Die Ausbreitung des Coronavirus sorgt für heftige Kurseinbrüche - und stellt dadurch kurz vor der Präsidentschaftswahl Donald Trumps Bild einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik infrage. Anleger müssen jetzt beobachten, welcher demokratische Kandidat gegen ihn ins Rennen geht. Vor allem auf einen könnten die Märkte ängstlich reagieren.

Das Coronavirus hat die Märkte in Aufruhr versetzt, bei Unternehmen eine Flut an Gewinnwarnungen ausgelöst und weltweit Lieferketten unterbrochen. Wovon bisher kaum jemand spricht: Die Epidemie lässt auch Zweifel an einer reibungslosen Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump aufkommen.

Trump konnte sich bisher auf einer guten wirtschaftlichen Lage und niedrigen Arbeitslosenzahlen ausruhen. Die Gefahr für die US-Wirtschaft und die Gewinne der Unternehmen durch das Coronavirus kommen für ihn zur Unzeit. Die Stände des S&P 500 und des Dow Jones hatte er bisher immer als klaren Indikator für seine präsidialen Erfolge angesehen. Sollten die Aktienmärkte weiter fallen, dürfte das seine Ambitionen erheblich gefährden.

Fed senkt überraschend den Leitzins

Zugute kommt ihm in dieser Situation, dass die US-Notenbank gerade zum ersten Mal seit 2008 außer der Reihe den Leitzins gesenkt hat, und zwar gleich um 50 Basispunkte. Das soll die Märkte beruhigen und die Konsequenzen der Epidemie für die Wirtschaft abmildern. Der positive Effekt für die Märkte verpuffte jedoch schnell. Die US-Börsen fallen seitdem weiter. 

In den drei entscheidenden US-Bundesländern Wisconsin, Michigan und Pennsylvania, die in der Vergangenheit klar demokratisch geprägt waren, konnte Trump die Wahl 2016 für sich entscheiden. Viele Stammwähler der Demokraten lehnten Hillary Clinton als Repräsentantin des „Establishments“ ab und gaben daher Trump ihre Stimme. Je nachdem, welche Sympathien der demokratische Kandidat in diesem Jahr wecken kann, könnte Trump diese Schlüsselstaaten wieder verlieren.

Sanders macht die Märkte nervös

Nach dem Super Tuesday hat sich das Feld von Trumps demokratischen Herausforderern auf nur zwei reduziert, die noch eine gute Chance auf die Kandidatur haben: der links orientierte Bernie Sanders und der gemäßigte Anwärter Joe Biden. 

Sanders wirbt unter anderem mit dem Klimaschutzprogramm Green New Deal und einer klaren Fiskalpolitik um Wählerstimmen. Diese Maßnahmen würden mit Steuererhöhungen und einer steigenden Staatsverschuldung einhergehen - und die Märkte dadurch in Aufruhr versetzen. Biden steht hingegen für einen stetigeren Kurs und wäre für die Märkte leichter zu verdauen. 

Das Wechselspiel zwischen Politik und Märkten wird in den kommenden Wochen und Monaten sowohl Anleger als auch US-Wähler in Atem halten. Die Corona-Epidemie ist ein großer Unsicherheitsfaktor für die US-Präsidentschaftswahl, der vor allem dem Amtsinhaber einen Strich durch die Rechnung machen könnte.
 

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