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Mai 2022 – USA widerstandsfähiger als Europa

Tappe & Telschow

Tappe & Telschow - Marktbericht

Die Gefahr einer weltweiten Stagflation wächst. Nun kommt es darauf an, wie Regierungen und Notenbanken reagieren. Die Fed zeigt sich restriktiv, die EZB agiert deutlich zögerlicher. Dank der größeren Resilienz sind US-Aktien attraktiver.

In Kürze:
 

  • Die großen Zentralbanken positionieren sich zunehmend restriktiv, allen voran die Fed.
  • Angesichts der Stagflationsgefahr weltweit sollten Anleger keine hohen Risiken eingehen.
  • Die Aktienregion Japan verliert an Attraktivität, in den USA sind die Perspektiven aussichtsreicher.

Anleger meiden Risiken und bleiben defensiv

Die Einschätzung unserer Experten aus der Privatkundenbetreuung Andreas Telschow und Maurice Tappe zu diesem Thema können Sie hier sehen.
(Dauer: 08:34 Minuten)

Der Krieg wütet weiter – und die Inflation nimmt an Fahrt auf. Unsere Experten sehen ein hohes Risiko einer Stagflation für die Weltwirtschaft. Infolgedessen stehen die großen Notenbanken unter massivem Handlungsdruck. In den USA beobachten wir in den vergangenen Wochen verstärkt eine Rückkehr des „Volckerismus“: Das Verhalten der Fed erinnert an deren ehemaligen Vorsitzenden Paul Volcker, dem es gelang, zu Beginn der 1980er Jahre die Inflation nach radikalen Zinserhöhungen einzudämmen. Nach Ansicht unserer Analysten treibt die US-Währungshüter vor allem die Sorge einer Lohn-Preis-Spirale um. Das macht eine Zinserhöhung im Mai um 50 Basispunkte wahrscheinlich, möglicherweise sogar um 75 Basispunkte. Weitere Zinsschritte werden im Jahresverlauf folgen. Sollte es zu einer „harten Landung“ der Konjunktur kommen, kämen zu einer niedrigeren Inflation ein stark gebremstes Wachstum oder sogar eine Rezession. Unsere Analysten halten es aber für etwas wahrscheinlicher, dass den USA mithilfe der vorgezogenen Zinsschritte im Jahresverlauf eine „weiche Landung“ gelingt.

Auch die Europäische Zentralbank bekennt sich zu ihrem Mandat, für Preisstabilität zu sorgen. Sie könnte bereits ab Juli die Zinsen anheben – auch, um sich nicht zu weit von der aggressiveren Zinspolitik der Fed zu entfernen, was den Euro schwächen würde. Im weiteren Jahresverlauf erwarten unsere Analysten aber einen Schwenk der EZB zurück zu einer lockeren Geldpolitik, sollte die EU-Wirtschaft in eine zumindest leichte Rezession stürzen. Denn von einer solchen gehen wir nach wie vor aus.

Wie massiv die europäischen Volkswirtschaften vom Krieg in der Ukraine in Mitleidenschaft gezogen werden, hängt nun wesentlich vom Verhalten der Politik ab. Erste EU-Regierungen schnüren Unterstützungspakete: Frankreich beispielsweise deckelt die Energiekosten, um die Verbraucher zu entlasten. Weitere Maßnahmen von EU-Ländern werden voraussichtlich folgen. Generell sollten Anleger die politischen Entwicklungen in den kommenden Wochen und Monaten genau im Blick behalten. Kurz nach dem EU-weiten Aufatmen nach dem Wahlsieg Emmanuel Macrons in Frankreich stehen bei unseren Nachbarn die Parlamentswahlen an. Gehen diese zu Ungunsten von Macrons Partei aus, könnte in der Regierung des Landes eine Entscheidungsblockade entstehen.

USA im Vergleich der Aktienregionen vorn

Die Lage in Europa ist und bleibt also verzwickt – und das wirkt sich auch auf die Börse aus. Zwar bescheinigen unsere Analysen der Dienstleistungsbranche und dem Industriesektor Europas eine gute Widerstandskraft. Doch der Arbeitsmarkt ist angespannt, in den kommenden Monaten dürfte sich ein Aufwärtsdruck bei den Löhnen aufbauen. Gleichzeitig ist die Verbraucherstimmung schlecht. Hinzu kommen die hohen Rohstoffkosten und die erhöhte Rezessionsgefahr. Unsere Analysten belassen die Aktienregion Europa daher untergewichtet. Im grünen Bereich sehen sie derweil den US-Aktienmarkt, hier geht die Bewertung nun weg von einer neutralen Haltung hin zum Aufstocken. Das liegt daran, dass die USA von Preisschocks bei Rohstoffen besser abgeschirmt sind als Europa. Die konsequentere Zinspolitik sehen unsere Experten hier bereits eingepreist. Hinzu kommen überzeugende Quartalszahlen heimischer Konzerne, welche die aktuell eher enttäuschenden Zahlen zum US-Bruttoinlandsprodukt in den Hintergrund treten lassen.

Wiedereröffnungen lassen aufatmen

Vergleichsweise attraktiver sind weiterhin die Aktienmärkte mancher Schwellenländer: Unsere Analysten setzen in ihrer Titelauswahl explizit auf Rohstoffexporteure aus Lateinamerika und auf südostasiatische Staaten, die von den aktuellen Wiedereröffnungen nach coronabedingten Restriktionen profitieren dürften. China bleibt mit seiner anhaltenden Null-Covid-Strategie ein Sonderfall. Die Regierung in Peking setzt offenbar stärker auf soziale Stabilität als darauf, das Wachstum anzukurbeln. Aus Sicht unserer Experten ist das für 2022 angestrebte Wirtschaftswachstum von 5,5 Prozent in weite Ferne gerückt. Sie gehen eher von einem Wert um die 4 Prozent aus, möglicherweise sogar weniger. Innerhalb der Sektoren verzeichneten chinesische Versorger und Industrieunternehmen die meisten Gewinnsteigerungen, während der Kommunikations- und der Verbrauchersektor schwächelte.

Die Aktienmärkte der Pazifikregion ohne Japan bleiben für Aktienanleger weiterhin attraktiv. Positive Quartalszahlen werden voraussichtlich von den Wiedereröffnungen in Australien und Singapur weiter gestützt. Japan-Enthusiasten sollten derweil auf die Bremse treten, unsere Analysten haben die Region nun nach mehreren Monaten erstmals wieder untergewichtet. Gründe sind schwache Wirtschaftsdaten und nach wie vor unterbrochene Lieferketten, die dem technologiebetonten Branchenmix des Landes schaden.

Anleihen: besser defensiv bleiben

Investmentgrade statt High Yield – das war schon im vergangenen Monat auf dem Anleihenmarkt die Devise. Unsere Analysten lassen weiterhin Vorsicht walten. Einen weiterhin günstigen Ausblick gibt es für auf Euro lautende Investment-Grade-Anleihen, dank ihrer defensiveren Eigenschaften und attraktiven Bewertungen. Die Fundamentaldaten verbessern sich weiter. Die Spreads globaler Hochzinsanleihen könnten sich hingegen noch weiter ausweiten. Wachstumssorgen und schwierigere Finanzierungsbedingungen belasten – unsere Experten bleiben bei ihrer Untergewichtung. 

Fazit

Der Druck auf Notenbanken und Politik wächst weiter. Die daraus abgeleiteten Maßnahmen sollten Anleger nun genau verfolgen. Bis weitere Details offenliegen, heißt es: vorsichtig bleiben und hohe Risiken in allen Assetklassen meiden. Aufgrund der entschlosseneren Zinspolitik und der höheren Unabhängigkeit bei Rohstoffen ist der Aktiemarkt USA nun deutlich attraktiver als Europa.

Kapitalmarkt-Blog mit Carsten Roemheld

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