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September 2022 – Wirtschaftswachstum verlangsamt sich weltweit

Andreas Telschow

Andreas Telschow - Kundenservice

In Kürze:

  • Das weltweite Wirtschaftswachstum hat sich zuletzt drastisch verlangsamt.
  • Chinas Erholungskurs ist ins Stocken geraten
  • Europa wird mit drohender Rezession bei gleichzeitig steigenden Preisen konfrontiert
  • Die Fed bleibt bei ihrer harten Zinspolitik. 
  • Trotz starker Kursschwankungen bietet der amerikanische Aktienmarkt am ehesten defensive Anlageoptionen. 

Globale Inflation weiterhin auf sehr hohem Niveau

Die Einschätzung unseres Experten aus der Privatkundenbetreuung Andreas Telschow zu diesem Thema können Sie hier sehen.
(Dauer: 07:29 Minuten)

Der Taiwan-Besuch von Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, hatte im Spätsommer hohe Wellen geschlagen. China reagierte brüskiert, demonstrierte seine Macht mit Militärübungen nahe taiwanesischer Gewässer. Aber nicht nur die Diskussion über geopolitische Risiken drückt auf die Stimmung an Chinas Märkten. Die Volksrepublik hält an strikten Null-Covid-Maßnahmen fest: Viele Metropolregionen des Landes befinden sich immer wieder in Lockdowns, die Industrieproduktion ist im Sommer gesunken. Der Immobilienmarkt befindet sich indes weiter in einer Krise, die sich – trotz Gegensteuerung Pekings – auf den Bankensektor auszudehnen droht. Ob und wann sich Chinas Wirtschaft erholt, bleibt also ungewiss. Vor allem diese Gemengelage hat unsere Analystendazu veranlasst, am Aktienmarkt Schwellenländer auf neutral herabzustufen. Gegenüber China bevorzugen sie rohstoffstarke Märkte ohne harte Corona-Restriktionen – allen voran Lateinamerika.

Infolge der Pandemie und des Kriegs in der Ukraine hat sich das Wirtschaftswachstum weltweit verlangsamt. Unsere Experten sind weiter zurückhaltend und bleiben in Aktien, Unternehmensanleihen und Emerging-Markets-Bonds untergewichtet bei gleichzeitig hoher Liquidität. Zudem haben sie Staatsanleihen auf neutral herabgestuft. Das hängt vor allem mit der weiterhin restriktiven Zinspolitik der US-Notenbank Fed zusammen. 

Zinszyklus in den USA: Wie weit wird die Fed gehen?

Die Verbraucherpreise in den USA sind im Juli weniger stark angestiegen als befürchtet. Das deutet eigentlich daraufhin, dass die Fed ihre Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung nun drosseln könnte. Doch bislang zeichnet sich ein solches Umsteuern kaum ab, im Gegenteil: Notenbankchef Jerome Powell stellt für die Septembersitzung eine weitere Zinserhöhung um 75 Basispunkte in Aussicht. Seine Devise: Jetzt bloß nicht zu schnell wieder lockern und Gefahr laufen, dass sich hohe Inflationserwartungen verfestigen. Unsere Experten rechnen damit, dass der US-Leitzins im aktuellen Zyklus einen Höchststand von vier Prozent erreichen wird. Mit jeder weiteren Steigerung wächst allerdings auch die Gefahr, dass die USA in eine Rezession rutschen.

Europa steht unter Druck, USA noch robust

Europa steht indessen gleich doppelt unter Druck. Zum einen leidet die EU darunter, dass die Gaspreise immer neue Höchststände erreichen und die Lebenshaltungskosten in manchen Ländern ein kritisches Niveau erreicht haben. Zum anderen drängt das Verhalten der Fed und der erstarkende US-Dollar die Europäische Zentralbank dazu, in puncto Zinserhebung nachzuziehen, um den Euro nicht weiter zu entwerten. Auch hier stellt sich also wieder die Frage danach, welche Herausforderung aktuell größer ist: Inflation oder Rezession? Der von der EZB angeschlagene Ton deutet eher auf eine straffere Geldpolitik, also die Inflationsbekämpfung, hin. Mit Blick auf die Wachstumsrisiken dürfte die EZB allerdings nicht zu einer ähnlichen Rigorosität wie die Fed in der Lage sein. Europäische Aktien belassen unsere Experten unterbewertet.

Welche Möglichkeiten bleiben also – neben Lateinamerika – am Aktienmarkt? Da die Unternehmensgewinne und Konjunktur in den USA noch stabil sind und die weiteren Zinsschritte weitestgehend eingepreist zu sein scheinen, sind unsere Analysten zurzeit am ehesten für US-Aktien positiv gestimmt. 

Investment Grade bleibt Trumpf

Der Anleihenmarkt öffnet sich nun wieder ein kleines Stück in Richtung Risiko. Die Fidelity-Analysten stufen Hochzinsanleihen auf neutral herauf. Der Grund: Sie könnten davon profitieren, dass der Markt allen Beteuerungen der Fed zum Trotz mit abgeschwächten Zinsschritten in den USA rechnet, da die Inflation halbwegs unter Kontrolle zu sein scheint. Investment-Grade-Anleihen sind aber weiterhin zu bevorzugen, da die Spreads bei High-Yield-Bonds noch unter ihrem historischen Durchschnitt liegen. In den Schwellenländern halten die Fidelity-Experten vor allem Hartwährungsanleihen für zu teuer. Britische Gilts und deutsche Bundesanleihen bleiben bei Staatsanleihen gegenüber US-Papieren übergewichtet. US-Staatsanleihen erscheinen angesichts der immer noch hohen Teuerung und des Verhaltens der Fed relativ unattraktiv. 

Fazit

Die Industrieländer scheinen langsam auf eine Rezession zuzusteuern. Und auch in China gibt es aktuell wenig Hoffnung darauf, dass sich der Markt stabilisiert. In den Schwellenmärkten bevorzugen unsere Analysten derzeit Lateinamerika. Zudem schätzen unsere Experten US-Aktien vergleichsweise positiv ein. Investment-Grade-Anleihen sind Hochzinsanleihen weiterhin vorzuziehen – die Anlagestrategie sollte insgesamt weiterhin defensiv bleiben.
 

Kapitalmarkt-Blog mit Carsten Roemheld

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Wie haben sich die Märkte im letzten Monat entwickelt? Und wie konnten sich die Anlagestrategien von Fidelity Wealth Expert behaupten?

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