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Oktober 2021 — Der Winter wird ungemütlich

Tappe & Telschow

Tappe & Telschow - Marktbericht

Steigende Preise, anhaltend hohe Staatsschulden und politische Erschütterungen in China: Die Weltwirtschaft steht vor einer schwierigen Phase. Im schlimmsten Fall droht wirtschaftlicher Stillstand plus Geldentwertung. Vorsicht bleibt angezeigt.

  • In Europa steigen die Energiepreise deutlich an. Chinas Staatsführung greift immer rigoroser in den Kapitalmarkt ein. Beides belastet die hiesige Industrie. 
  • Im schlimmsten Fall droht kurzfristig eine Mischung aus wirtschaftlichem Stillstand und hoher Inflation, die sogenannte Stagflation.
  • Mittelfristig ist der Aufschwung aber noch nicht vorbei.

Wie ist die aktuelle Lage in China? Könnten die Probleme des größten chinesischen Immobilienentwicklers zu einem zweiten Lehman-Moment werden?


Die Einschätzung unserer Experten aus der Privatkundenbetreuung Andreas Telschow und Maurice Tappe zu diesem Thema können Sie hier sehen:

Die Bilder von geschlossenen Tankstellen in Großbritannien könnten Vorboten für einen äußerst ungemütlichen Herbst und Winter sein. Denn auch wenn der akute Benzin-Mangel auf der Insel weniger mit Treibstoff-Knappheit zu tun hat als mit einem Mangel an Lkw-Fahrern, geht er einher mit einem besorgniserregenden Trend bei der Energieversorgung. In Europa haben sich die Erdgaspreise dieses Jahr so sehr verteuert wie noch nie, und die Strompreise vervielfacht. Das liegt einerseits am sprunghaften Anstieg der CO2-Preise im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems. Andererseits aber auch daran, dass die Rohstoffe – allen voran das Erdgas – knapper werden. Sollte der Winter überdurchschnittlich kalt werden, dann könnte die Knappheit sich in den kommenden Monaten zuspitzen.

Europa droht eine Energiekrise

Eine solche Energiekrise würde in Europa die Gas- und Strompreise weiter erhöhen und so die Inflation verstärken, die ohnehin bereits stark angezogen hat. Das könnte auch den Konsum in Mitleidenschaft ziehen, weil höhere Stromrechnungen die Kaufkraft der Verbraucher schmälern. Und wahrscheinlich würde eine solche Entwicklung auch zu einem Abschwung im europäischen Industriesektor führen. Denn viele Rohstofflager sind leer. Steigende Kosten belasten zudem die Erträge und könnten die industrielle Erholung vom Pandemie-Schock jäh beenden. Für Europa droht dann eine ungesunde Mischung aus Stagnation, also wirtschaftlichem Stillstand, und hoher Inflation: die sogenannte Stagflation.

Chinas Staatsführung greift durch

In China belasten derweil Erschütterungen politischer Art die Kapitalmärkte. Der inzwischen weltweit bekannt gewordene größte Immobilienentwickler des Landes, das Unternehmen Evergrande, steht am Rand des Zusammenbruchs, nachdem Chinas Staatsführung Kreditaufnahmen sowie Grundstückskäufe gesetzlich erschwert hatte, um das Wachstum auf dem Häusermarkt zu bremsen. Die massiven Eingriffe in den Markt gehen einher mit zunehmender Regulierung und Quasi-Verstaatlichung in vielen Wirtschaftsbereichen. Chinas Staatsführung will „drei Berge“ an Arbeit bewältigen, bei denen die Staatsführung inzwischen moralisches Fehlverhalten und ein besorgniserregendes Maß an Ungleichheit erkannt haben will: Immobilien, Bildung und Gesundheitswesen.

In all diesen Feldern will man „gemeinsamen Wohlstand“ für das ganze Land erreichen – und ist bereit, dafür kurzfristig auf höheres wirtschaftliches Wachstum zu verzichten. Auch Umweltschutz gehört zu den neuen vorrangieren Zielen des Regimes. Ein starker wirtschaftlicher Einbruch wie zu Beginn der Covid-Pandemie im Frühjahr 2020, dessen negative Schockwellen sich schnell über die Welt verbreiteten, ist zwar unwahrscheinlich. Für Anleger heißt es trotzdem: Die Unsicherheit für Investitionen in China dürfte vorerst hoch bleiben.

USA kämpfen mit Schulden und Inflation

Etwas bessere Nachrichten kommen von der US-Wirtschaft. Auch hier hat sich zwar zuletzt die Industrieproduktion verteuert, vor allem wegen Materialengpässen und unsicherer Lieferketten. Doch die Stimmung in der Wirtschaft blieb gut, weil die Unternehmen höhere Kosten an die Verbraucher weitergeben konnten. Auch der Arbeitsmarkt erholte sich zuletzt. Andererseits stehen die USA im kommenden Jahr vor einer erheblichen Haushaltsklippe, nachdem die Staatsausgaben im Nachlauf der Pandemie massiv gestiegen sind. Fragen nach einer Schuldenobergrenze und nach der laufenden Finanzierung der Regierung bestimmen derzeit die politische Debatte. Derweil hat die US-Notenbank Fed begonnen, ihre Geldpolitik zu straffen und den Ankauf von Anleihen zurückzufahren – das sogenannte Tapering soll unter anderem gegen Inflation wirken.

Fazit

Die weltweiten Wachstumsrisiken steigen, weltweite Versorgungsketten bleiben fragil, Chinas Führung bremst das Wachstum aus und Europa droht eine Energiekrise. All das wird nicht nur den Inflationsdruck verstärken, sondern wahrscheinlich über den Winter zu einem Abschwung im europäischen Industriesektor führen. In den kommenden Monaten droht damit eine Stagflation.

Kurzfristig ist daher Vorsicht bei der Geldanlage angesagt. Mittelfristig ist die Lage nicht so trüb: Der weltweite Aufschwung ist noch nicht vorbei. Und wenn sich die Energieversorgung in Europa verbessert und die politischen Risiken in China abschwächen, könnten sich auch wieder Gelegenheiten für eine risikofreudige Haltung ergeben.

Kapitalmarkt-Blog mit Carsten Roemheld

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