Anleger haben den Braten gerochen: Weltweit verändern sich die Essgewohnheiten, wodurch langfristige Anlagechancen entstehen. Mehr Wohlstand macht gerade den Verbrauchern in Asien Appetit auf Fleisch und Zucker. Die veränderte Ernährung zieht jedoch häufig Zivilisationskrankheiten nach sich.

Mehr Fleisch auf dem Teller

Die Nachfrage nach Fleisch steigt. Vor allem die wachsende Mittelschicht Asiens verzehrt immer mehr davon. Chinesen verbrauchen inzwischen so viel Schweinefleisch, dass über die Hälfte der weltweiten Schweinezucht dort stattfindet. Gemästet werden die Tiere vor allem mit amerikanischen Sojabohnen.

Jetzt, da amerikanische Sojabohnen dem Handelsstreit zwischen den USA und China zum Opfer gefallen sind, dürfte der weltgrößte Sojabohnenproduzent Brasilien zum Zug kommen. Auch Agrarhändler dürften profitieren. Jahrelang traf für sie ein Überangebot an Agrarrohstoffen auf einen engen Absatzmarkt.

Luxusprodukt Schokolade

Auch Schokolade dürfte Anleger verlocken. Während die Kakaopreise fallen, wächst die Nachfrage aus Asien. Die chinesische Schokoladenbranche dürfte von derzeit 2,8 Milliarden Dollar bis 2021 auf 3,9 Milliarden Dollar wachsen.1 Dabei ist Schokolade im Reich der Mitte immer noch ein Luxusprodukt: Für eine Tafel muss ein Chinese im Schnitt 19 Minuten lang arbeiten.2

Im Vergleich zu den Märkten der Industriestaaten ist der asiatische Markt noch nicht gut durchdrungen. Ein Schweizer verzehrt jährlich im Schnitt 8,8 Kilo Schokolade, ein Chinese hingegen nur 100 Gramm, ein Inder 200 Gramm.3

Um in Asien mehr Schokolade zu verkaufen, müssen die Hersteller jedoch Produkte entwickeln, die im wärmeren Klima dort nicht schmelzen. Viele werben deshalb mit wärmebeständiger Schokolade, die ohne Abstriche beim Geschmack auch Temperaturen von 38 Grad aushält.4

Ein Mittel gegen Übergewicht?

Wo mehr Zucker und Fleisch verzehrt wird, leidet oft auch die Gesundheit der Verbraucher. In vielen Schwellenmärkten ziehen die neuen Essgewohnheiten Wohlstandskrankheiten wie Übergewicht, Herzerkrankungen und Typ-2-Diabetes nach sich.

Ein Medikament gegen Übergewicht hat die Pharmabranche bisher nicht gefunden. Eine neue Pille zur Behandlung von Diabetes könnte jedoch auch gegen Übergewicht wirken. Nächstes Jahr soll das Medikament der US-Arzneimittelbehörde FDA vorgelegt werden, 2020 könnte dann die Markteinführung in den USA folgen.5

Diabetes-Behandlung per Smartphone

Die Zahl der Zuckerkranken dürfte von weltweit 425 Millionen im Jahr 2017 auf 629 Millionen im Jahr 2045 steigen. In Indien und China leiden heute 187 Millionen Menschen an Diabetes, 2045 könnten es schon 250 Millionen sein.6

Neue Technologien spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Diabetes. Besonders vielversprechend sind CGM-Geräte, was zu Deutsch für „kontinuierliche Glukoseüberwachung“ steht. Derzeit nutzen nur drei Prozent der Zuckerkranken solche Geräte. Dieser Anteil könnte jedoch mit der Markteinführung Smartphone-basierter CGM-Lösungen steigen. Mit diesen müssen Patienten sich nicht mehr fünf- bis siebenmal am Tag in den Finger piksen. Gerade in China und Indien, zwei der weltgrößten Smartphone-Märkte, hat die Technologie beste Chancen.

Heimdialyse wird beliebter

Wird Diabetes nicht behandelt, können lebensgefährliche Nierenerkrankungen die Folge sein. Patienten müssen dann bis zu dreimal pro Woche zur Dialyse in ein Krankenhaus fahren. Seit auch immer mehr junge Menschen an Nierenversagen leiden, wird die Heimdialyse beliebter. Diese bietet eine erschwingliche und sichere Methode, um Nierenleiden zu behandeln und die Behandlung mit dem Arbeits- und Familienleben zu vereinen.

Fazit

Eine Untersuchung von Bevölkerungstrends und neuen Essgewohnheiten offenbart eine Reihe spannender Chancen, von der Entwicklung wärmebeständiger Schokolade bis hin zur Erforschung neuer Behandlungsmethoden für Wohlstandskrankheiten wie Diabetes und Übergewicht.

Fidelity beobachtet diese Trends genau und bietet so einen Ausblick auf die Welt von morgen sowie wertvolle Perspektiven bei der Suche nach attraktiven Anlagechancen.

 

1 Barry Callebaut, Januar 2018
2 Euromonitor, Oktober 2017
3 Statista, 2017
4 Financial Times, Dezember 2015
5 Reuters, Februar 2018
6 International Diabetes Federation, Diabetes Atlas, 2017, Bernstein Analysis

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