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April 2022 – Düstere Perspektiven für Europa

Tappe & Telschow

Tappe & Telschow - Marktbericht

Der Krieg dauert weiter an und in Europa wächst die Angst vor der Rezession. Die US-Wirtschaft ist derweil resilienter aufgestellt. Im Vergleich der Aktienregionen lohnt sich ein Blick nach Südostasien und Australien.

In Kürze:
 

  • In Europa besteht inzwischen ein erhebliches Risiko einer zumindest leichten Rezession.
  • Die Aussichten für Schwellenländer- und Asien-Pazifik-Aktien werden besser.

Was steckt hinter der leichten Erholung der Märkte?

Die Einschätzung unserer Experten aus der Privatkundenbetreuung Andreas Telschow und Maurice Tappe zu diesem Thema können Sie hier sehen.
(Dauer: 10:01 Minuten)

Seit mehr als einem Monat ist Krieg in Europa. Es sind unsichere Zeiten. Wie sich die Situation in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland langfristig auf die Finanzmärkte auswirken, ist kaum vorhersehbar. Das stellt auch die Zentralbanken vor Herausforderungen. Schon vor dem Kriegsausbruch drohte mancherorts eine Stagflation, das bedeutet niedriges Wirtschaftswachstum bei hoher Inflation. Jetzt verschärfen sich die Sorgen in Rekordtempo.

Der Höhepunkt der Inflation ist weder in den USA noch hier in Europa erreicht – zum Leidwesen der Verbraucher scheint noch viel Luft nach oben zu sein. Und nicht nur das verdüstert die Stimmung: Hinzu kommen die weitere Höhen erklimmenden Rohstoffpreise. Europa ist als Schauplatz des Kriegsgeschehens die am stärksten gefährdete Region, in der nun zumindest eine leichte Rezession – also ein Rückgang der Wirtschaftsleistung – sehr wahrscheinlich ist.

Die großen Notenbanken gehen mit dieser Situation, die einen Balanceakt erfordert, unterschiedlich um. Da ist zum einen die US-Notenbank Fed, die sich nun darauf fokussiert, die Inflation im Zaum zu halten. Eine vorgezogene Erhöhung der Leitzinsen drückt zwar auf die Nachfrage. Doch die Bedenken über eine weitere Wachstumsbremse sind zurzeit offenbar zweitrangig.

Unsere Analysten rechnen derweil nicht damit, dass sich die Europäische Zentralbank (EZB) ähnlich der Fed zu einer raschen geldpolitischen Wende durchringen wird. Vonseiten der EU wird vielmehr ein koordiniertes Fiskalpaket erwartet: Angesichts der stark steigenden Preise wird es um Steuerentlastungen für die Bürgerinnen und Bürger gehen, um so die Auswirkungen von Energie- und Lebensmittelpreisschocks auf die Haushalte abzufedern. Zu den unmittelbaren Prioritäten Europas gehört es zudem, Geflüchtete aus der Ukraine zu unterstützen.

Verbrauchervertrauen sinkt auf Tiefstand

Angesichts der Umstände wenig verwunderlich, ist das Verbrauchervertrauen auf breiter Front eingebrochen. Laut einer Studie der University of Michigan ist es sogar noch tiefgreifender erschüttert als kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie. Dass sich der Welthandel dennoch zuletzt auf Erholungskurs befand, ließ sich auf die Stabilisierung von Lieferketten zurückführen. Vor allem die asiatischen Exporte nahmen wieder zu. Doch das muss nicht so bleiben. In Anbetracht der jüngsten Entwicklungen nach den Sanktionen gegen Russland und den erneuten Corona-Lockdowns in China könnten sich die Handelsaktivitäten schnell wieder abschwächen.

Europa muss sich auf harte Zeiten einstellen

Der Krieg und die sich immer stärker abzeichnenden Konsequenzen für die einzelnen Regionen haben unsere Analysten zum Umsteuern bewogen. In den vergangenen Monaten hatten sie die Aktienregion USA untergewichtet und den europäischen Aktienmarkt als neutral eingestuft. Jetzt stellt sich die Situation umgekehrt dar: Für die USA geht es bergauf, für Europa bergab.

Über unserem Kontinent hängt das Damoklesschwert möglicher Gas-Engpässe. Der Krieg findet vor unserer Tür statt, europäische Staaten nehmen immer mehr Geflüchtete auf. Die Abhängigkeit von russischer Energie ist in manchen Staaten enorm. All diese Faktoren werden sich wirtschaftlich weiter bemerkbar machen. Die EZB wird sich unseren Experten zufolge aber auch weiterhin mehr auf Wachstum und Liquiditätsmanagement konzentrieren – und weniger darauf, der Inflation Maßnahmen entgegenzusetzen. Die amerikanische Wirtschaft ist indessen – vor allem in puncto Energie – autarker. Das verarbeitende Gewerbe schlägt sich gut, während der Dienstleistungssektor schwächelt. Die USA sind gegenüber den Risiken des Kriegs auf europäischem Boden keineswegs immun. Doch die Gefahr einer Rezession ist jenseits des Atlantiks deutlich geringer.

Asien-Pazifik überholt japanische Aktienregion

In den vergangenen Monaten bot der japanische Aktienmarkt im globalen Vergleich die aussichtsreichste Perspektive. Auch hier hat sich die Lage verändert, was zu einer Kurskorrektur veranlasst. Höhere Rohstoffpreise und die Konsequenzen der US-Geldpolitik könnten die Stimmung negativ beeinflussen, weshalb unsere Analysten Japan auf neutral herunterstufen. Den größten Sprung legt derweil die Asia-Pazifik-Region (ohne Japan) hin. Hier geht die Tendenz unserer Experten zu einer Übergewichtung. Allen voran Australien profitiert als Region mit starkem Rohstoffsektor.

Auch der Blick auf die Schwellenländer bleibt vielversprechend, vor allem Lateinamerika und einige ASEAN-Länder fallen positiv auf. Die Lage in China bleibt zwiespältig. Die Regierung in Peking bekräftigte zuletzt zwar ihren wachstumsfördernden Kurs. Gezielte Lockerungen bei Restriktionen, unter anderem im Immobiliensektor, dürften dem Aktienmarkt Auftrieb geben. Doch das Wiederaufflackern der Corona-Pandemie verbunden mit der umstrittenen Null-Covid-Strategie des Landes trübt den Optimismus. Auch Risiken im Zusammenhang mit möglichen Russland-Sanktionen bleiben bestehen. Chinas geopolitische Rolle in diesem Konflikt wird von der ganzen Welt kritisch beäugt.

Fazit

Risikoanlagen sind aktuell eher mit Vorsicht zu betrachten. Japan galt zuletzt als vielversprechendste Aktienregion, wird nun aber von Asien-Pazifik abgelöst. Während sich die Situation an den US-amerikanischen Märkten eher stabilisiert, bestehen in Europa zunehmend Rezessionsängste.

Kapitalmarkt-Blog mit Carsten Roemheld

Meinungsstark, auf den Punkt und immer am Puls der Zeit: Einschätzungen und Hintergründe zu allem, was die Kapitalmärkte bewegt.

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