Zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2008 senkte die US-Notenbank als Notfallmaßnahme die Zinsen um 50 Basispunkte. Dieses starke Signal von Seiten der Politik und Notenbank soll den Markt beruhigen und sich positiv auf die Wirtschaft auswirken.

Angesichts der wachsenden Besorgnis, dass der Ausbruch des Coronavirus das Wirtschaftswachstum bedroht, senkte die US-Notenbank die Zinsen um 50 Basispunkte. Das war die erste Notfallmaßnahme dieser Art seit der Finanzkrise im Jahr 2008. Die Nachfrage nach sicheren Anlagen drückte die Renditen von 10-jährigen US-Staatsanleihen zum ersten Mal kurzzeitig unter 1 Prozent.

Was bedeutet das für Anleger?

Anna Stupnytska, Head of Global Macro and Investment Strategy

„Viel schneller als erwartet hat die Fed ihre erste Notfall-Zinssenkung (um 50 Basispunkte) seit der Finanzkrise 2008 durchgeführt. Zwischen drei und vier Zinssenkungen um 25 Basispunkte hatte der Markt für dieses Jahr bereits eingepreist, doch die erste Kürzung wurde erst bei der geplanten Sitzung Ende dieses Monats erwartet.

Der starke Ausverkauf an den Märkten in der vergangenen Woche hat die Fed angesichts der mit dem Coronavirus verbundenen Ängste und der daraus resultierenden Verschärfung der finanziellen Bedingungen eindeutig dazu ermutigt, präventive Maßnahmen zur Beruhigung des Marktes zu ergreifen. Dies ist ein starkes Signal der politischen Entscheidungsträger und ein kluger Schritt, frühzeitig eine bereits erwartete Kürzung vorzunehmen. Dennoch wird die Fed in den kommenden Wochen ihre Politik möglicherweise weiter lockern müssen und scheint auch dazu bereit zu sein.

Da sich das Coronavirus weiter ausbreitet und die Chancen einer Eindämmung immer geringer werden, werden die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft vermutlich deutlich spürbar sein. Auch wenn eine lockere Geldpolitik der Stimmung guttut, sollten die Zentralbanken nicht isoliert handeln. Die Regierungen sollten mit rechtzeitigen und durchdachten fiskalischen Maßnahmen eingreifen und die Volkswirtschaften unterstützen, die nicht nur wegen des Virus an sich, sondern auch wegen der Präventivmaßnahmen, die – in einigen Fällen – die Wirtschaftstätigkeit zum Stillstand gebracht haben, in Schwierigkeiten geraten sind.

Nach dem Treffen der G7-Finanzminister und den gestrigen Zinssenkungen der australischen Zentralbank und der Fed dürften andere große Zentralbanken, wie die Royal Bank of Canada und die Bank of England, in koordinierter Weise folgen.“

George Efstathopoulos, Fondsmanager
Investment-Team für den Bereich Multi Asset

„Die Zinssenkung ist ein notwendiger Schritt, um das ordnungsgemäße Funktionieren des Finanzmarktes, insbesondere des Kreditmarktes, zu unterstützen. Alle großen Zentralbanken, einschließlich der US-Notenbank, setzen sich dafür ein, eine weitere Verschärfung der finanziellen Bedingungen zu verhindern. In diesem Zusammenhang haben sich die Credit Spreads von US-Anleihen mit Investment Grade seit Jahresbeginn um 30 Basispunkte und die Credit Spreads von US-Hochzinsanleihen um fast 140 Basispunkte auf derzeit rund 500 Basispunkte ausgeweitet. Dieses Niveau wurde zuletzt im Dezember 2018 erreicht, was die Fed dazu veranlasste, ihre geldpolitischen Zügel zu lockern.

Allerdings reichen Zinssenkungen allein möglicherweise nicht aus, um das Problem zu lösen. Wenn das Coronavirus tatsächlich eine ähnliche Störung des Geschäftsbetriebs wie in China verursacht, dann müssen Regierungen und Zentralbanken mehr tun, um dem Cashflow- und Liquiditätsdruck, der auf den Unternehmen lastet, entgegenzuwirken.   

Unsere Strategie werden wir vorerst nicht ändern, aber wir haben die Situation genau im Blick. Es ist für uns schwer vorherzusagen, wie stark sich das Virus ausbreiten wird und wie schwerwiegend die Auswirkungen auf das globale Wachstum sein werden. Wir glauben jedoch, dass wir in Zukunft wahrscheinlich mehr Volatilität sehen werden.

Bei unseren Positionen in Staatsanleihen haben wir einige Gewinne mitgenommen, da sie sich sehr gut entwickelt hatten. Auf taktischer Ebene haben wir angesichts der starken Kurseinbrüche in den letzten Tagen unsere Short-Positionen in Aktien teilweise reduziert. Die verbleibenden Sicherungsgeschäfte im Aktienbereich und unsere defensiven Anlagen, die erhöhte Position im japanischen Yen sowie die Währungsabsicherung der Schwellenländer behalten wir bei.“

Investment-Team für den Bereich Asian Fixed Income

„Angesichts der überraschenden Zinssenkung der US-Notenbank erwarten wir an den asiatischen Anleihenmärkten eine gewisse kurzfristige Panik. Ihre expansive Politik gibt den asiatischen Ländern jedoch grünes Licht für weitere geldpolitische und fiskalische Lockerungen, insbesondere in einer Zeit, in der gemeinsame Anstrengungen der Zentralbanken und der Regierungen zur Unterstützung der asiatischen Volkswirtschaften dringend erforderlich sind.    

Anleger sollten zwar die steigende Volatilität und den Liquiditätsdruck auf dem Anleihenmarkt im Auge behalten. Es können sich aber auch attraktive Anlagechancen ergeben. Eine sorgfältige Titelauswahl ist hier allerdings entscheidend. Wenn sich der Markt stabilisiert, wird die Renditejagd weitergehen, was dem asiatischen Anleihenmarkt zugutekommen dürfte.“