Techniken zum Schutz vor Verlusten unterstützen Anleger beim Managen von Risiken. Jedes dieser Verfahren und Instrumente hat jedoch einen ganz bestimmten Verwendungszweck.

Ausgangsüberlegungen

Techniken zum Schutz vor Abwärtsbewegungen können zur Verringerung bestimmter Portfoliorisiken beitragen. Doch bevor man sich auf die Suche nach dem geeigneten Instrument macht, sollte man die gegebenen Risiken verstehen und sich des Unterschieds zwischen Risikoverringerung und Risikoabsicherung bewusst werden. Bei der Instrumentauswahl und der Umsetzung spielen außerdem die Kosten, das Timing und die erforderliche Expertise eine wesentliche Rolle. Der Einsatz des richtigen Instruments zum falschen Zeitpunkt kann dazu führen, dass das Portfolio zwar geschützt ist, sich aber nicht wie erwartet entwickelt.

Es gibt keine universelle Ideallösung. Als Leitlinien eignen sich jedoch folgende Fragen:

  • Wie ist das Portfolio strukturiert?
  • Welche Risiken sind zu erwarten?
  • Was kosten die verfügbaren Absicherungsinstrumente?

Am besten ist ein flexibles Vorgehen, da jedes Portfolio Besonderheiten aufweist. Hinzu kommt, dass die theoretisch optimale Technik in der Praxis nicht zwangsläufig ideal ist. Mitunter kann auch eine Kombination mehrerer Instrumente den besten Schutz bieten. Welche die geeignetste Strategie ist, kann auch vom Zeithorizont abhängen. So ist eine kurzfristige taktische Lösung von einer längerfristigen zu unterscheiden, bei der die Haltekosten (Cost of Carry) größere Relevanz besitzen. Wahlweise kann auch ein nicht im Portfolio enthaltenes Asset eine gute Absicherung gegenüber bestimmten Ereignissen bieten.

Worin besteht das Risiko?

Um die spezifischen Risiken eines Portfolios einschätzen zu können, muss man dessen Positionierung genau kennen: In welchem Umfang ist es gegenüber dem Gesamtmarkt, einzelnen Sektoren und Aktien exponiert? So kann eine Absicherung gegenüber einem Ausverkauf am Aktienmarkt verzichtbar sein, wenn das Portfolio im Vergleich zur Benchmark in Qualitätstiteln oder defensiven Aktien übergewichtet ist, da sich diese in einem solchen Szenario besser als der Vergleichsindex halten sollten.

Jedoch können Abwärtsrisiken ganz unterschiedliche Ausprägungen annehmen, z.B. folgende:

  • Ereignisrisiko: In Betracht kommen kann die Absicherung gegen ein bestimmtes Ereignis wie den Zahlungsausfall eines Staates oder einen Krieg im Nahen Osten.
  • Regionale, branchenbezogene oder unternehmensspezifische Risiken sowie Währungsrisiken: Beispielsweise ist ein Portfolio mit Fokus auf US-Aktien Risiken im Hinblick auf die politische Lage im Inland, die Außenhandelsbilanz, die Gewichtung des Technologiesektors und Schwankungen des Wechselkurses zwischen dem Dollar und der Anlegerwährung ausgesetzt.
  • Abweichungen gegenüber der Benchmark auf Faktor- oder Sektorebene: ein Portfolio spiegelt zwar die zentralen anlagepolitischen Überzeugungen des Portfoliomanagers wider, jedoch können von der Benchmark abweichende Faktor- oder Sektorgewichtungen eine Risikoquelle darstellen. Ist ein Portfolio gegenüber dem Vergleichsindex beispielsweise in Finanztiteln untergewichtet, kann der Anleger eine Erhöhung des Engagements in diesem Bereich anstreben, um die Charakteristik des Gesamtmarkts besser abzubilden.

Absicherung oder Verringerung des Risikos

Schutz gegen Abwärtsbewegungen kann bedeuten, dass man das Risiko absichert oder verringert. Die beiden Methoden ähneln sich und weisen eine gewisse Überschneidung auf, sind aber nicht dasselbe.

Absicherungsstrategien sind ihrer Natur nach spezifisch, zielgerichtet und typischerweise auf einen bestimmten Zeitraum bezogen; sie erfordern außerdem besondere Kenntnisse. Dagegen sind Techniken zur Verringerung von Risiken eher allgemeiner Art, erfordern bei der Umsetzung weniger Spezialkenntnisse und stellen in der Regel eine längerfristige Antwort auf Risiken dar.

Eine leistungsfähige Absicherung sollte die folgenden Bedingungen erfüllen:

  • Sie sollte mit der Ausrichtung des Portfolios auf Länder- und Branchenebene in Einklang stehen. Andernfalls wäre sie keine Absicherung, sondern eine mit dem Portfolio unkorrelierte Short-Position.
  • Sie sollte nicht auf einen Gewinn abzielen, sondern das Ausmaß einer negativen Entwicklung verringerten. Sonst würde sie eine aktive Wette darstellen.
  • Sie sollte die Risiken der Benchmark widerspiegeln. Andernfalls würde sie nicht als Absicherung für das Portfolio funktionieren.
  • Die Absicherung sollte konkret und spezifisch sein, nicht dagegen ein vager Schutz, der möglicherweise sein Ziel verfehlt.

Welche Strategie geeignet ist, kann vom Grad der Risikotoleranz, Vorgaben in punkto ESG (Umwelt, Soziales & Governance) und weiteren Anforderungen abhängen.

Kosten in Grenzen halten

Bei der Wahl der Absicherungstechnik spielen Kostenaspekte eine wesentliche Rolle. Was für die Absicherung zu zahlen ist, hängt vom Timing ab und vom Anteil des Portfolios, der gesichert werden soll. Eine systematische Absicherung ohne Berücksichtigung des Timings oder der Portfoliostruktur ist generell eine kostspielige Strategie. Sie kann letztlich mehr vom Portfolioertrag aufzehren als sie das abzusichernde Risiko reduzieren kann.

Die präzise Vorhersage eines Abwärtstrends am Markt ist bekanntlich sehr schwierig. Deshalb besteht die Gefahr, dass Anleger eine Absicherung zu früh vornehmen. Ihre Aufrechterhaltung würde einen wiederholten Neuaufbau erfordern, was steigende Kosten zur Folge hätte.

Eine Möglichkeit zur Verringerung dieser Kosten besteht darin, auf Vorboten der Ereignisse zu warten, die letztlich die Abwärtsbewegung auslösen. Dann ist es möglich, schnell zu reagieren und eine Absicherungsposition einzugehen, die einen weitreichenden Schutz gegen Verluste zu vernünftigen Kosten ermöglicht. Eine rasche Reaktion ist dabei wichtig, da die Kosten von Absicherungsinstrumenten in solchen Situationen häufig steigen. Beispielsweise geht dem Beginn eines Bärenmarktes normalerweise eine Phase verstärkter Schwankungen der Kurse um ihren Höchststand voraus. Dies kann ein Signal zum Aufbau einer Absicherungsposition im Portfolio bedeuten.

Der zweite wesentliche Aspekt ist die Entscheidung über den Anteil des Portfolios, der abgesichert werden soll. Da die Kosten einer Komplettabsicherung des Portfolios prohibitiv hoch sein können, muss bestimmt werden, bei welchen Wertpapieren eine Absicherung am sinnvollsten ist. Letztlich ist dies eine Kosten/Nutzen-Abwägung.

Nehmen wir an, 20 % eines Portfolios seien dem Risiko A ausgesetzt. Tritt Risiko A ein, führt dies voraussichtlich zu einem Kursrückgang um 10 % in dem betroffenen Anlagesegment. In diesem Fall wird das Gesamtportfolio lediglich 2 % an Wert verlieren. In diesem Kontext ist zu entscheiden, ob sich die mit einer Absicherung verbundenen Kosten und Ressourcen lohnen.

Einige Absicherungsinstrumente sind teuer, sodass nur ein starker Kursrückgang ihre Kosten rechtfertigen würde. Beispielsweise muss aufgrund der effizienten Bewertung von Optionen der Basiswert mindestens im Umfang des Betrags der Optionsprämie unter den Ausübungspreis sinken, bevor die Absicherung mit der Option vorteilhaft ist.

Wahl der geeigneten Technik

Es gibt sieben Hauptkategorien von Techniken zur Verringerung oder Absicherung von Risiken.

Risikoverringerung Risikoabsicherung
Einzelwertauswahl Nicht-lineare Derivate
Diversifikation „Delta One”-Hedges
Asset-Allokation und taktische Umschichtungen Dynamisches Hedging
Outsourcing  

Es gibt keine Allzweckwaffe zum Schutz vor Abwärtsrisiken und jeder Ansatz hat seine Vor- und Nachteile. Anleger müssen ihre Portfolios und die damit einhergehenden Risiken sorgfältig analysieren sowie die Eigenschaften jeder Technik verstehen, um die richtige davon (oder eine Kombination) auszuwählen und den Umfang des Einsatzes zu bestimmen. Beinahe universell geeignet erscheinen allerdings die ersten beiden Techniken zur Risikoabsicherung (Einzeltitelauswahl und Diversifikation), da sie für Anleger von umfassendem Nutzen sind.

Fazit

Für den richtigen Umgang mit Abwärtsrisiken müssen Investoren vor allem eine klare Vorstellung von ihren Anlagezielen und der Zusammensetzung ihres Portfolios haben. Es gibt zwar viele Mittel zum Schutz vor Abwärtsrisiken, doch die Auswahl der richtigen Technik bzw. der richtigen Kombination erfordert eine gründliche Analyse und regelmäßige Anpassungen.

Vor- und Nachteile unterschiedlicher Methoden zum Schutz vor Verlusten: Risikoverringerung

Methode: Einzeltitelauswahl

Vorteile Nachteile zu beachten
  • natürliche Schutzfunktion
  • umfassend vorteilhaft für Anleger
  • zeitaufwendig; erfordert Analystenerfahrung
  • unerwartete Korrelationen zwischen Wertpapieren
  • Risiko/Ertrags-Relation in unterschiedlichen Bereichen der Kapitalstruktur

Einzeltitelauswahl anhand vorteilhafter Risiko/Ertrags-Profile; Auswahl von Wertpapieren mit geringem Risiko kann das Gesamtrisiko des Portfolios senken

Methode: Diversifikation

Vorteile Nachteile zu beachten
  • kann das unsystematische Risiko im Portfolio verringern
  • kostenloser Nutzen für den Anleger
  • falsches Gefühl von Sicherheit bei „naiver“ Diversifikation
  • instabile Korrelationen zwischen Assets
  • zunehmende Verflechtung der Märkte

Nicht alles auf eine Karte setzen, indem man über verschiedene Wertpapiere, Sektoren, Regionen und Assetklassen diversifiziert; wirksam, solange die Korrelationen zwischen den Assetklassen geringer als 1 sind

Methode: Asset-Allokation

Vorteile Nachteile zu beachten
  • ermöglicht Schutz durch Diversifikation
  • Konzentration auf fundamentale Faktoren kann Transaktionskosten senken
  • Risiko eines binären Ergebnisses
  • häufige Repositionierung kann Transaktionskosten erhöhen
  • Bewertungen und fundamentale Indikatoren
  • Bevorzugung höherer Qualität bei „Flucht in sichere Anlagen“

Anpassung der Asset-Allokation, taktische Umschichtungen und Assetklassen- Rotation über den Marktzyklus hinweg zwecks Erschließung assetklassenübergreifender Gewinnpotentiale und Verringerung von Verlusten

Methode: Outsourcing

Vorteile Nachteile zu beachten
  • Zugriff auf externe Expertise im Risikomanagement
  • Inanspruchnahme eines spezialisierten Managers kann kostspielig sein
  • historische Daten können unzuverlässig sein, da jeder Zyklus anders ist
  • Leistungsfähigkeit des Risikomanagements des Anbieters
  • Exit-Strategie des Managers

Zugriff auf externe Spezialisten für das Management von Risiken, z.B. Hedgefonds zur Absicherung von Extremrisiken, konvexe Strategien, marktneutrale Strategien usw.

Vor- und Nachteile unterschiedlicher Methoden zum Schutz vor Verlusten: Risikoabsicherung

Methode: nicht-lineare Derivate

Vorteile Nachteile zu beachten
  • automatisch steigender Schutz bei Abwärtsbewegungen
  • quantifizierbarer Schutz zum Fälligkeitsdatum
  • Kosten der Aufrechterhaltung des Schutzes können sich summieren
  • Management komplexer Instrumente erfordert eingehende Kenntnisse
  • Minimierung der Transaktionskosten und „Roll Yield“
  • Anpassung der Dauer des Schutzes an das erwartete Bestehen des Risikos

Nicht-lineare Derivate, vor allem Optionsstrategien; Optionen sind weniger als Hedge denn als Versicherung zu verstehen

Methode: Delta One-Hedging

Vorteile Nachteile zu beachten
  • Futures sind hochliquide
  • ermöglicht beinahe komplette Absicherung
  • Kosten der Aufrechterhaltung des Schutzes können steigen
  • nicht-börsengehandelte Termingeschäfte (Fowards) und Swaps beinhalten ein Kontrahentenrisiko
  • Basisrisiko ist im Blick zu behalten, wenn linearer Hedge versagt
  • Einsatz von VIX-Futures für ein Exposure gegenüber dem „Fieberthermometer“ des Markts

Bei Delta One-Hedges entwickelt sich der Wert des Instruments 1 zu 1 in entgegengesetzter Richtung des zugrundeliegenden Assets, damit kommen sie einer perfekten Absicherung nahe; bei gängigen Assets können Futures, Forwards und Swaps das Kursrisiko linear absichern, d.h. eine Position im S&P 500 kann durch eine Short-Position in einem Future auf den S&P 500 abgesichert werden.

Methode: Dynamisches Tail-Hedging

Vorteile Nachteile zu beachten
  • relativ leicht zu kalibrieren und der Größe nach anzupassen
  • niedrige Transaktionskosten bei Einsatz liquider Derivate
  • erfordert sehr gutes Timing
  • historische Daten können unzuverlässig sein, da jeder Zyklus anders ist
  • agileres Timing durch Verwendung technischer statt fundamentaler Marktindikatoren

Beim dynamischen Tail-Hedging wird anhand aktueller Signale entschieden, ob das Portfolio abgesichert wird, was dann durch liquide Derivate geschieht; die Absicherung innerhalb des Portfolios kann „asymmetrisch“ erfolgen.

Kernpunkte

Es gibt einige wichtige Grundsätze, die Anleger befolgen können, um sich möglichst wirksam vor Verlusten zu schützen:

  • Sie sollten ihr Portfolio und die darin eingegangenen Risiken kennen und sich sorgfältig überlegen, welche Risiken Sie verringern möchten.
  • Entscheidungen über die Wertpapierauswahl und den Asset-Mix sind ein wesentlicher Bestandteil des Risikomanagements.
  • Nutzen Sie die kostenlose Möglichkeit der Diversifikation, indem Sie in Anlageklassen mit ganz unterschiedlichen Risikomerkmalen investieren.
  • Ziehen Sie die Möglichkeit der Absicherung in Betracht – entweder Ihres gesamten Marktengagements oder nur eines bestimmten Faktorexposures. Vergessen Sie dabei jedoch nicht das Basisrisiko und behalten Sie die Kosten stets im Blick.
  • Sie sollten Ihre Grenzen kennen und wissen, welche Fähigkeiten erforderlich sind, um Absicherungstechniken wirksam einzusetzen. Nehmen Sie bei Bedarf die Hilfe von Spezialisten in Anspruch.
  • Seien Sie flexibel. Die optimale Lösung wird sich sehr wahrscheinlich im Laufe der Zeit und mit den Umständen ändern.

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