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März 2022 – Krieg in Europa, wachsende wirtschaftliche Risiken

Tappe & Telschow

Tappe & Telschow - Marktbericht

Viele Anleger sind zuletzt bereits auf Sicht gefahren. Der Krieg in der Ukraine gebietet jetzt ein umso sorgfältigeres Risikomanagement. Denn die mittelfristigen wirtschaftlichen Konsequenzen sind derzeit kaum abschätzbar.

In Kürze:

  • Der Krieg in der Ukraine kann zu einem Energiepreisschock von ähnlichem Ausmaß wie in den 1970er Jahren führen.
  • Die Situation löst neue Inflationsimpulse aus und könnte vor allem in Europa das Wachstum verlangsamen, das Risiko für ein Stagflationsszenario wächst.
  • Die aktuelle Unsicherheit und Volatilität an den Märkten macht ein eher defensives Anlageverhalten ratsam.

Was bedeuten die Sanktionen gegen Russland für uns?

Die Einschätzung unserer Experten aus der Privatkundenbetreuung Andreas Telschow und Maurice Tappe zu diesem Thema können Sie hier sehen.
(Dauer: 11:02 Minuten)

Vor einem Monat haben wir an dieser Stelle über die Spannungen in Osteuropa geschrieben. Innerhalb weniger Tage ist die Situation nun eskaliert. In erster Linie ist der Krieg in Europa eine humanitäre Katastrophe. Aber auch die makroökonomischen Auswirkungen sind erheblich.

Ein behutsames Vorgehen in der Vermögensanlage war mit Blick auf die Pandemie und die geopolitischen Risiken schon seit Ende des vergangenen Jahres ratsam. Dabei bleibt es auch weiterhin: Laut der Fidelity-Analysten ist ein sorgfältiges Risikomanagement für Anleger das Gebot der Stunde. Denn wie sich die Situation in Osteuropa entwickelt, ist aktuell kaum absehbar. Das gilt auch für die weiteren Konsequenzen, insbesondere die weitere Verschärfung der westlichen Sanktionen gegenüber Russland und die Energieversorgung der bisher von russischen Energielieferungen abhängigen Staaten.

Angesichts der dramatischen Ereignisse ist es für Investoren deshalb ratsam, quer durch die Anlageklassen zurückhaltend zu agieren und keine hohen Risiken einzugehen. Es gilt, die Entwicklung der aktuellen Situation genau zu beobachten.

Energieschocks und mögliche Engpässe in der Agrarversorgung

Der Krieg in der Ukraine wirkt sich aus makroökonomischer Perspektive vor allem auf den Energiemarkt aus. Aufgrund Russlands dominierender Rolle als Produzent von Erdöl und Erdgas ist Europa sowohl für Preis- als auch für Versorgungsschocks sehr anfällig. Die Wirtschaftssanktionen, mit denen die westliche Welt Russland belegt hat, könnten zu einer Unterbrechung der Energielieferungen führen. Die in der Konsequenz weltweit steigenden Energiepreise würden weltweit Inflationsimpulse auslösen. Unsere Analysten vermuten, dass ein ähnlicher Ölpreisschock wie in den 1970er Jahren in diesem Fall wahrscheinlich wäre.

Russlands Rolle als größter Düngemittel-Exporteur und die Tatsache, dass die Ukraine und Russland zusammen ein Viertel der weltweiten Getreideexporte produzieren, sind ebenfalls von Bedeutung. Schon seit Mitte des vergangenen Jahres beklagen Verbraucher auch in Deutschland hohe Preise für Energie und Lebensmittel, nun droht eine erneute Verschärfung. Die künftigen Auswirkungen von Sanktionen, wie der Ausschluss Russlands aus dem Bankensystem SWIFT, könnten zudem das Wachstum der Eurozone mindern. Alles in allem erhöhen die geopolitischen Entwicklungen die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Stagflation, also der Kombination von hoher Inflation und Wachstumsschwäche, und erhöhen das Risiko einer Rezession in Europa. Für die großen Notenbanken bleibt die Situation entsprechend herausfordernd. Sie müssen die Inflation im Blick haben, ohne die Wirtschaft zu stark zu belasten.

Aussichten für die einzelnen Regionen

Die Aktienregion USA belassen unsere Analysten untergewichtet. Zwar fallen die Erträge der Unternehmen soweit erwartungsgemäß aus, wobei Substanzwerte zuletzt stärker profitiert haben als Wachstumswerte. Und auch in Sachen Corona scheint das Schlimmste überstanden zu sein. Doch die Inflation wird zunehmend zum Problem, worunter die Verbraucherstimmung leidet. Und dann ist da noch die anhaltende Knappheit bei Halbleitern: Mit der vollständigen Erholung der Lieferketten ist in diesem Jahr kaum zu rechnen.

Besser sieht es für die Aktienregion Japan aus. Die Bewertungen sind niedrig, das Wachstum zieht an und es herrscht im internationalen Vergleich nach wie vor am meisten Optimismus. Aufgrund wieder steigender Corona-Fallzahlen sollten Anleger aber auch in Japan wachsam bleiben.  Übergewichtet bleiben ebenfalls die Schwellenländer, vor allem dank guter Aussichten für Lateinamerika, das die härtesten Corona-Restriktionen überwunden zu haben scheint. Für China gilt Ähnliches, wobei die schwache Nachfrage nach Krediten und weiterhin geringe Tourismuseinnahmen der Region noch zu schaffen machen. Zudem haben unsere Analysten die Aktienregion Asien Pazifik ex Japan heraufgestuft, weil sich die Aussichten für Australien als wichtiger Rohstoffproduzent verbessert haben.

Hingegen stufen unsere Analysten die Aktienregion Europa (ohne Großbritannien) angesichts der deutlich verschlechterten wirtschaftlichen Aussichten infolge des Kriegs in der Ukraine von neutral auf untergewichtet herab. Denn es besteht ein hohes Risiko, dass Europa in eine Rezession abrutscht. Die unmittelbaren Folgen des Krieges sind hohe Energiepreise, steigende Inflation und ein verlangsamtes Wachstum. Zudem beobachten unsere Analysten, dass es schwieriger wird, den Kauf russischer Rohstoffe zu finanzieren. Hinzu kommen langfristige Auswirkungen für die europäische Industrie: Russland liefert eine ganze Reihe von Rohstoffen, insbesondere Gas, die schwer zu ersetzen sind.

Zudem bleiben unsere Analysten neutral gegenüber Investment-Grade-, Hochzins- und Schwellenländeranleihen und warten auf bessere Einstiegsmöglichkeiten.

Fazit

In diesen schwierigen Zeiten ist auch am Kapitalmarkt Vorsicht geboten. Im Vergleich der Aktienmärkte bleibt Japan als vielversprechendste Option für 2022.

Kapitalmarkt-Blog mit Carsten Roemheld

Meinungsstark, auf den Punkt und immer am Puls der Zeit: Einschätzungen und Hintergründe zu allem, was die Kapitalmärkte bewegt.

FWE-Portfolio-Entwicklung

Wie haben sich die Märkte im letzten Monat entwickelt? Und wie konnten sich die Anlagestrategien von Fidelity Wealth Expert behaupten?

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