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Warum die Notenbanken einen Neustart planen – Ausblick auf das dritte Quartal 2022

Andrew McCaffery

Andrew McCaffery - Global CIO, Asset Management

Die Inflation hat sich beschleunigt. Die Zentralbanken stehen vor der Herausforderung, die Lage zu entschärfen, ohne das Wirtschaftswachstum abzuwürgen. Die Rezessionsgefahr steigt und wird uns das dritte Quartal über begleiten.

Das Wichtigste in Kürze:

 

  • Drei zentrale Themen werden das Quartal dominieren: die wachsende Rezessionsgefahr, Chinas wirtschaftliche Erholung und der Inflationsdruck auf die Verbraucher.   
  • Unsere Experten halten es für immer wahrscheinlicher, dass die Geldpolitik der Zentralbanken die Rezessionsgefahr erhöht. 
  • Solange die Maßnahmen der Zentralbanken keine Wirkung zeigen, haben an den Kapitalmärkten defensive Strategien und Kapitalerhalt oberste Priorität.

Der Krieg in der Ukraine dauert an, ein Ende ist nicht abzusehen. Während die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland bisher wenig Wirkung zeigen, macht sich in Europa und den USA Krisenstimmung breit. Denn die Inflationsraten markieren weiterhin Höchststände. Im dritten Quartal wird es darum gehen, die Inflationsdynamik in den Griff zu bekommen, während das Damoklesschwert der Rezession über den Märkten schwebt. 

Unser Ausblick für das dritte Quartal stellt drei Schlüsselthemen in den Fokus.

1. Harte Landung oder Bruchlandung

Noch im März schien es möglich, dass der Wirtschaft durch ein frühes und umsichtiges Handeln der Zentralbanken eine harte Landung erspart bleibt. Da die Inflation nach einer ersten Leitzinsanhebung ungebrochen weiter stieg, stellt sich nun allerdings nur noch die Frage, wie hart die Landung letztendlich ausfallen wird.

Denn die US-Notenbank lässt ihrer entschlossenen Rhetorik nun ein entschlossenes Handeln folgen. Auf die Zinserhöhung um 75 Basispunkte im Juni könnte durchaus eine weitere Erhöhung um 75 Basispunkte im Juli folgen. Die Europäische Zentralbank und die Bank of England werden wohl etwas vorsichtiger vorgehen, da ihre Volkswirtschaften den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs stärker ausgesetzt sind und das Rezessionsrisiko höher ist. Unsere Experten haben die Wahrscheinlichkeit des Hard-Landing-Szenarios, bei dem die Zinserhöhungen der Zentralbanken eine Rezession nach sich ziehen, von 35 Prozent auf 60 Prozent nach oben korrigiert.

Grafik 1: Nach Plan der EZB werden die Zinsraten den Negativbereich im Laufe des Jahres verlassen.

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Anmerkung: Implizite Rate vom 21. Juni

 

Quelle: Fidelity International, Haver Analytics, Bloomberg, Juni 2022.
 

2. China öffnet sich wieder

Chinas rigorose Zero-Covid-Politik brachte die Wirtschaft des Landes im April und Mai kurzzeitig zum Erliegen. Millionenstädte wie Peking und Shanghai waren wochenlang abgeriegelt. Nun beendet das Land die harten Lockdowns, und die Wirtschaft erholt sich langsam wieder. Doch viele Indikatoren zeigen, dass weiterhin Vorsicht geboten ist. So liegt der Verkauf von Immobilien weit unter dem früheren Niveau, während die Arbeitslosigkeit, besonders bei jungen Erwachsenen, sprunghaft ansteigt. Eine schlechte Ausgangslage für ein Land, das sich erst kürzlich soziale Stabilität als politische Maxime auf die Fahnen geschrieben hat.

Die chinesische Regierung unterstützt die heimische Wirtschaft massiv durch ihre Fiskal- und Geldpolitik. Es bleibt nun abzuwarten, ob das ausreicht, um eine mögliche Rezession in den USA und Europa auszugleichen.

Grafik 2: Die Arbeitslosenquote im städtischen Raum in China erhöht sich vor allem bei jungen Leuten 

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Quelle: Fidelity International, GS, Juni 2022.
 

3. Bewährungsprobe für Verbraucher

Viele Verbraucher bekommen den Druck der Inflation täglich zu spüren. Die Lebensmittelpreise steigen, Kaufkraft und Reallöhne sinken. Die Unzufriedenheit spiegelt sich in rekordverdächtig niedrigen Indikatoren für das Verbrauchervertrauen wider. Dass die Einzelhandelsumsätze in den USA weiterhin stabil sind, liegt allein am Helikoptergeld, das die Regierung während der Pandemie an die Bevölkerung ausgezahlt hat. Doch auch dort kippt die Stimmung angesichts steigender Hypothekenzinsen und Lebenshaltungskosten, während bezahlbarer Wohnraum knapper wird.

Wie die globalen Verbraucher auf steigende Kosten und das neue Zinsniveau reagieren, wird ebenso maßgeblich entscheiden, ob der Wirtschaft eine harte Landung oder sogar eine Bruchlandung droht.  

Grafik 3: In den USA wird bezahlbarer Wohnraum immer unerschwinglicher
 

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Quelle: Fidelity International, GS, Juni 2022.
 

Makroökonomischer Ausblick

Unsere Experten erwarten den Beginn eines „Great Reset“, also eines geldpolitischen Neustarts, im dritten Quartal. Der Vorstoß der finanzpolitischen Falken in der Fed wird andere Zentralbanken animieren, ihre Geldpolitik ebenfalls zu straffen und den Fokus auf eine Inflationsbekämpfung ohne Kompromisse lenken. Die Abwärtsrisiken für das globale Wachstum nehmen damit exponentiell zu. Zusammen mit den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und der Energieknappheit entsteht ein gefährlicher Cocktail, der eine Rezession in Europa sehr wahrscheinlich macht, während die USA nur eine harte Landung erwartet.  

Ausblick für einzelne Anlageklassen

Aktien 

Die Volatilität am Aktienmarkt bleibt hoch, bis die Maßnahmen der Zentralbanken Wirkung zeigen. Deshalb setzt sich der Trend weg von Wachstumsaktien und hin zu stabileren Value-Titeln fort. Für Anleger ergeben sich ausgewählte Chancen bei Titeln, die zuvor überkauft waren. Die Bewertung chinesischer Aktien hat historische Tiefstände erreicht. Da sich eine wirtschaftliche Erholung des Landes abzeichnet, bietet der chinesische Aktienmarkt langfristig attraktive Einstiegsmöglichkeiten.

Anleihen

An den Anleihemärkten sind die Risiken einer harten Landung noch nicht vollständig eingepreist. Deshalb liegt unser Fokus im dritten Quartal auf Kapitalerhalt. Wenn die Zentralbanken die Straffung der Geldpolitik verschärfen, dürften sich die Risiko-Spreads von Anleihen ausweiten. Die größten Chancen sehen wir aktuell in US- und EU-Staatsanleihen. Aufgrund akuter Rezessionsgefahr bevorzugen wir Investmentgrade-Anleihen gegenüber Hochzinsanleihen.

Private Markets 

Die Probleme mit Transportwegen, leeren Lagern und unterbrochenen Lieferketten werden sich in den nächsten 12 bis 18 Monaten voll in den Unternehmenserträgen niederschlagen. Vor allem Anlagen am unteren Ende der Ratingskala (CCC) geraten unter Druck. Fidelity arbeitet mit den Unternehmen zusammen, um Ertragsrisiken und Kosten einschätzen zu können und gemeinsam Absicherungsstrategien zu entwickeln.
 
Immobilien 

Meist gibt es eine lange Verzögerung zwischen Zinsänderungen und Immobilienwerten. Angesichts der Inflation herrscht noch immer große Unsicherheit am Immobilienmarkt. Die anstehenden Handelsaktivitäten deuten auf ein Quartal hin, in dem die Investitionen so niedrig ausfallen könnten wie zuletzt während der tiefsten Lockdown-Phase. Vorübergehenden Inflationsschutz bieten zumindest inflationsgebundene Mietverträge. Die Nachfrage nach Büros und Industrieflächen ist hingegen ungebrochen hoch. Leerstandsquoten bleiben auf minimalem Niveau, was die Mieten stützt, selbst wenn die Nachfrage nachlassen sollte.
 

Fazit

Das dritte Quartal 2022 könnte erheblichen Einfluss auf die zukünftige Entwicklung der Märkte und Volkswirtschaften haben. Die dynamische Marktlage erfordert vorausschauendes Risikomanagement. Es kommt darauf an, die mittelfristigen Auswirkungen des „geldpolitischen Neustarts“ richtig zu erfassen und das Portfolio entsprechend auszurichten. Gleichzeitig ergeben sich in dieser unsicheren Gemengelage auch vereinzelte Chancen in Sektoren, deren Titel zuvor überteuert waren oder deren Potenzial übersehen wurde.

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Stand, soweit nicht anders angegeben: Juli 2022. MK14285