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Ausblick auf das 4. Quartal 2022 – Aufbruch ins Ungewisse

Andrew McCaffery

Andrew McCaffery - Global CIO, Asset Management

In Europa und den USA ist eine Rezession kaum noch abzuwenden. Bis die Inflation im Griff ist, treiben die Notenbanken ihren Straffungskurs konsequent voran. In Asien weht ein anderer Wind. Das eröffnet Diversifikationschancen.

In Kürze:
 

  • Die Notenbanken werden im vierten Quartal an ihrem harten Straffungskurs festhalten. Die drohende Rezession würde das angeschlagene Europa eher treffen als die USA. 
  • Die Energiekrise im Winter wird zur innenpolitischen Belastungsprobe. Es liegt an den nationalen Regierungen, Maßnahmen zu finden, um Unternehmen und Haushalte zu entlasten.
  • Chinas Parteitag könnte einen politischen Paradigmenwechsel ankündigen. Das kann neue Chancen für Anleger eröffnen.

Der Winter steht vor der Tür, und er könnte äußerst ungemütlich werden. Denn mit der kalten Jahreszeit kommt eine Energiekrise, die weite Teile der Welt in Atem hält. Gleichzeitig verschärfen sich die Bedingungen an den Finanzmärkten infolge der raschen Zinserhöhungen, die die Inflation bändigen sollen. Damit steigt in Europa die Gefahr einer Rezession, die wenig später auch in den USA droht. Einzig die Region Asien gibt Anlass für Optimismus.  

Im Ausblick für das vierte Quartal haben unsere Experten folgende Schlüsselthemen identifiziert.

1. Rezession in Sichtweite

Die Hoffnung, dass die US-Notenbank wieder von ihrem straffen Kurs abrückt, hat sich zerschlagen. In zwei aufeinanderfolgenden Sitzungen hoben die Währungshüter den Leitzins um je 75 Basispunkte an und stellten zuletzt weitere Zinsschritte in Aussicht. Auf dem Jackson Hole Economic Symposium im August erklärte Fed-Chef Jerome Powell klar, dass die Bekämpfung der Inflation höchste Priorität hat. Man ist bereit, dafür auch den Preis eines Konjunktur- und Nachfrageeinbruchs zu zahlen.

Aktuelle Konjunkturdaten belegen derweil: Die US-amerikanische Wirtschaft erweist sich als weitaus robuster als erwartet. So blieb der Arbeitsmarkt bislang stabil und die Inflation verharrte trotz aller Bemühungen auf hohem Niveau – zwei Anzeichen für eine fortgesetzte wirtschaftliche Aktivität. Auch unsere Indikatoren für die künftige Konjunkturentwicklung verbesserten sich im August, während die Dollarstärke ungebremst zulegte. Aus diesem Grund haben unsere Experten ihre Rezessionserwartungen für die USA angepasst und sehen die harte Landung erst Mitte 2023 kommen.

Der straffe Kurs der US-Notenbank wird sich bis 2024 fortsetzen

In Europa sieht die Lage etwas anders aus. Dort erscheint die Rezession bereits in Sichtweite. Denn im Gegensatz zu den USA sieht sich die Region mit einer Energiekrise konfrontiert, die das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum um vier bis fünf Prozent schrumpfen lassen könnte. Hohe Preise und sinkende Gasspeicherreserven stellen die Industrie vor große Herausforderungen und dürften sich auch auf den Verbraucherkonsum auswirken. 

Mit einer Anhebung um 75 Basispunkte wagte die Europäische Zentralbank im September einen mächtigen Zinsschritt. Das Zeitfenster für weitere Straffungen schließt sich, je mehr sich die Wirtschaftslage verschlechtert.

2. Auf Geldpolitik folgt Fiskalpolitik

Europa steht vor einem harten Winter. Wie stark die Wirtschaft betroffener Länder unter Druck gerät, das liegt in den Händen der Regierungen der einzelnen europäischen Staaten, die mit großen innenpolitischen Herausforderungen konfrontiert sind. Die Politik wird angesichts stark gestiegener Gaspreise alles daransetzen, Haushalte und Unternehmen zu entlasten und fiskalische Unterstützung leisten. Rasche Maßnahmen im Umfeld hoher Inflation und hoher Zinssätze bergen allerdings Risiken, wie zuletzt in Großbritannien deutlich wurde. Dort kündigte Premierministerin Liz Truss im Rahmen ihres „Mini-Budget“-Hilfspakets auch Steuererleichterungen an. Die Folge: Das britische Pfund stürzte auf den niedrigsten Stand seit 37 Jahren, während die Renditen britischer Staatsanleihen nach oben schossen. 

Wenn die Regierungen jedoch auf die richtigen Instrumente setzen und fiskalische Unterstützung klug und gezielt einsetzen, bleibt Platz für etwas Optimismus. Aufgrund des Lockdowns verfügen viele Haushalte noch über einige Ersparnisse, die sie notfalls durch den Winter bringen. Und obwohl das Vertrauen in die Wirtschaft einen Tiefpunkt markiert, bewegen sich die Einzelhandelsumsätze aktuell auf stabilem Niveau. Auch die Zahl der Arbeitslosen hat sich trotz unsicherer Zukunftsaussichten bisher nicht erhöht. Da sich das Rezessionsszenario kaum noch abwenden lässt, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Lage eintrübt. 

Ohne politische Intervention würde der Kostenanteil für Energie in einem durchschnittlichen Haushalt von fünf Prozent auf 19 Prozent ansteigen

3. Lichtblicke in Asien

Im Vergleich zu Europa und den USA ist der Inflationsdruck in Asien geringer, so dass sich die Zentralbanken hier weiterhin eine akkommodierende Geldpolitik leisten können, wie zuletzt etwa Zinssenkungen der People's Bank of China Ende August bewiesen. Wir erwarten, dass die chinesische Geldpolitik sogar noch weiter gelockert wird, um die Erholung von Nullzinspolitik, wiederholten Lockdowns und Belastungen durch die Immobilienreform zu unterstützen. Aufgrund staatlicher Konjunkturmaßnahmen sind wir trotz verbleibender Risiken zuversichtlich, dass sich die Aussichten für die Volksrepublik zu Beginn des vierten Quartals verbessern und die Unternehmensgewinne steigen. 

Einen Wendepunkt könnte zudem der 20. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas im Oktober markieren. Obwohl nicht davon auszugehen ist, dass Präsident Xi Jinping seinen Führungsanspruch für eine dritte Amtszeit abtritt, werden zentrale Posten womöglich neu besetzt. Personelle Wechsel können wichtige Anhaltspunkte für den künftigen Kurs der Wirtschaftspolitik liefern und zum Katalysator einer progressiveren Wachstumspolitik werden. Jedes positive Signal in diesen Bereichen dürfte die allgemeine Stimmung rasch aufhellen.

Auch Entwicklungen in anderen Ländern Asiens stimmen positiv. Südostasiatische Rohstoffproduzenten wie Indonesien und Malaysia springen ein, um kriegsbedingte Knappheiten zu kompensieren. Exporteure der gesamten ASEAN-Region profitieren zudem von der Stärke des US-Dollars. Der japanische Yen ist aktuell so schwach wie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht, was den exportierenden Unternehmen des Landes zugutekommt. Weitere Chancen eröffnen sich im Bereich asiatischer Technologie, ein Sektor, der bisher unterbewertet war. Die Länder der ASEAN-Region gehören zu den weltweiten Wachstumschampions, was unsere optimistische Sicht auf asiatische Märkte gegen Jahresende weiter untermauert.

Chinas Geldpolitik wirkt unterstützend, doch die Kredit-Ausweitung wird noch durch die Zero-Covid-Politik gebremst 

Ausblick für einzelne Anlageklassen

Aktien

Die Volatilität am Aktienmarkt bleibt auch im vierten Quartal hoch. Vor allem Value-Titel haben sich in fallenden Märkten als resilient erwiesen. Während einige Teile der Wirtschaft heiß laufen, bröckeln andere. Um Chancen wahrzunehmen, ist sorgfältige Titelselektion nötig. Investoren sind bereit, Aufschläge für Investitionen in den USA zu zahlen, so dass die Kluft zwischen der Bewertung US-amerikanischer Titel und anderer Industrieländer groß bleibt. Auf längere Sicht sehen wir weiterhin großes Potenzial am chinesischen Aktienmarkt. 

Anleihen

An Anleihemärkten ist defensives Verhalten gefragt. Wir bevorzugen Investmentgrade-Anleihen, da die Bewertungen vor allem in Europa relativ attraktiv sind. An der Schwelle zur Rezession dürften die Notenbanken Fed und EZB ihre falkenhafte Haltung für das nächste Jahr etwas runterschrauben, sodass US-Staatsanleihen Aufwind erhalten könnten. Wir halten die aktuelle Lage nicht für geeignet, um auf Hochzinsanleihen zu setzen, da das Rezessionsszenario in den Risiko-Spreads nicht vollständig eingepreist ist. 

Private Markets

Obwohl wir uns im Abschwung befinden, bleiben die Bonitätskennzahlen in diesem Segment vorerst stabil, Kredite am unteren Ende der Ratingskala (CCC) sind in moderatem Ausmaß vertreten. Im Vergleich zu anderen Risiko-Assets ist die Volatilität an den privaten Kreditmärkten geringer, da dort variabel verzinst wird und Privatkredite in der Kapitalstruktur Vorrang haben. Private-Equity-Sponsoren sollten nach qualitativ hochwertigen Investmentmöglichkeiten in defensiven Sektoren Ausschau halten und auf solide Bilanzen achten.

Immobilien

Mit dem vierten Quartal dürfte die Investitionsflaute am Immobilienmarkt enden. Immobilienwerte reagieren stets verzögert auf Zinsänderungen. Die steigende Handelsaktivitäten werden ein klareres Bild der aktuellen Bewertungen zeichnen. Wir konnten bereits eine Preisänderung von 40 bis 50 Basispunkten auf Marktlevel beobachten und erwarten eine ähnliche Veränderung zum Quartalsende. Mit Blick auf die Energiekrise steigt die Nachfrage nach Büroflächen mit Fokus auf Nachhaltigkeit. Gleiches gilt für Industrieflächen, obwohl E-Commerce-Unternehmen zuvor einen Nachfragerückgang signalisierten.

Fazit

Unser Ausblick auf die letzten drei Monate des Jahres 2022 ist von vielen Ungewissheiten geprägt. Für die Finanzmärkte der Industrieländer bleiben nach wie vor das Tempo, der Verlauf und die Folgen der Zinswende das zentrale Thema. Auch im vierten Quartal sollten sich Anleger auf ein volatiles Marktumfeld einstellen und sich eher defensiv positionieren. Europa und auch die USA werden früher oder später in eine Rezession abgleiten. Positive Signale aus Asien machen die ASEAN-Region als Diversifikationsoption interessant.

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Stand, soweit nicht anders angegeben: Oktober 2022. MK14594