In Großbritannien tragen Rinder Masken – der Umwelt zuliebe. Denn die Tiere produzieren das klimaschädliche Gas Methan beim Verdauen und stoßen es durch Rülpsen sowie über Mist und Gülle aus. Das britische Agrartechnik-Startup Zelp testet daher aktuell eine Gesichtsmaske für Kühe, die als Katalysator fungiert und gut die Hälfte des ausgestoßenen Methans über eine chemische Reaktion zu Kohlenstoffdioxid (CO2) und Wasserstoff oxidiert.

Wenn es um die Frage geht, wie sich der Klimawandel stoppen lässt, konzentrieren sich die Lösungsvorschläge häufig auf die Senkung des CO2-Ausstoßes. Dabei ist Methan für Leib und Leben mindestens genauso gefährlich. Das Treibhausgas ist nicht nur für knapp 30 Prozent der globalen Erwärmung seit der vorindustriellen Zeit verantwortlich, sondern schadet auch der Gesundheit massiv, weil es als Smog in die Atemwege gelangt.

Gleichzeitig ist Methan im Kampf gegen den Klimawandel aber auch eine große Chance: Denn während CO2-Emissionen meist Jahrhunderte in der Atmosphäre verbleiben, baut sich dieses Gas schnell ab und ist innerhalb eines Jahrzehnts weitgehend verschwunden. Bedeutet mit Blick auf den Klimawandel: Wenn die Methan-Emissionen bis zum Jahr 2030 um 45 Prozent sinken, würde sich die Erde bis 2045 um 0,3 Grad Celsius weniger erhitzen. Zu dem Ergebnis kommen die Vereinten Nationen in einer im Mai veröffentlichten Analyse.1

Größter Hebel in der Tierwelt

Die EU hat das Thema bereits auf dem Schirm. Ende vergangenen Jahres veröffentlichte die Europäische Kommission ihre „Strategie zur Reduktion von Methan-Emissionen“ 2 Darin kündigte sie zum einen schärfere Regularien für den Ausstoß des Treibhausgases an. Zum anderen sieht die Strategie Förderungen für diejenigen vor, die mit innovativen Produkten und Verfahren dazu beitragen, die Methan-Emissionen in der Atmosphäre zu senken. Unternehmen, die bereits heute zu den Pionieren in diesem Bereich gehören, dürften davon in Zukunft profitieren. Damit wird die Reduktion von Methan für Investoren interessant, die Rendite mit einer positiven Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft verbinden wollen.

Den größten Effekt auf das Klima können sie in der Tierwelt erzielen, genauer: bei Rindern, Ziegen und Schafen. Denn die Viehzucht ist die größte vom Menschen geschaffene Methan-Quelle und für knapp ein Drittel der weltweiten Emissionen verantwortlich. Zum Vergleich: Auf die Gas- und Ölindustrie entfällt lediglich ein Fünftel des globalen Methan-Ausstoßes.

Fleisch aus dem Labor

Investoren stehen mehrere Möglichkeiten offen, um sich an der Reduktion von Methan in der Tierhaltung zu beteiligen. So können sie zum Beispiel in Hersteller von pflanzlichen Alternativen zu Milch- oder Fleischprodukten investieren. Die Produkte von Unternehmen wie Beyond Meat, Oatly und Impossible Foods werden bei Verbrauchern immer beliebter. Zudem tüfteln Konzerne an der Produktion von künstlichem Fleisch, das nicht von geschlachteten Tieren stammt, sondern im Labor gezüchtet wurde. Die Ökobilanz solcher Fleisch- und Milchersatzprodukte ist meist besser als die der kon¬¬ven¬¬tionellen Herstellung. Angesichts der Größe und Marktmacht traditioneller Fleisch- und Milchproduzenten dürfte das Segment aber vorerst eine Nische bleiben.

ESG-Investoren müssen dennoch nicht auf Rendite verzichten. Denn auch die traditionellen Hersteller sind sich mittlerweile den Auswirkungen ihrer Handlungen auf Umwelt und Klima bewusst und steuern dagegen. Allerdings sind sie sich oft uneins, welchen Einfluss verschiedene Futtermittel, Weidepraktiken und Nahrungszusätze auf den Klimawandel haben. So füttern die meisten Rinder-Farmen in der EU und in Brasilien ihre Tiere mit Gras, während in den USA Getreide als der Goldstandard für die ökologische Tierhaltung gilt.

Der Grund für diese unterschiedlichen Denkweisen liegt in der Definition dessen, was umweltfreundlich ist. Die Fermentation von Gras produziert zwar weniger Methan als Getreide. Allerdings werden in Brasilien oft Regenwälder abgeholzt, um Weideland für die Rinderzucht zu schaffen, was der Umwelt ebenfalls massiv schadet. Das Beispiel zeigt somit einmal mehr, dass es im Kampf gegen den Klimawandel keine einfachen Antworten gibt. Oft muss ein Kompromiss gefunden werden – wie der zwischen dem Erhalt der Biodiversität und der Reduktion von Treibhausgasen.

Fazit

Noch befinden sich die meisten Technologien zum Senken des Methanausstoßes in der Fleischindustrie in den Kinderschuhen. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis Industrie und Politik Innovationen in diesem Bereich auf breiter Front vorantreiben. Denn im Kampf gegen den Klimawandel ist die Reduktion von Methan in der Atemluft ein wichtiger Hebel, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Für Investoren ergeben sich daraus interessante Chancen für nachhaltige Investments.

  1https://www.unep.org/resources/report/global-methane-assessment-benefits-and-costs-mitigating-methane-emissions 
  2https://ec.europa.eu/energy/sites/ener/files/eu_methane_strategy.pdf