Ratings sollen Anlegern zeigen, welche Unternehmen besonders verantwortungsbewusst mit Umwelt und Menschen umgehen. Doch sie sind nicht perfekt. Gerade im Wandel begriffene Unternehmen haben Rating-Agenturen selten auf dem Radar. Wie Anleger dennoch dafür sorgen können, dass ihr Portfolio die Welt ein bisschen besser macht.

Eine verantwortungsvolle Haltung gegenüber Umwelt und Gesellschaft ist in vielen Unternehmen längst nicht mehr nur eine Marketing-Maßnahme oder eine Absicherung für den Krisenfall. Immer mehr rücken auch die Konsequenzen der Aktivitäten in den Vordergrund, was dazu führt, dass ganze Geschäftsmodelle auf den Prüfstand gestellt werden.

Unabhängige Nachhaltigkeits-Ratingagenturen haben die Aufgabe, zu bewerten, wie ernsthaft Unternehmen die Nachhaltigkeit betreiben und wie erfolgreich die Ansätze sind, die Umwelt zu schonen und Arbeiter wie Verbraucher fair zu behandeln. Das soll Anlegern und auch Fondsgesellschaften Orientierung bieten. Doch oft sind Nachhaltigkeitsratings nicht nuanciert genug.

Ratings: Ein Blick in die Vergangenheit

Die Anbieter von unabhängigen Nachhaltigkeitsratings unterscheiden oft nicht zwischen Unternehmen, die lediglich ihre Risiken eindämmen wollen, und solchen, denen dieser Wertewandel neue Geschäftschancen eröffnet. Ratings sind dadurch oft rückwärtsgerichtet und verkennen die Nachhaltigkeitschampions von morgen.

Das italienische Versorgerunternehmen Hera zum Beispiel sieht Nachhaltigkeit als Chance und hat den effizienten Umgang mit endlichen Ressourcen in den Mittelpunkt seiner Strategie gerückt. Im Unternehmen wurden dadurch nicht nur Kosten gesenkt, sondern auch neue Umsatzquellen erschlossen. Seit kurzer Zeit ist Hera etwa im Plastik-Recycling aktiv.

Große Unternehmen im Vorteil

Eine weitere Schwäche mancher Ratings: Kleine Unternehmen schneiden im Vergleich zu großen Konzernen oft schlechter ab. Doch die schlechten Noten sind häufig nicht verdient. Es ist logisch, dass kleinere Unternehmen weniger Ressourcen haben, um ihre Nachhaltigkeitsinitiativen nach außen zu tragen. Doch das heißt nicht, dass es diese nicht gibt.

Viele kleine und mittlere Unternehmen feilen intensiv an ihrer Nachhaltigkeitsstrategie, bemängeln jedoch, dass Rating-Agenturen nur wenig Zeit für sie aufwenden. Das ist zu einem gewissen Grad verständlich. Die Zeit von Rating-Anbietern ist begrenzt, sodass sie vor allem große Unternehmen durchleuchten, die für die Mehrheit ihrer Kunden relevant sind. Teile der Unternehmenswelt werden dadurch nur unzureichend abgebildet oder gänzlich missverstanden.

Im Dschungel der Nachhaltigkeitskriterien

Selbst für große Unternehmen kann die Auseinandersetzung mit Rating-Agenturen schwierig sein. Unterschiedliche Rating-Anbieter legen unterschiedliche Kriterien und Bewertungsmethoden an. Einige verstehen die Strategie und das Geschäftsmodell des Unternehmens nicht vollständig, andere erkennen nicht, wie Nachhaltigkeit und Unternehmensfinanzen im Zusammenhang stehen.

All das ändert nichts daran, dass die Anbieter von Nachhaltigkeitsratings eine wichtige Rolle spielen. Sie legen die Erwartungen des Marktes fest und sorgen für mehr Vergleichbarkeit. Wir von Fidelity arbeiten selbst mit solchen Agenturen zusammen und nutzen ihre Erkenntnisse in unserem Investment-Prozess.

Doch das reicht uns nicht aus: Wir betreiben auch eigenes Research, um Nachhaltigkeitsratings zu überprüfen, Wissenslücken zu schließen und Fehleinschätzungen zu korrigieren. Der italienische Getränkehersteller Davide Campari zum Beispiel erhält von Rating-Agenturen eine schlechtere Note, weil er nicht transparent über die Umweltverträglichkeit seiner Aktivitäten kommuniziert. Tatsächlich arbeitet das Unternehmen jedoch intensiv daran, nachhaltiger zu werden. Wenn sich dies erst einmal bei den Rating-Agenturen herumgesprochen hat, dürfte das Unternehmen von einer besseren Note und mehr Aufmerksamkeit profitieren. 

Fidelity Proprietary Sustainability Rating: Ein Rating mit Weitblick

Um solche Informationslücken zu füllen, hat Fidelity im Juni 2019 eigene Nachhaltigkeitsratings eingeführt. Bis Ende 2019 soll das Rating-System rund 3.000 Aktien- und Anleiheemittenten umfassen, die wir in 99 Subsektoren aufgeteilt haben. So können wir branchenspezifische Kriterien anlegen, um einen Emittenten fairer zu bewerten. Unternehmen in den wasserintensiven Energie- und Bergbaubranchen zum Beispiel sollten sicherstellen, dass sie Süßwasserressourcen schonend einsetzen; für ein Unternehmen aus der Finanzbranche ist das hingegen weniger relevant.

Rund 180 unserer weltweiten Analysten beschäftigen sich intensiv mit Nachhaltigkeitsthemen und bewerten bei insgesamt jährlich 16.000 Unternehmenstreffen Unternehmen auch unter diesem Aspekt. Allgemein kommunizieren die Unternehmen, denen wir die besten Nachhaltigkeitsnoten geben, regelmäßig und transparent über ihre Ziele und ob sie diese erreichen werden. Sie nutzen externe Prüfer, um zu beurteilen, ob Nachhaltigkeitsthemen wie etwa neue Emissionsgesetze für sie ein Risiko-Problem darstellen und wie sie damit umgehen. Sie waren nicht in umstrittene Vorfälle involviert und sehen Nachhaltigkeit als Chance für ihr Geschäft.

Mit unserem eigenen Rating-System richten wir so unseren Blick nicht nur auf vergangene Initiativen, sondern auch nach vorne, und entdecken dadurch neue Anlagechancen. Denn die Vorreiter im Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft sind ein Gewinn für Umwelt, Arbeitskräfte, Verbraucher – und Anleger.

Die im Beitrag genannten Unternehmen dienen lediglich der Illustration des Themas und sind nicht als Anlageempfehlung gedacht. Ihre Nennung bedeutet nicht, dass sie als Position für unsere Portfolios in Frage kommen.
 

Fidelity Sustainable Water & Waste Fund

Chancen

Einzigartige Kombination der Wasser- und Abfallbranche in einem Fonds: Anlagen erfolgen entlang der gesamten Wasser- und Abfall-Wertschöpfungskette. Damit sind das Anlageuniversum und die Diversifizierungsvorteile größer als bei anderen Wasserfonds.

Die Erfahrung des Fondsmanagers in diesen unzureichend analysierten Branchen ist von erheblichem Vorteil beim Aufspüren von Anlagechancen.

Das relativ defensive globale Aktienportfolio strebt gegenüber dem Vergleichsindex starke Diversifizierungsvorteile an. Durch seinen Branchenfokus sollte der Fonds nur ein geringes bzw. kein Engagement in Bereichen aufweisen, die in den letzten Jahren die globalen Aktienmärkte angetrieben haben, wie z.B. Technologie und Finanzen.

Risiken

Dies ist ein Aktienfonds. Der Wert einer Anlage und die daraus erzielten Erträge können steigen, aber auch fallen, sodass Anleger den ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht in voller Höhe zurückerhalten. Eine bestimmte Rendite, der Erhalt des Kapitals, ein stabiler Nettoinventarwert oder geringe Schwankungen werden nicht garantiert.

Der Fonds investiert unter anderem in sogenannten Schwellenländern. Anlagen an kleinen Märkten und in Schwellenländern können stärker schwanken als solche an etablierteren Märkten.

Der Fonds legt an Auslandsmärkten an, sodass sich Wechselkursänderungen auf den Wert einer Anlage auswirken können.
 

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