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Juni 2022 – Konjunktur im Fokus

Tappe & Telschow

Tappe & Telschow - Marktbericht

Die Zeiten bleiben unruhig. Angesichts schwindender Konsumlaune und der anhaltenden Rohstoffkrise ist am Kapitalmarkt Vorsicht geboten. Staatsanleihen werden aktuell wieder attraktiver.

In Kürze:
 

  • Die Stagflation könnte bald überwunden sein. Drei Schlüsselfaktoren bestimmen über künftige Szenarien: Konsumstimmung, Energievorräte und geldpolitische Straffungen.
  • Investitionen in Risikoanlagen sind weiterhin mit Vorsicht zu betrachten. Unsere Analysten haben Staatsanleihen nun übergewichtet.
  • Bei den Aktienregionen liegen die USA und ausgewählte Schwellenländer vor Europa und Japan.

Erholung im Mai noch kein Grund zur Freude. Die Märkte bleiben anfällig für Kursrücksetzer.

Die Einschätzung unserer Experten aus der Privatkundenbetreuung Andreas Telschow und Maurice Tappe zu diesem Thema können Sie hier sehen.
(Dauer: 07:40 Minuten)

Die Stagflation bestimmte die Debatte der vergangenen Monate an den Märkten, sowohl in den USA als auch in Europa. Doch nun verschiebt sich das Narrativ langsam. Die US-Notenbank Fed tritt der Inflation bereits mit deutlichen Zinserhöhungen entgegen – künftig könnte das Thema Wachstum wieder stärker in den Fokus rücken. Die Chancen einer „weichen Landung“ der Konjunktur sind unseren Analysten zufolge mit 40 Prozent aktuell etwas größer als die Gefahr eines „harten Aufpralls“ (35 Prozent). In den kommenden Wochen gilt es nun vor allem folgende drei Schlüsselfaktoren zu beobachten, die großen Einfluss auf künftige Szenarien haben.

1. Der steigende Druck auf Verbraucher und Industrie

Unsere Daten zeigen, dass sich infolge des Ukraine-Kriegs die Erwartungen an die künftige Konjunkturentwicklung abgeschwächt haben. Die Lebenshaltungskosten steigen bei sinkenden Reallöhnen, was nicht nur die Konsumlaune, sondern auch das Vertrauen der Verbraucher erschüttert. Die Eurozone ist im Vergleich zu den USA noch stärker von der geopolitischen Krise und ihren Konsequenzen betroffen. Hier könnte es konjunkturell eher zur harten Landung kommen.

2. Europas Gasvorräte sind ein wichtiger Indikator

Wie wahrscheinlich eine Rezession in Europa ist, hängt maßgeblich von den Entwicklungen auf den Energiemärkten ab. In diesem Jahr sind die russischen Gaslieferungen im Vergleich zum Vorjahr um fast 30 Prozent geschrumpft. Die Gasvorräte in Europa liegen zurzeit dennoch über dem Niveau von 2021. Eine mögliche Erklärung dafür ist die schwächere Nachfrage aufgrund der wärmeren Temperaturen und der Rückgang der industriellen Nutzung angesichts der gestiegenen Kosten. Wie sich die Lage entwickelt, sollten Investoren im Auge behalten. Ein eingeschränktes Gasangebot könnte auf eine Schwächung der europäischen Industrie hinweisen.

3. US-Renditekurve sendet bislang keine Rezessions-Signale

Die Umkehrung eines Abschnitts der Renditekurve von US-Staatsanleihen sorgte zu Beginn des Jahres für Wirbel: Für einen Moment lag die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen über denen der Zehnjährigen – rückblickend war das häufig ein klarer Indikator für eine drohende Rezession. Betrachtet man allerdings die gesamte nominale, reale und risikobereinigte Renditekurve, so sind nur 13 Prozent invertiert, was unseren Experten zufolge noch keinen Grund zur Sorge darstellt. Nach der Zinserhöhung um 50 Basispunkte im Mai halten unsere Analysten eine weitere geldpolitische Straffung für notwendig. Das bedeutet auch, dass die Wachstumsschätzungen weiter sinken müssen.

Staatsanleihen übergewichtet

Im Mix der Assetklassen hat sich im Vergleich zu den Vormonaten etwas verändert. Zwar bleiben unsere Experten bei ihrer Untergewichtung von Aktien. Bei Staatsanleihen gehen sie aber von der neutralen Bewertung zum Aufstocken über. Der Grund liegt im Ausblick auf die weitere Geldpolitik, mit Blick auf den Anstieg der Realzinsen werde es eine Obergrenze geben.

Die Renditeaufschläge für Hochzinsanleihen waren in diesem Jahr bislang bemerkenswert robust. Das muss nicht so bleiben – es ist davon auszugehen, dass sie erneut unter Druck geraten könnten, wenn die Wachstumsprognosen herabgestuft und die Ausfallrisiken neu bewertet werden. Die Renditeaufschläge bei Anleihen mit guter Bewertung sind derweil attraktiv, zudem sind die Fundamentaldaten nach wie vor solide.

Aktienregionen: Europa und Japan schwächeln

Im Vergleich der Aktienregionen hat sich im Vergleich zum Vormonat nicht viel verändert: Die USA bleiben übergewichtet und deutlich attraktiver als Japan und Europa. Zwar sind die Aussichten für die Gewinnspannen von US-Unternehmen durchwachsen. Doch die Bewertungen sind inzwischen deutlich nach unten korrigiert worden, zudem scheinen die Lieferkettenprobleme ihren Höhepunkt bald überwunden zu haben.

Auch Schwellenländer und der asiatisch-pazifische Raum bleiben übergewichtet. Australien beschert die Rohstoffstärke nun Rückenwind. Eine positive Entwicklung gibt es zudem in ausgewählten Schwellenländern, vor allem denen, die Rohstoffe exportieren und von den Wiederöffnungen nach Corona-Lockdowns profitieren. Die chinesische Null-Covid-Politik, von Präsident Xi nun erneut in einer Rede bekräftigt, wirft indessen weiterhin Schatten: Beeinträchtigungen durch die harten Lockdowns wirken sich immer stärker auf die Unternehmen im Land aus.

Fazit

Die Lage bleibt angespannt: Angesichts der kurzfristig hohen Inflation, der restriktiven Haltung der großen Notenbanken und des schwindenden Vertrauens der Verbraucher sowie der Industrie bleibt eine defensive Haltung gegenüber Risikoanlagen ratsam.

Kapitalmarkt-Blog mit Carsten Roemheld

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MK 14151