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Sondermarktbericht – Staatsanleihen in der Zinsfalle

Tappe & Telschow

Tappe & Telschow - Marktbericht

Seit März 2016 verharrt der Leitzins der Europäischen Zentralbank bei 0,0 Prozent. Das macht Staatsanleihen schon lang zum unrentablen Investment. Nun droht weiteres Ungemach. Welche Alternativen haben Anleger?

Es ist jedes Jahr dasselbe Drama. Kurz vor Thanksgiving, dem Erntedankfest in den USA, schlachten Farmer für den traditionellen Festtagsbraten Millionen Truthähne. Noch kurz zuvor, so beschreibt es der Mathematiker Nassim Nicholas Taleb in einem seiner Bücher, sind die Truthähne überzeugt davon, dass der Bauer es besonders gut mit ihnen meint. Schließlich werden sie das ganz Jahr über gehegt und gefüttert. Um ausgerechnet in einem Moment, in dem sie sich besonders vital und unverletzlich fühlen, mit Sicherheit im Ofen zu enden.

Taleb nutzt den Truthahn als Metapher für eine Beobachtung, die sich in der Finanzwelt häufig machen lässt: Das Unheil erwischt uns oft, wenn wir längst nicht mehr daran glauben. Und genau dies spielt sich gerade in einem Anlagesegment ab, das die meisten Menschen wohl für ganz besonders sicher halten: den Staatsanleihen.

Staatsanleihe-Käufer bekommen keine Zinsen mehr

Der Reihe nach: Seit über fünf Jahren steht der Leitzinssatz der Europäischen Zentralbank (EZB) bei Nullkommanull. Es ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken von der Notenbank Geld leihen können. Zugleich hat dieser Leitzins Auswirkungen auf die Zinsen, die Staaten an ihre Gläubiger zahlen müssen, von denen sie sich Geld in Form von Staatsanleihen borgen. Anders gesagt: Im historischen Dauertiefststand müssen Staaten, die als sichere Schuldner gelten, für Anleihen nichts mehr bezahlen. Anleger, die in nahezu risikolose Staatsanleihen investieren, bekommen also keine Zinsen mehr.

Trotzdem hat sich in den vergangenen Jahren die Geldanlage in Staatsanleihen durchaus rentiert. Denn so wie der Truthahn beim Farmer bis kurz vor seinem Tod stets gut im Futter steht, haben Notenbanken und Staaten in den vergangenen Jahren auch den Anleihemarkt gehegt und gepflegt. Erstens haben die EZB – übrigens genau wie auch die US-amerikanische Fed – selbst Staatsanleihen aufgekauft, und so das Angebot verknappt. Zweitens sorgen die Regierungen mit Gesetzen dafür, dass die Nachfrage nach Staatsanleihen bei Versicherungen, Pensionsfonds, Banken und anderen institutionellen Investoren hoch bleibt, egal wie gering die Zinsen ausfallen. Denn Staatsanleihen genießen höchste Bonität. Wer Staaten Geld leiht, muss daher nicht sicherheitshalber eigenes Kapital zur Seite legen, um sich gegen mögliche Ausfälle zu wappnen.

Kursgewinne waren möglich – bis jetzt

Unterm Strich ist daher die Nachfrage nach Staatsanleihen in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen – und wie es so geht an Märkten, steigt mit der Nachfrage der Preis. Staatsanleihen waren daher in den vergangenen Jahren immer wieder Kursgewinner. Und damit trotz Nullzins renditeträchtige Anlagen. Das zeigt sich auch in der Performance defensiver Anlagestrategen, die in den vergangenen Jahren auch mit hohen Anteilen an Staatsanleihen durchaus ansehnliche Gewinne erwirtschaften konnten.

Nun aber droht der Anlageklasse Ungemach – es könnte mit ihnen sogar enden wie bei den Truthähnen. Und dafür gibt es gleich mehrere Gründe:

  1. Staatsanleihe-Käufe der Zentralbanken sind keine dauerhafte Erscheinung. Nach und nach werden sie sich daraus zurückziehen. Damit fällt nicht nur die künstliche Nachfrage aus. Beim Verkauf der Titel kommen auch zusätzliche Anleihen auf den Markt, das Angebot erhöht sich also. Und damit sinken die Kurse.
  2. Die Inflation zieht an. Liegen aber die Zinsen deutlich unterhalb der Inflation, dann verlieren Sparer real Geld, selbst wenn sie auf dem Papier ein kleines Plus erwirtschaften. Die allgemeine Geldentwertung frisst einen Teil der Gewinne auf. Es braucht also höhere Renditen – und damit verschiebt sich die Nachfrage hin zu risikoreicheren Anlageformen, die ein solches Versprechen eher einlösen können.
  3. Die Staatsverschuldung ist weltweit stark gestiegen. Damit steigt das Risiko, dass einzelne Staaten ihre Staatsanleihen nicht mehr bedienen, ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können. So gelten beispielsweise griechische, irische oder auch italienische Staatsanleihen längst nicht mehr als ausfallsicher. Auch wenn bisher kein Anleihegläubiger einen Cent abschreiben musste, drohen Schuldenschnitte.
  4. Die Zinsen steigen. In den vergangenen Monaten ist allmählich klar geworden, dass sich die Zeiten des Nullzinses dem Ende neigen. Das hat unter anderem mit der wirtschaftlichen Entwicklung zu tun. Die Konjunktur erholt sich gerade weltweit vom Schock der Pandemie, und da im Gleichschritt auch die Inflation ansteigt, haben die Notenbanken bereits angedeutet, dass sie mit steigenden Zinsen auf die Bremse treten wollen. So hat die US-Notenbank Fed kürzlich angedeutet, dass sie den Leitzins möglicherweise im Jahr 2023 anziehen wird – ein Jahr früher als zuvor geplant. Kapitalmarkt-Teilnehmer haben feine Antennen für solche Äußerungen. Und so haben etwa die Kreditzinsen bereits angezogen, wie etwa Immobilienkäufer in den vergangenen Wochen bei den Baudarlehen beobachten konnten.

Fazit

Die Zinswende hat begonnen. Anleger, die bislang auf Staatsanleihen gesetzt haben, tun gut daran, darauf zu reagieren – und ihre Anlagestrategie zu überdenken. Es ist Zeit, höherverzinsliche Papiere oder alternative Anlageklassen in den Blick zu nehmen, um nicht zusätzlich zum Nullzins auch noch Kursverluste und sogar Anleihe-Ausfälle zu riskieren.

Die gute Nachricht: Ein Umfeld steigender Zinsen und anziehender Inflation eröffnet auch Chancen, denn es geht in der Regel einher mit wirtschaftlichem Wachstum. Wer sein Risiko maßvoll zugunsten des Vermögensaufbaus erhöht, kann von der Zinswende sogar profitieren. Dazu muss niemand seine defensive Anlagestrategie komplett über den Haufen werfen – es geht nur darum, in einer Sondersituation am Staatsanleihemarkt zu handeln, um Renditen abzusichern, statt wie der Truthahn zu enden.

Diese Ereignisse beeinflussen auch die defensive Strategien 1 und 2 von Fidelity Wealth Expert. Wieso ist das so? Und welche Möglichkeiten haben Sie als FWE-Anleger jetzt? Diese Fragen beantworten Ihnen Oliver Dreiskämper, Produktmanager von Fidelity Wealth Expert, und Andreas Telschow, Vertrieb Privatkunden, in diesem kurzen Video:

Risikohinweise: Die Vermögensanlage in Kapitalmärkte ist mit Risiken verbunden. Der Wert Ihrer Vermögensanlage kann fallen oder steigen. Es kann zum Verlust des eingesetzten Vermögens kommen. Bitte beachten Sie hierzu die Risikohinweise auf unserer Website unter https://www.fidelity.de/rechtliche-hinweise. Herausgeber: FIL Fondsbank GmbH, Kastanienhöhe 1, 61476 Kronberg im Taunus, Tel. 069/77060-220

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