ESG-Fondsratings gelten als wichtigste Orientierung hinsichtlich der ESG-Qualität von Anlageprodukten. Allerdings klaffen die Bewertungsmethodiken der Rating-Anbieter teils weit auseinander: die diversen Ansätze auf einen Blick.

Die Wettbewerbszentrale hat Unternehmen, die sich selbst oder ihre Produkte als „klimaneutral“ bezeichnen, abgestraft. In zwölf Fällen hat sie solche Werbeaussagen als irreführend eingestuft. Und unter anderem gegen Aldi Süd eine Unterlassungsklage eingereicht.1 Auch im Fondsbereich ist die Grauzone noch groß: Trägt ein Fonds „ESG“, „Sustainable“ oder „Clean Energy“ im Namen, wissen Anleger immer noch nicht, wieviel ESG, Nachhaltigkeit und saubere Energien tatsächlich drinstecken.

Nachhaltigkeitssiegel, die ESG-Kategorisierung von Fonds gemäß der Offenlegungsverordnung (SFDR) oder Verbändekonzept helfen bei der groben Orientierung. Doch nur ESG-Fondsratings liefern heute konkrete Aussagen über die tatsächliche ESG-Qualität des Portfolios, in das der Fonds investiert. Dabei lohnt es sich, auf die Details zu achten.

Darauf kommt es an: Rating-Methodiken verstehen

Zu den größten Anbietern von ESG-Fondsratings gehören Morningstar/Sustainalytics, MSCI ESG Research, ISS ESG Fund Rating, yourSRI und CDP/Climetrics (s. Tabelle). Sie verteilen Globen, Sterne, Diamanten, Blätter oder die für Ratingagenturen typischen AAA-C-Bewertungen. Anders als ESG-Unternehmensratings beziehen sich die Fondsratings auf ein gesamtes Anlageportfolio und versuchen, dessen Nachhaltigkeitseigenschaften zu erfassen.

Doch welche Bewertung ein Fonds vom Rating-Anbieter erhält, hängt wesentlich von dessen Vorgehen ab. Entscheidende Unterschiede gibt es in der Gewichtung der Faktoren „E“, „S“ und „G“. Während sich zum Beispiel das Rating von CDP/Climetrics ganz auf den Beitrag der Portfoliounternehmen zur Transformation zu einer klimafreundlichen Wirtschaftsweise bezieht, nehmen andere Rating-Anbieter auch soziale und Governance-Aspekte stärker in den Blick. 

Darüber hinaus nutzt jede Rating-Agentur unterschiedliche Daten und hat eine eigene Rating-Systematik. Selbst in der dem Fondsrating letztlich zugrundeliegenden Beurteilung der Nachhaltigkeit von Wirtschaftstätigkeiten von Unternehmen herrscht im Detail Uneinigkeit. Auch aus der Datenflut eine einzige „Note“ zu machen ist eine Herausforderung. Hinzu kommt: Ratings basieren in größeren Teilen auf veröffentlichten Unternehmensdaten. Sie spiegeln somit notwendigerweise einen Status aus der Vergangenheit wider. Die geplanten Anstrengungen von Unternehmen für mehr Nachhaltigkeit und ihre Entwicklung finden dagegen in der Regel keinen Niederschlag. Das führt insgesamt zu einem „durchwachsenen“ Ergebnis: Das unterschiedliche Vorgehen kann zu abweichenden und zum Teil auch völlig konträren Einstufungen führen.

Darum setzen wir seit 2019 auf unser hauseigenes, ganzheitliches und zukunftsgerichtetes Nachhaltigkeitsrating. Unsere Analysten bewerten dabei nicht nur den aktuellen Status der ESG-Aktivitäten eines Unternehmens, sondern auch, ob ein Unternehmen die Problematik erkannt hat und zukunftsgerichtet an Veränderungen arbeitet. 

Übersicht: Methodiken großer Anbieter von ESG-Fondsratings

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Neben Ratings wird auch die Regulierung zu mehr Verlässlichkeit führen. Über den aktuellen Stand der verschiedenen Regulierungen (Taxonomie, SFDR und Mifid II Update) informieren wir Sie hier.

 

Quellen:

1FAZ, 20.05.2021

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Carsten Roemheld

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Kapitalmarktstratege Fidelity International