Unternehmenswerte an der Börse in der Summe möglicherweise schon ein wenig zu stark vorausgelaufen sind und nun das Regulations-Szenario einpreisen.

Der gesamte chinesische Aktienmarkt hat im laufenden Jahr unter anderem auch wegen der stärker fokussierten Regulatorik an relativer Stärke gegenüber den anderen Märkten verloren. Gerade im Vergleich zum letzten Jahr als China die globalen Aktienmärkte deutlich anführte. Auch dies sind positive Entwicklungen, da wir in China deutlich höhere Wachstumspotenziale über die kommende Dekade sehen als in anderen Teilen der Welt.

Im Großen und Ganzen strebt China ein ausgewogeneres langfristiges Wachstum und eine Verringerung der sozialen Ungleichheiten an. Qualitativ hochwertigeres Wachstum bietet nur bessere Investitionsmöglichkeiten. Zu den Bereichen, die besser mit den langfristigen Zielen der Regierung übereinstimmen, gehören grüne Energie, Halbleiter, neue Infrastrukturen, Lieferketten für Elektrofahrzeuge und High-End-Fertigung. In Sektoren, die stärker von regulatorischen Kontrollen betroffen sind, ist es sinnvoll sich Unternehmen anzuschauen, die nachhaltigere Geschäftsmodelle oder eine stärkere Preissetzungsmacht haben. Der Expressdienst beispielsweise hat Spielraum, um die Preise beizubehalten oder sogar zu erhöhen, um den Beschäftigten angemessene Löhne zu zahlen. Eine stärkere Regulierung kann sich in vielen Fällen langfristig positiv auswirken, und wir müssen uns die Dynamik in den einzelnen Bereichen ansehen, um Gewinner und Verlierer zu ermitteln.

Risikohinweise: Die Vermögensanlage in Kapitalmärkte ist mit Risiken verbunden. Der Wert Ihrer Vermögensanlage kann fallen oder steigen. Es kann zum Verlust des eingesetzten Vermögens kommen. Bitte beachten Sie hierzu die Risikohinweise auf unserer Website unter https://www.fidelity.de/rechtliche-hinweise. Herausgeber: FIL Fondsbank GmbH, Kastanienhöhe 1, 61476 Kronberg im Taunus, Tel. 069/77060-220