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Warum Covid-19 Frauen besonders stark trifft

Claudia Barghoorn

Claudia Barghoorn - Leiterin Privatkundengeschäft

Homeoffice, Homeschooling, Haushalt: Viele berufstätige Mütter müssen im Job zurückstecken, um die dreifache Belastung in der Coronakrise zu meistern. Dabei sind sie finanziell ohnehin oft schlechter gestellt als Männer.

Zeit für sich – davon können Eltern in der Coronakrise nur träumen. Seit die Wirtschaft im Frühjahr 2020 zum ersten Mal für einige Wochen stillstand, um die unkontrollierte Verbreitung von Sars-CoV-2 zu verhindern, herrscht in vielen Familien Ausnahmezustand. Beruflicher Stress und Existenzängste treffen auf Überforderung durch Kinder, die teilweise rund um die Uhr daheim sind und Betreuung benötigen. Frauen macht die dreifache Belastung aus Haushalt, Beruf und Home-Schooling besonders zu schaffen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. 1Darin gaben rund 50 Prozent der Mütter an, dass sie die aktuelle Situation an ihre körperlichen, psychischen und emotionalen Grenzen bringt. Von den Vätern fühlte sichjeder Dritte überfordert.

Die Ursache für das unterschiedliche Stressempfinden der Geschlechter sehen Forscher auch in der ungleichen Aufgabenverteilung im Corona-Alltag. „In der Coronakrise lastet die Haus- und Familienarbeit zum überwiegenden Teil auf den Schultern der Frauen“, heißt es in der Untersuchung. Tatsächlich gaben laut Umfrage fast 70 Prozent der Teilnehmerinnen an, dass sie während der Pandemie die Hausarbeit erledigen, von den befragten Männern lediglich 11 Prozent. Auch bei der Kinderbetreuung waren es vor allem Frauen, die die zusätzlichen Aufgaben übernahmen.

Von der Lohn- zur Rentenlücke

Wer schon einmal versucht hat, Homeschooling mit Homeoffice zu verbinden, weiß: Das ist kaum zu schaffen. So überrascht es auch nicht, dass viele berufstätige Mütter ihre Arbeitszeit zuletzt reduzieren mussten. Laut einer Umfrage im Auftrag von Fidelity International hat fast ein Viertel der Frauen in den vergangenen zwölf Monaten weniger verdient, im Schnitt fast 500 Euro brutto.2  Männer haben zwar prozentual etwas mehr verloren. Die Gehaltseinbußen wiegen bei Frauen aber besonders schwer, weil sie oft trotz gleicher Aufgaben und Qualifikation weniger verdienen als Männer. Der sogenannte Gender-Pay-Gap, die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, lag im vergangenen Jahr im Durchschnitt bei fast 20 Prozent.3

Durch die Coronakrise könnte sich dieser Graben weiter vertiefen. Mit weitreichenden Folgen: Denn wer im Beruf weniger verdient, erhält später auch weniger Rente. Der sogenannte Gender-Pension-Gap ist meist sogar noch deutlich größer als die Lohnlücke, weil sich darin die entgangenen Lohneinnahmen eines ganzen Arbeitslebens kumulieren. Der Staat hat das Problem zwar erkannt und verschiedene Maßnahmen ins Leben gerufen, um diese Rentenlücke zu schließen, beispielsweise mit der Mütterrente II, die seit dem 1. Januar 2019 gilt. Trotzdem erhalten Frauen von der Deutschen Rentenversicherung bereits ohne den zu erwartenden Covid-19-Knick derzeit durchschnittlich rund ein Viertel weniger Rente als Männer.4

Dennoch hat die Coronakrise auch ihr Gutes, weil sie all jenen Arbeitgebern eine Lektion erteilt hat, die sich flexiblen Arbeitszeitmodellen lange widersetzt haben. Plötzlich war das Home-Office nicht mehr nur eine Option,sondern eine Pflicht. Und Unternehmen mussten die nötigen Strukturen dafür schaffen, inklusive Akzeptanz der Chefs für ein Führungsverständnis, das ohne physische Präsenz auskommt. Berufstätige Mütter, die besonders unter Präsenzkultur und mangelnder Flexibilität gelitten hatten, könnten in Zukunft profitieren.

Private Vorsorge zahlt sich aus

Bis es so weit ist, gilt: Frauen sollten auch ihre Finanzplanung selbst in die Hand nehmen, um im Ruhestand möglichst unabhängig zu bleiben und ihren Lebensstandard halten zu können. Die beste Möglichkeit, um mit kleinen Beträgen im Laufe der Jahre ein beachtliches Vermögen aufzubauen, bietet der Kapitalmarkt. Während Fest- oder Tagesgeld sowie Sparbücher keine Zinsen mehr bringen, gewannen Aktien und Fonds in den vergangenen Jahrzehnten beständig an Wert. Der deutsche Leitindex Dax etwa erwirtschaftete bei einen Anlagehorizont von 20 Jahren eine durchschnittliche Rendite von 8,7 Prozent pro Jahr.5

Wer keine größeren Summen auf einen Schlag investieren will, kann monatliche Sparpläne einrichten. Bei vielen Banken und Depotanbietern können Anlegerinnen Fonds schon ab 25 Euro im Monat besparen. Sie müssen sich dann auch nicht mehr über den richtigen Einstiegszeitpunkt Gedanken machen: Bei fallenden Kursen kaufen Investorinnen für denselben Betrag einfach mehr Anteile, während sie bei steigenden Kursen eine geringe Anzahl erhalten. So ergibt sich langfristig ein attraktiver durchschnittlicher Einkaufspreis. Dabei gilt: Je früher Anlegerinnen mit dem Fondssparen beginnen und je länger sie sparen, desto weniger fallen kurzfristige Verluste ins Gewicht.

Mehr Informationen zum Fondssparen

Auf dem Kapitalmarkt sind Frauen übrigens sogar gegenüber Männern im Vorteil. Sie trauen sich zwar seltener an die Börse. Wenn sie aber den Schritt wagen, erweisen sie sich oft als die erfolgreicheren Investoren. Denn sie handeln risikobewusster, setzen häufiger auf Fonds denn auf Einzelaktien und halten Wertpapiere länger – Faktoren, die sich gerade bei der Altersvorsorge bezahlt machen.

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