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So klappt selbstbestimmte Geldanlage

Claudia Barghoorn

Claudia Barghoorn - Leiterin Privatkundengeschäft

Viele Frauen lassen ihr Geld auf zinslosen Tages- oder Festgeldkonten liegen, wo es mit der Inflation schleichend an Wert verliert. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern mit Blick auf die Altersvorsorge ein echtes Problem.

Männer scheuen kein Risiko, während Frauen auf Nummer sicher gehen. Glauben Sie nicht? Klischees verleiten schnell dazu, sie als Unfug abzutun. Schließlich kennt jeder mindestens ein Beispiel, dass das Gegenteil zeigt. Bei der Geldanlage scheint sich zumindest dieses Vorurteil aber in der Breite zu bestätigen: Frauen sind laut aktueller „Global women & money“-Umfrage1 von Fidelity International in der Tat zurückhaltender, wenn es um die eigenen Finanzen geht. So sagt lediglich jede dritte Umfrageteilnehmerin, sich selbst als Investorin zu sehen. Bei den Männern sind es 41 Prozent.

Das Ergebnis deckt sich mit zahlreichen Veröffentlichungen zum Anlageverhalten beider Geschlechter. Immer wieder zeigt sich, dass Frauen weniger bereit sind, finanzielle Risiken einzugehen, dass sie empfindlicher auf Verluste reagieren und daher im Zweifel lieber auf Nummer sicher gehen. Die Folge: Sie entscheiden sich überdurchschnittlich oft dafür, gar nicht zu investieren und lassen ihr Geld stattdessen auf faktisch zinslosen Tages- oder Girokonten liegen.

Schleichender Wertverlust

Dabei übersehen Anlegerinnen allerdings, dass der Fokus auf vermeintlich sichere Sparprodukte ihr Verlustrisiko nicht wie erhofft minimiert. Im Gegenteil sorgen Sparerinnen mit dieser Strategie sogar dafür, dass sie ganz sicher Geld verlieren. Denn die seit mehr als einem Jahrzehnt andauernde Niedrigzinspolitik der Zentralbanken hat dazu geführt, dass Tages- und Festgeld immer weniger Rendite abwirft. Laut Daten des Online-Portals Tagesgeldvergleich.net lag der durchschnittliche Zins aufs Tagesgeld im Juni bei etwa 0,06 Prozent.2 Bei solch einem niedrigen Ertrag reicht selbst eine moderate Inflation aus, damit die Rendite real – also nach Abzug der Teuerungsrate – negativ wird. Im Mai stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland noch dazu deutlich um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.3 Mit anderen Worten: Wer sein Geld auf dem Konto parkt, kann sich mit der Zeit davon immer weniger kaufen.

Das ist nicht nur ärgerlich, sondern mit Blick auf die Altersvorsorge ein echtes Problem. Die gesetzliche Rente heutiger Beitragszahler und Beitragszahlerinnen wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen, um später im Ruhestand den gewohnten Lebensstandard halten zu können. Wer ohne Geldsorgen seinen Lebensabend genießen will, kommt daher um eine private Vorsorge nicht herum. Mit ihrer Scheu vor Aktien und anderen Kapitalmarktprodukten berauben sich Sparerinnen der einzigen Möglichkeit, auch mit überschaubaren Beträgen ein ausreichend großes Vermögen aufzubauen. Hinzu kommt, dass Frauen im Durchschnitt allen „Equal-Pay“-Diskussionen zum Trotz oft immer noch weniger verdienen als Männer und entsprechend auch weniger Geld aus der gesetzlichen Rente bekommen.

Nicht alle Eier in einen Korb

Freilich können Investorinnen am Kapitalmarkt auch Verluste einfahren. Schließlich sind genau diese Kursschwankungen der Grund dafür, warum die Renditechancen bei Aktien so viel höher sind als bei zinslosen Sparprodukten. Anlegerinnen können ihr Risiko aber drastisch reduzieren, wenn sie zwei Grundsätze beachten. Regel Nummer eins: Nicht alles auf eine oder wenige Aktien setzen! Stattdessen sollten Anlegerinnen das Ersparte breit über Branchen, Länder und Unter¬neh¬¬men streuen. Selbst wenn ein Bereich mal nicht so gut läuft, gleicht sich der Verlust auf diese Weise an anderer Stelle aus.

Regel Nummer zwei: Die Zeit als Verbündeten sehen. Wenn Anlegerinnen über Jahre und Jahrzehnte für die Altersvorsorge ansparen, können sie zwischenzeitliche Verluste aussitzen. Die Vergangenheit zeigt: Auch bei schwersten Wirtschafts- und Finanzkrisen erklimmen die Aktienkurse nach wenigen Jahren wieder neue Höchststände. Investorinnen müssen nur die Ruhe bewahren und investiert bleiben.

Mit kleinen Beträgen zum Vermögen

Viele Frauen glauben, dass sie bereits ein Vermögen auf der hohen Kante haben müssen, um ein diversifiziertes Portfolio zusammenzustellen. Das stimmt allerdings nur für Investments in einzelne Aktien. Über Fonds kön¬nen Anlegerinnen ihr Geld bereits mit kleinen Beträgen breit streuen. Einen Investmentfonds kann man sich vorstellen wie einen Korb, der verschiedene Wertpapiere enthält. Das können Aktien, Anleihen, Anlagen auf dem Geldmarkt oder auch Immobilienbeteiligungen sein. Kaufen Anlegerinnen einen Anteil an diesem Fonds, beteiligen sie sich automatisch an allen darin enthaltenen Wertpapieren. Passive Investmentfonds bilden in der Regel einen Index ab, beispielsweise den Weltaktienindex MSCI World. Bei aktiven Fonds wählt dagegen ein Fondsmanager die vielversprechendsten Wertpapiere im Auftrag der Anleger aus.

Wer keine größere Summe auf einmal investieren will oder kann, kann bei vielen Depotanbietern einen Sparplan einrichten. Dabei handelt es sich um eine sehr flexible Form der Geldanlage, bei der Investoren regelmäßig einen selbst gewählten Betrag in ein Investmentprodukt einzahlen. Viele Fonds lassen sich bereits ab 25 Euro im Monat besparen. Ein Fondssparplan lässt sich im Normalfall jederzeit anpassen, pausieren oder stoppen. Anlegerinnen können also – ähnlich wie bei einem Sparbuch – Zahlungen jederzeit aussetzen oder auch mehr als die ursprünglich geplante Rate einzahlen. Damit verbindet ein Fondsparplan in der Ansparphase im Prinzip das Beste aus beiden Welten: Die Flexibilität von Sparprodukten wie Tages- und Festgeldkonten mit dem Ertragspotential von Kapitalmarktanlagen.

Der Effekt gewaltig, wie ein einfaches Rechenbeispiel zeigt: Wer jeden Monat 100 Euro zurücklegt, hat nach 15 Jahren ohne jeden Zins insgesamt 18.000 Euro gespart. Wer den gleichen Betrag über einen Sparplan in einen Fonds einzahlt, der jährlich sechs Prozent Rendite abwirft, kommt im selben Zeitraum auf 28.468 Euro – ein Plus von mehr als 10.000 Euro.

MK12665

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