Eine zentrale Börsenregel ist inzwischen außer Kraft gesetzt: Staatsanleihen bieten Anlegern keine risikolosen Renditen mehr. Sie sind vielmehr selbst zu einem renditelosen Risiko geworden. Der Grund: die Zentralbanken fluten weltweit die Märkte mit billigem Geld, haben die Zinsen auf oder nahe Null gesenkt und stützen die Märkte, indem sie selbst Anleihen in großem Stil aufkaufen. Unterm Strich können Privatanleger in diesem Umfeld kaum noch von festverzinslichen Papieren profitieren. Mehr noch: Käme es zu Zinserhöhungen, würden bestehende schwach verzinste Titel sogar noch wertloser.

Sollte man also von der Anlageklasse besser komplett die Finger lassen? Das klingt spontan vernünftig. Doch auf den zweiten Blick erweist es sich als schlechte Idee. Denn auch im Zinstief gehören Produkte wie Rentenfonds noch ins Depot. Welche Funktionen sie dort haben - und wozu Anleger greifen können.

Erkenntnis 1: Anleihen sind Risikopuffer

Auch wenn die Sache mit dem risikolosen Zins nicht mehr funktioniert, bleibt eine andere Börsenregel in Kraft: Die Wertentwicklung von Anleihen verläuft völlig anders als die Kursentwicklung von Aktien. Fallen die Kurse an der Börse, können Anleihen in einem Depot daher helfen, Verluste abzupuffern. Ein Blick auf die Turbulenzen an den Märkten während der vergangenen Monate hat dies einmal mehr veranschaulicht. Wer hochwertige Staatsanleihen hielt, konnte während der Covid-19-Krise Kursverluste am Aktienmarkt und anderswo zumindest abfedern.

Einige Anleger mögen enttäuscht gewesen sein, dass Anleihen beim Einbruch der Aktienkurse zuletzt nicht in die entgegengesetzte Richtung liefen - wie eigentlich zu erwarten. Aber selbst, wenn diese Gegenbewegung nicht eingesetzt hätte: Die Anleihekurse schwankten immer noch deutlich weniger stark. Sie funktionieren möglicherweise nicht mehr im gleichen Maße als Risikopuffer wie in früheren Zeiten, so dass es schwieriger geworden ist, die richtigen Investment-Entscheidungen zu treffen. Im Grundsatz tun sie das aber noch immer.

Erkenntnis 2: Kursanstiege ermöglichen Gewinne

Anleihen mögen inzwischen kaum noch Zinsen abwerfen. Trotzdem ließen sich damit in der jüngeren Vergangenheit ansehnliche Renditen erzielen. Der "Bloomberg Barclays U.S. Aggregate Bond", ein Index, der die Entwicklung von Staats- und Unternehmensanleihen in US-Dollar abbildet, und damit den größten Rentenmarkt der Welt, lag nach drei Quartalen im Jahr 2020 Anfang Oktober mit 6,8 Prozent im Plus.1 Die Rendite stammt vor allem aus Kursgewinnen, nachdem die Nachfrage nach den Titeln zuletzt stark gestiegen ist. Das ist zwar keine Gewähr dafür, dass auch in Zukunft weitere Anstiege folgen - aber es zeigt, dass Kursgewinne auch bei Anleihen eine mögliche Ertragsquelle darstellen. Viele Anleihe-Experten erwarten schon länger, dass der langen Niedrigzinsphase auch eine Durststrecke bei den Anleihekursen folgt. Allein: Bislang kann davon keine Rede sein.

Davon abgesehen sind auch anderen Anlageklassen, die ein Aktiendepot ergänzen und stabilisieren können - wie Immobilien oder Gold -, nicht ohne Makel. Die Preise für Wohnhäuser, Geschäftsimmobilien und Grundstücke stoßen in immer höhere Bewertungsregionen vor, so dass manche vor einer Blase warnen. Und der Goldpreis? Der hat fast ein Jahrzehnt gebraucht, um wieder einstige Höchststände zu erreichen und im Laufe der Covid-19-Pandemie schließlich zu übertreffen. Mangels Zinsen oder Dividendenzahlungen ist das Edelmetall in der langen Zeit dazwischen als Renditebringer und Risikopuffer ausgefallen. Unterm Strich braucht es also stets mehrere Anlageklassen, um Risiken aus Aktien-Engagements abfedern zu können. Anleihen sind und bleiben definitiv eine davon.

Erkenntnis 3: Staats- und Unternehmensanleihen ermöglichen eine breite Streuung

Wie Anleger sich genau bei Anleihen positionieren, das hängt von ihrer Risikoneigung ab und auch davon, wie sehr sie sich um die Auswahl kümmern wollen. Die Hauptrolle als Risikopuffer übernehmen nach wie vor Staatsanleihen sicherer Länder wie Deutschland oder USA. Wer sich mehr traut, kann in Unternehmensanleihen oder Staatsanleihen von Schwellenländern oder Staaten mit schwächerer Wirtschaftskraft investieren. Sie bieten die Chance auf höhere Renditen, schwanken aber auch mehr - und bieten dementsprechend auch einen geringeren Risikopuffer. Experten wissen das zu nutzen, denn höhere Schwankungen – etwa bei Unternehmensanleihen und Schwellenländer-Bonds - bieten auch neue Möglichkeiten für all jene, die nach Rendite am Rentenmakrt suchen.

Für Laien ist der vielfältige Anleihemarkt schwer überschaubar und auch nicht immer erreichbar, weil viele Angebote auf dem Markt professionellen Investoren vorbehalten sind. Der Kauf eines Rentenfonds ermöglicht es trotzdem, in zahlreiche Anleihemärkte zu investieren - und die Auswahl zudem Experten zu überlassen (https://direct.fidelity.de/anlegen-und-sparen/fondsfinder/ und Überblick Preise und Wertentwicklung Fidelity Rentenfonds unter https://www.fidelity.de/fonds/preise-und-wertentwicklung). Manager aktiv verwalteter Fonds behalten Anleihen vieler Staaten oder Unternehmen im Blick, Anleger können ihr Renten-Engagement zudem mit wenig Geld breit streuen. Einige der Fonds verfolgen auch spezielle Strategien: Sie investieren beispielsweise nur in Anleihen bestimmter Restlaufzeiten oder in solche, deren Wertentwicklung an die Inflation gekoppelt ist.

Wer sein Geld komplett in ein risikogepuffertes Portfolio investieren will, das verschiedene Anlageklassen berücksichtigt, kann auch das Konzept Fidelity Wealth Experts nutzen. Unsere Experten entwickeln Portfolios für Privatanleger mit unterschiedlichen Risikoneigungen. Übrigens: Anleihen spielen auch hier grundsätzlich eine wichtige Rolle - Zinstief hin oder her.

Fazit

Anleihen sind nach wie vor ein wichtiger Baustein, um Risiken aus Wertschwankungen am Aktienmarkt abzufedern. Privatanleger können je nach Risikoappetit nicht nur in Staatsanleihen investieren, sondern auch Chancen bei anderen festverzinslichen Titeln nutzen. Das geht am besten über Fonds.

1  Stand 2.10.2020, Quelle: https://institutional.fidelity.com/app/literature/item/931730.html

MK11576/2020/lr

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