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Oktober 2022 – US-Dollar übt Druck aus

Andreas Telschow

Andreas Telschow - Vertrieb Privatkunden

In Kürze:

  • Die britische Wirtschaft ist ungeahnten Turbulenzen ausgesetzt und auch die Eurozone wird eine Rezession kaum noch umschiffen können.
  • Im Vergleich der Aktienregionen bieten die USA derzeit den sichersten Hafen.
  • Die Stärke des US-Dollar setzt die Notenbanken der anderen Volkswirtschaften immer mehr unter Druck.

Das vierte Quartal wird an dem Märkten ungemütlich.

Die Einschätzung unseres Experten aus der Privatkundenbetreuung Andreas Telschow zu diesem Thema können Sie hier sehen.

(Dauer: 6:51 Minuten)

Die Marktturbulenzen in Großbritannien haben sich zuletzt immer weiter zugespitzt. Anlass ist ein im September unter der neuen Premierministerin Liz Truss beschlossener Nachtragshaushalt, der unter anderem deutliche Steuersenkungen umfasste. Der Haken daran: Das Paket, das Bürger entlasten soll, fußte im Wesentlichen auf hoher zusätzlicher Verschuldung – und das sorgte für Nervosität an den Märkten. Das britische Pfund ging auf Talfahrt, erreichte Ende September ein Rekordtief, während die Zinsen für britische Staatsanleihen (Gilts) stark anstiegen. Die Notenbank musste eingreifen, kaufte Gilts auf, um die Nachfrage zu stützen und einen Kollaps zu verhindern. Um einen weiteren Einbruch des Pfund zu verhindern, muss die Bank of England zudem aller Voraussicht nach ihren Leitzins deutlich über den der US-Notenbank anheben.

Die Wirtschaft Großbritanniens steht währenddessen aufgrund des Energiepreisschocks, der Inflation und des damit einhergehenden Drucks auf die Realeinkommen ohnehin stark unter Druck. Auch in der Eurozone gibt es gerade wenig Grund für Optimismus, vor allem angesichts der Energiekrise. Wie lassen sich notwendige Entlastungspakete in dieser Gemengelage finanzieren? Dieser Frage müssen sich alle Regierungen stellen. Schließlich hatten die staatlichen Mehrausgaben während der Corona-Pandemie zuletzt die Inflation mit befeuert. Nun sinkt die Nachfrage einiger Notenbanken nach Staatsanleihen wieder.

Die Rezession in Europa rückt näher

Die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl die EU-Staaten als auch das Vereinigte Königreich in die Rezession rutschen, liegt unseren Experten zufolge mittlerweile bei nahezu 100 Prozent. Was bedeutet das für den Zinszyklus? Die Analysten von Fidelity gehen davon aus, dass neben der Bank of England auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik früher lockern wird als es die meisten Marktteilnehmer erwarten. Die Finanzmärkte rechnen etwa im Vereinigten Königreich mit Leitzinserhöhungen bis auf 6 Prozent. Angesichts der schlechten Wachstumsaussichten erscheint ein langer Zinserhöhungszyklus durch die EZB unwahrscheinlich. 

US-Fed setzt Zinserhöhungen fort

Im vierten Quartal dieses turbulenten Jahres ist mit starken Kursschwankungen zu rechnen. Denn alle großen Volkswirtschaften sind mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Jenseits des Atlantiks hält man geldpolitisch weiter am radikalen Vorgehen fest: Die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins zuletzt erneut um 75 Punkte angehoben und signalisiert ungebrochene Entschlossenheit, wenn es darum geht, die Inflation einzudämmen. Neuere Prognosen weisen inzwischen auf ein verlangsamtes Wachstum bei gleichzeitig noch höherer Inflation, steigender Arbeitslosigkeit und höheren Zinsen hin. Unsere Prognose: Es wird zu einer harten Landung der US-Konjunktur kommen – allerdings erst im neuen Jahr. 

Aktien: USA vergleichsweise stabil

Die Gewinne der Unternehmen im S&P-500-Index hatten im zweiten Quartal in drei von vier Fällen sogar über den Erwartungen gelegen. Mit Blick auf das dritte Quartal spiegeln sich die rückläufigen Erwartungen von US-Unternehmen nun vermehrt in negativen Gewinnkorrekturen wider. Einzige Positivausnahme ist die Energiebranche. Auch in Europa wurden die Gewinne der Unternehmen abgesehen vom Energiesektor seit Beginn des dritten Quartals breit nach unten korrigiert. Trotz der restriktiven Geldpolitik und der anhaltenden Inflation bevorzugen unsere Analysten im Vergleich der Aktienregionen kurzfristig die USA. Europa bleibt untergewichtet. Der Grund: Die US-Wirtschaftsdaten erweisen sich als deutlich widerstandsfähiger. Die Aktienmärkte des Vereinigten Königreichs, Japans und des asiatisch-pazifischen Raums bleiben vorerst neutral gewichtet. 

Gleiches gilt für die Schwellenländer. China ist nach wie vor geschwächt durch die Null-Covid-Strategie. Die Wachstumsaussichten für die Volksrepublik bleiben trüb, das Verbrauchervertrauen ist erschüttert. Demnächst könnte sich der Kurs ändern, denn der 20. Parteitag der Kommunistischen Partei steht bevor. Hier werden womöglich die Weichen für eine entschlossenere Politik ab dem Jahr 2023 gestellt. Ein positiveres Bild bietet sich in Lateinamerika und in einigen ASEAN-Ländern, wo sich Konjunktur- und Ertragsaussichten verbessern. Der Wermutstropfen ist aber auch hier der starke US-Dollar, der verschuldete Schwellenländer besonders hart trifft.

Fazit

Der Ausblick auf die Gesamtwirtschaft verdüstert sich weiter – was sich noch nicht in den Prognosen für die Unternehmensgewinne und den Bewertungen an den Finanzmärkten widerspiegelt. Bei Risikoanlagen ist daher weiter Vorsicht angeraten. Besonders in der Eurozone und in Großbritannien ist mit weiteren Turbulenzen zu rechnen. China tritt indessen auf der Stelle.

Risikohinweise: Die Vermögensanlage in Kapitalmärkte ist mit Risiken verbunden. Der Wert Ihrer Vermögensanlage kann fallen oder steigen. Es kann zum Verlust des eingesetzten Vermögens kommen. Bitte beachten Sie hierzu die Risikohinweise auf unserer Website unter https://www.fidelity.de/rechtliche-hinweise. Herausgeber: FIL Fondsbank GmbH, Kastanienhöhe 1, 61476 Kronberg im Taunus, Tel. 069/77060-220.

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