Mit den USA ist einer der größten Umweltverschmutzer aus dem Pariser Klimaabkommen ausgeschieden. Nachhaltig wirtschaftende Unternehmen und Länder stehen dadurch zunehmend im Wettbewerb mit solchen, die vornehmlich auf kurzfristige Gewinne abzielen. Fondsmanager Jeremy Podger erklärt, warum ein ESG-Ansatz bei der Geldanlage jetzt wichtiger ist denn je.

Nachhaltigkeit ist ein Gemeinschaftsprojekt: Nur wenn für Unternehmen weltweit ähnliche Klimaziele und Regeln gelten, kann der faire Wettbewerb funktionieren. Unter US-Präsident Donald Trump hat nun die stärkste Volkswirtschaft und einer der größten Umweltverschmutzer der Welt dem Pariser Klimaabkommen den Rücken gekehrt – mit weitreichenden Folgen für die Weltwirtschaft. 

Trumps Umweltpolitik ist ein klassisches Beispiel für das Gefangenendilemma aus der Spieltheorie. Das günstigste Ergebnis für die Gemeinschaft ergibt sich, wenn alle kooperieren. Ein einzelner Akteur könnte jedoch versuchen, sich auf Kosten der anderen einen Vorteil zu verschaffen. Das tun in diesem Fall die USA. 

Wenn die Zusammenarbeit im Kampf gegen den Klimawandel weiter leidet, könnte es sich für Unternehmen und Staaten immer mehr lohnen, die Konsequenzen ihres Handelns für die Umwelt zu ignorieren. Denn dann müssten sie kaum noch befürchten, für ihr Verhalten abgestraft zu werden. In diesem unsicheren politischen Umfeld ist es Zeit, die Argumente für einen ESG-Ansatz auf den Prüfstand zu stellen. Das Kürzel ESG steht für Environmental, Social und Governance, also Umweltschutz, Soziales und gute Unternehmensführung.

Langfristige Interessen der Anleger wahren

In der Vergangenheit galt ein verantwortungsloser Umgang mit der Umwelt für Anleger als Risiko. Weltweit schufen Regierungen neue Anreize zum Umweltschutz und schreckten Umweltsünder unter anderem mit strengeren Gesetzen ab. Daher galt die Annahme, dass die Integration von ESG-Prinzipien bei der Geldanlage zu gleichen oder sogar besseren Ergebnissen führen kann. Heute wird diese Annahme infrage gestellt. Denn jetzt könnten Staaten versuchen, statt hehrer Ziele handfeste Kosten- und Wettbewerbsvorteile anzustreben. 

Fondsmanager Jeremy Podger glaubt zwar, dass die Staatengemeinschaft langfristig wieder stärker zusammenarbeiten wird, um die gemeinsamen Interessen zu wahren. Doch vorerst bleibt die Unsicherheit. Umso wichtiger sei es jetzt, aus Prinzip einen ESG-Ansatz zu wählen – nicht, um Anlageziele zu erreichen, sondern davon losgelöst und parallel dazu.

„Regierungen, die eigentlich die langfristigen Interessen ihrer Bürger vertreten sollten, versagen in dieser Hinsicht. Aktive Fondsmanager müssen in dieser Situation unter Beweis stellen, dass sie im Kundeninteresse handeln“, sagt Podger. „Es ist daher an der Zeit, unsere Sicht auf ESG-konforme Anlagen zu überdenken. Sie sind nicht nur das Klügste und Sinnvollste, was wir tun können. Unabhängig davon, in welche Richtung das politische Pendel gerade ausschlägt, ist es vielmehr unsere Pflicht, ESG-Aspekte stärker in den Fokus zu rücken und sie bei all unseren Entscheidungen zu berücksichtigen.“

Rendite muss nicht auf der Strecke bleiben

Das heißt nicht, dass Anleger unbedingt Abstriche bei der Rendite hinnehmen müssen. Es gibt auch, unabhängig vom politischen Umfeld, finanzielle Argumente, die für einen ESG-Ansatz sprechen. Zum einen wollen immer mehr Anleger ihr Geld nachhaltig und verantwortungsvoll anlegen. Dadurch sinken die Kapitalkosten für Unternehmen mit einer guten ESG-Bilanz, was wiederum die Rendite stärkt. 

Zum anderen dürften ESG-konforme Unternehmen weniger Gefahr laufen, von Handelspartnern abgestraft zu werden, die sicherstellen wollen, dass ihre Lieferketten die höchsten Ansprüchen erfüllen. Aufgrund dieser Dynamik spricht auch jetzt vieles dafür, bei der Geldanlage einen ESG-Ansatz zu wählen.
 

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