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Anlagestrategie im Ausnahmezustand: Unser wöchentliches Update

Carsten Roemheld

Carsten Roemheld - Kapitalmarktstratege Fidelity International

Die Lage im Kriegsgebiet in der Ukraine ist äußerst dynamisch, die Nervosität an den Kapitalmärkten steigt. Um die aktuelle Situation und ihre Folgen für die Anlagestrategie einzuordnen, spricht Kapitalmarktstratege Carsten Roemheld Woche für Woche mit Andrew McCaffery, Global Chief Investment Officer von Fidelity International in London. Im Podcast (in englischer Sprache) ordnen die beiden die neuen Entwicklungen in das internationale Marktgeschehen ein.

Die Kernaussagen vom 10. März:
 

  • Mit Fortdauer des Kriegs steigt auch der Druck des Westens durch Sanktionen. Die Auswirkungen erstrecken sich nicht nur auf die Energiemärkte und Rohstoffpreise. Auch andere Wirtschaftsbereiche sind zunehmend von Russland abgeschnitten. Das wirkt sich auf die Lieferketten und Wirtschaftsleitung weltweit aus. Die politischen Entscheidungsträger sind aufgefordert, darauf zu reagieren.
  • Das verknappte Angebot bei der Energie- und Nahrungsmittelversorgung sorgt für anhaltende Inflationsgefahren. Zugleich wächst gerade in Europa die Sorge, dass womöglich nicht nur eine Stagflation droht, sondern die steigende Inflation sogar mit einer Rezession einhergehen könnte. Eine globale Rezession wäre noch einmal deutlich schwerwiegender als eine Periode der Stagflation. In den USA bleibt es vorerst bei einem Stagflationsumfeld.
  • Die Risiken für Fehler bei Entscheidungen der Zentralbanken steigen weiter. Kapitalmarktteilnehmer navigieren sich gerade durch eine Phase widersprüchlicher Positionen zwischen dem, was die Zentralbanken tatsächlich tun, und dem, was sie sagen. Die Risiken von Stagnation oder Rezession erzeugen einen Druck, dem die starke Inflation in einigen Ländern entgegensteht. Derzeit ist offen, ob die Zentralbanken sich in diese Lage ihren Kurs der Zinswende beibehalten werden. Vor allem bei der Europäischen Zentralbank wird eine aggressive Zinspolitik immer unwahrscheinlicher.
  • An den Kreditmärkten halten wir aktuell an einer relativen Untergewichtung fest, haben aber die Duration zuletzt leicht erhöht. Insbesondere wenn das Pendel noch mehr in Richtung Rezession ausschlägt, könnte die Preisbildung schwierig werden, denn dann werden die Ausfallwahrscheinlichkeiten bei Unternehmensanleihen steigen.
  • Am Aktienmarkt wird der Blick auf starke Cashflows und Bilanzen bei der Titelauswahl immer wichtiger. Außerdem sind Regionen zu favorisieren, die weniger stark von den wirtschaftlichen Folgen des Kriegs betroffen sind. Das bedeutet, dass wir weiterhin nach Möglichkeiten suchen, die Gewichtung in China, Asien und Japan im Vergleich zu den USA und zu Europa zu erhöhen. Es könnte das Zeitalter der neuen FANGS beginnen, mit Fuel, Aerospace, Nuclear/Renewables sowie Gold als Stabilisator in Krisenzeiten.

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Stand, soweit nicht anders angegeben: März 2022. MK13866