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Anlagestrategie im Ausnahmezustand: Unser wöchentliches Update

Carsten Roemheld

Carsten Roemheld - Kapitalmarktstratege Fidelity International

Die Lage im Kriegsgebiet in der Ukraine ist äußerst dynamisch, die Nervosität an den Kapitalmärkten steigt. Um die aktuelle Situation und ihre Folgen für die Anlagestrategie einzuordnen, spricht Kapitalmarktstratege Carsten Roemheld Woche für Woche mit Andrew McCaffery, Global Chief Investment Officer von Fidelity International in London. Im Podcast (in englischer Sprache) ordnen die beiden die neuen Entwicklungen in das internationale Marktgeschehen ein.

Chinas Rolle rückt ins Blickfeld

Die Kernaussagen vom 17. März:
 

  • Der Krieg in der Ukraine dauert an. Die Lage für die Bevölkerung verschlimmert sich in vielen Gebieten. Die Zahl der Flüchtlinge wächst. Zugleich ist in dieser Woche Chinas Rolle in dem Konflikt ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit geraten. Bisher verhält sich der Staat gegenüber Russland weitgehend neutral. Das übergeordnete und klare Ziel der chinesischen Führung ist und bleibt die langfristige Stabilisierung der eigenen Konjunktur und Finanzmärkte. Auf der anderen Seite hat die russische Führung offenbar um Unterstützung gebeten. Sollte China sich aktiv in den Krieg einmischen, drohen dem Land massive Sanktionen mit gravierenden Konsequenzen für die eigene und die Weltwirtschaft.
  • Chinas wirtschaftliche Ausgangslage vor dem Ausbruch des Krieges war von einer gewissen Stabilisierung gekennzeichnet. Die Regulierungsoffensive des vergangenen Jahres hatte die Führung hinter sich gelassen, die Perspektiven für die wirtschaftliche Entwicklung hatten sich zuletzt angesichts gezielter Stimuli durch die Politik wieder verbessert. Die aktuellen Herausforderungen bestehen nun in der Bewältigung neuer Lockdowns, die China in der Vergangenheit recht gut bewältigen konnte. Außerdem kommt es gerade zu einer Rückführung von Auslands-Liquidität an die chinesischen Börsen, nachdem einigen American Depository Receipts (ADRs) chinesischer Unternehmen an US-Börsen ein De-Listing droht. ADRs sind Zertifikate, die an US-Börsen stellvertretend für Aktien gehandelt werden, die man nicht direkt kaufen kann – was in China viele große Unternehmen betrifft. Dabei ist zu betonen, dass es sich nicht etwa um aktuelle Sanktionen handelt, sondern um eine US-Initiative, die bereits 2020 ins Leben gerufen wurde (Holding Foreign Companies Accounting Act - HFCAA).
  • Die US-Notenbank FED hat in dieser Woche die Zinsen um 25 Basispunkte erhöht und damit den nächsten Zinszyklus eingeläutet. Diese gegenüber den Vorkriegs-Erwartungen abgebremste Zinswende war zuletzt so vorhergesehen worden. Auffällig waren die Begleitkommentare der FED-Mitglieder, die durchaus auf einen aggressiveren Kurs mit weiteren Zinsschritten hindeuten. Es sind also noch einige weitere Schritte für die nächsten Monate zu erwarten, da die FED ihr Handeln nun stark auf das Narrativ hoher Inflationsraten ausrichtet. 
  • Während die Aktienmärkte den Kurs der US-Notenbank bislang zu stützen scheinen, verflachte die US-Treasury-Kurve stark, in einigen Abschnitten kam es sogar zu einer inversen Zinsstruktur. Damit antizipieren die Händler an den Zinsmärkten offenbar stärkere Probleme für die US-Wirtschaft. Die FED wird auf ihrem weiteren Kurs die Balance zwischen Inflation und Wachstum finden müssen, sobald sich die wirtschaftlichen Rahmendaten verschlechtern. Das gilt auch für die Europäische Zentralbank, die zuletzt ebenfalls den Weg der Straffung eingeschlagen hatte, während man von der Bank of England eher wieder moderatere Töne hörte. Letztere könnte als Beispiel für den künftigen Weg der westlichen Zentralbanken dienen.
  • Für die Investoren bleibt die Lage weiterhin unsicher. Zuletzt konnten sich Risikoanlagen wie Aktien wieder etwas deutlicher erholen, nachdem das Sentiment sich bei Ausbruch des Krieges stark verschlechtert hatte. Einige Marktteilnehmer nutzen offenbar niedrigere Kurse zum Einstieg und leiteten eine Gegenbewegung ein. Wir halten es aufgrund der aktuellen Unsicherheit aber noch für verfrüht, eine Bodenbildung auszurufen und bleiben bei einer neutralen Positionierung für Risikoanlagen.
  • Zugleich lohnt es sich durchaus, in einzelnen Anlageklassen zu analysieren, was jeweils bereits eingepreist ist und wie hoch die entsprechenden Risikoprämien ausfallen. Bei Anleihen im Investment Grade-Bereich ergeben sich zum Beispiel gerade wieder bessere Chancen, genau wie in einigen asiatischen Märkten und in China, wo die Abschläge zuletzt größer geworden sind. Unterm Strich plädieren wir für eine defensive Gesamtposition, solange es nicht zu einer deutlichen Verbesserung der Lieferkettenproblematik kommt und sich die Margen für die Unternehmen verbessern. 

Die Kernaussagen vom 10. März:
 

  • Mit Fortdauer des Kriegs steigt auch der Druck des Westens durch Sanktionen. Die Auswirkungen erstrecken sich nicht nur auf die Energiemärkte und Rohstoffpreise. Auch andere Wirtschaftsbereiche sind zunehmend von Russland abgeschnitten. Das wirkt sich auf die Lieferketten und Wirtschaftsleitung weltweit aus. Die politischen Entscheidungsträger sind aufgefordert, darauf zu reagieren.
  • Das verknappte Angebot bei der Energie- und Nahrungsmittelversorgung sorgt für anhaltende Inflationsgefahren. Zugleich wächst gerade in Europa die Sorge, dass womöglich nicht nur eine Stagflation droht, sondern die steigende Inflation sogar mit einer Rezession einhergehen könnte. Eine globale Rezession wäre noch einmal deutlich schwerwiegender als eine Periode der Stagflation. In den USA bleibt es vorerst bei einem Stagflationsumfeld.
  • Die Risiken für Fehler bei Entscheidungen der Zentralbanken steigen weiter. Kapitalmarktteilnehmer navigieren sich gerade durch eine Phase widersprüchlicher Positionen zwischen dem, was die Zentralbanken tatsächlich tun, und dem, was sie sagen. Die Risiken von Stagnation oder Rezession erzeugen einen Druck, dem die starke Inflation in einigen Ländern entgegensteht. Derzeit ist offen, ob die Zentralbanken sich in diese Lage ihren Kurs der Zinswende beibehalten werden. Vor allem bei der Europäischen Zentralbank wird eine aggressive Zinspolitik immer unwahrscheinlicher.
  • An den Kreditmärkten halten wir aktuell an einer relativen Untergewichtung fest, haben aber die Duration zuletzt leicht erhöht. Insbesondere wenn das Pendel noch mehr in Richtung Rezession ausschlägt, könnte die Preisbildung schwierig werden, denn dann werden die Ausfallwahrscheinlichkeiten bei Unternehmensanleihen steigen.
  • Am Aktienmarkt wird der Blick auf starke Cashflows und Bilanzen bei der Titelauswahl immer wichtiger. Außerdem sind Regionen zu favorisieren, die weniger stark von den wirtschaftlichen Folgen des Kriegs betroffen sind. Das bedeutet, dass wir weiterhin nach Möglichkeiten suchen, die Gewichtung in China, Asien und Japan im Vergleich zu den USA und zu Europa zu erhöhen. Es könnte das Zeitalter der neuen FANGS beginnen, mit Fuel, Aerospace, Nuclear/Renewables sowie Gold als Stabilisator in Krisenzeiten.

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Stand, soweit nicht anders angegeben: März 2022. MK13885