Anleger werfen weiter Risikopapiere auf den Markt, während sich das Coronavirus auch außerhalb Chinas ausbreitet. Stattdessen suchen sie Zuflucht in „sicheren Häfen“: Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen sind bereits auf ein Rekordtief gefallen. Doch es gibt auch überraschend robuste Marktbereiche.

Während sich das Covid-19-Virus in immer mehr Ländern um den Globus ausbreitet, senden die Märkte unmissverständliche Signale: Eine erhöhte Volatilität ist wieder an der Tagesordnung, Risikopapiere sind out. Doch wer genauer hinschaut, findet auch überraschend robuste Marktsegmente.

US-Aktien sind diese Woche schon um über sechs Prozent gefallen, zehnjährige Treasury-Renditen haben ein Rekordtief erreicht. Anleger fliehen aus Risikopapieren in sichere Häfen. Nach einer langen schwankungsarmen Phase hat die Volatilität wieder Einzug gehalten: Der CBOE Volatility Index notiert so hoch wie seit 14 Monaten nicht.

Ein verspäteter Weckruf für Anleger

Unserer Ansicht nach ist nicht die Rückkehr der Volatilität an sich überraschend, sondern dass die Marktturbulenzen so lange auf sich warten ließen. Jetzt wurden die Anleger jedoch wachgerüttelt.

Die Reaktion der Märkte war während der jüngsten Handelstage weitgehend vorhersehbar. Die Rohstoffpreise fielen deutlich, da Anleger fürchten, dass die Epidemie die globale Nachfrage belasten wird. Rohöl führte den Preisverfall mit einem Wochenverlust von rund sechs Prozent an. Kupfer und Kautschuk lagen zum Mittwoch ebenfalls im Minus. Ein Ansturm auf „sichere Häfen“ trieb hingegen die Goldpreise auf ein Siebenjahreshoch. Auch der japanische Yen konnte profitieren.

Es gibt auch robuste Märkte

Gleichzeitig gibt es auch überraschend robuste Märkte. Die Aktienmärkte auf dem chinesischen Festland, wo das Virus seinen Ursprung hat, zeigten sich diese Woche relativ stabil. Anleger scheinen darauf zu bauen, dass in China das Schlimmste vorbei ist. Außerhalb der abgeriegelten Provinz Hubei fiel die Zahl der neuen Infektionen am Montag auf neun und am Dienstag auf fünf. Anfang Februar wurden täglich noch mehrere Hundert neue Erkrankte gezählt.

Onshore-Fonds haben solide Zuflüsse verzeichnet, seit der Börsenhandel nach den Ferien zum chinesischen Neujahrsfest wiedereröffnet wurde. Zu den erfolgreichsten Werten zählen Online-Händler und Tech-Startups. Neben Onshore-Aktien scheinen sich auch die chinesische Währung und asiatische High-Yield-Anleihen besser zu entwickeln als erwartet.

Was steckt dahinter? Neben den rückläufigen Infektionszahlen auf dem Festland rechnen Anleger womöglich damit, dass chinesische Behörden weitere geld- und fiskalpolitische Hilfen bereitstellen. Es spielt jedoch noch ein weiterer Faktor eine Rolle: das Bewertungspolster, das bei diesen Papieren auch vor dem Ausbruch des Coronavirus bereits existierte.

In Zeiten kurzfristiger Panik am Markt kann es nützlich sein, sich auf langfristige, fundamentale Faktoren zurückzubesinnen. Denn diese werden die Renditen letztendlich deutlich stärker beeinflussen. Meidet man Branchen und Unternehmen mit überstrapazierten Bilanzen und bevorzugt stattdessen solche mit absehbarem Cashflow, kann das der Marktvolatilität etwas entgegenwirken.

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