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Vorsorge im Wandel

Studie: Vorsorgelücke größer als gedacht

Wenn es um das Thema Altersvorsorge geht, geht es immer auch um die Vorsorgelücke. Gemeint ist die Differenz zwischen dem benötigten monatlichen Einkommen in der Rentenphase und den Einkünften aus der gesetzlichen Rente. Doch wie drückt sich diese Lücke in Zahlen aus? Wie viel Geld fehlt uns im Alter tatsächlich? Bisher gab es keine fundierten Antworten, nur Schätzungen und Theorien.

Eine Studie von Prof. Dr. Martin Werding von der Ruhr-Universität Bochum zeigt, dass die Vorsorgelücke viel größer ist, als Experten bisher angenommen haben. Es ist daher wichtig, sich nicht nur auf die gesetzliche Rente zu verlassen, sondern aktiv für den Ruhestand vorzusorgen.

Bisher gingen Fachleute davon aus, dass rund 70% des letzten Nettoeinkommens zur Sicherung des Lebensstandards ausreichend sind. Davon können aktuell 55% durch die gesetzliche Rente abgedeckt werden, Tendenz sinkend.

Die Studie zeigt aber: Die tatsächliche Quote liegt bei 87%. Für den sogenannten Standardrentner mit 34.000 Euro p. a. brutto und einer lückenlosen Erwerbsbiografie bedeutet das eine Vorsorgelücke von rund 650 Euro monatlich. Das sind 350 Euro mehr als bisher angenommen.

Es besteht demnach ein deutlich höherer Kapitalbedarf im Ruhestand als bisher vermutet. Die konsequente betriebliche oder private Altersvorsorge ist somit unverzichtbar für eine konstante Lebensqualität in der Rentenphase.

Forschungs-Methode: Was untersucht die Studie?

  • Studie der Ruhr-Universität Bochum im Auftrag von Fidelity
  • Ausgewertet wurden die Daten des Sozio-ökonomischen Panels des DIW Berlin, eine Befragung von 20.000 Rentnern
  • Rentenbeginn war jeweils zwischen 1992 bis 2011
  • Ermittelt wurde die Zufriedenheit mit dem eigenen Einkommen zwischen Rentenbeginn und dem 75. Lebensjahr
  • Daraus wurde die erforderliche Rentenersatzquote zur Erreichung einer gleichbleibenden Zufriedenheit mit den Einnahmen abgeleitet

Weniger Beitragszahler + steigende Lebenserwartung = weniger Rente

Rentenniveau

Quelle: Dudel, Ott, Werding, 2013

Keine neue Erkenntnis ist, dass die gesetzliche Rente nicht ausreicht. Seit Jahren ist bekannt, dass die Lebenserwartung steigt, wodurch die Gruppe der aktiven Rentner wächst, während die erwerbstätigen Beitragszahler immer weniger werden.

Obwohl die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung steigen, bekommen Rentner künftig weniger ausbezahlt. Das bedeutet, Beitragszahler müssen sich bereits während des Erwerbslebens auf steigende Belastungen und geringere Auszahlungen einstellen.

Das Problem: Nur wenige Menschen ziehen Konsequenzen. Trotz der staatlichen Fördermaßnahmen zur betrieblichen und privaten Altersvorsorge stammen fast 90% aller Alterseinkünfte in Deutschland aus der gesetzlichen Rentenkasse.

Das Renteneintrittsalter wurde bereits nach oben korrigiert, hier ist inzwischen eine "Schmerzgrenze" bei der Bevölkerung erreicht. Das Rentenniveau sinkt hingegen und wird im Jahr 2030 bei nur noch 43% liegen. Zwangsmaßnahmen wie die Aufnahme Selbständiger und Beamter in die gesetzliche Rentenversicherung sind verfassungsrechtlich bedenklich, außerdem erfolgt dadurch nur eine Verschiebung der Lasten in die Zukunft, keine Lösung des Problems.

Laut einer europaweiten Studie der Deutschen Bundesbank zur Vermögensverteilung in Privathaushalten beträgt der Mittelwert des in Deutschland verfügbaren Geldvermögens pro Person 51.350 Euro. Daraus ließe sich bei einer Lebenserwartung von 19 Jahren nach Renteneintritt eine monatliche Rente von 225 Euro finanzieren. Die Vorsorgelücke reduziert sich dadurch aber nur von 650 auf 425 Euro.

Für die nachfolgende Beispielrechnung werden ein Bruttoverdienst von 34.000 Euro und ein Netto-Rentenniveau von 55,2%* als Basiswerte verwendet. Bewegen Sie den Regler und ermitteln Sie, wie groß die Vorsorgelücke bei unterschiedlicher Höhe des Geldvermögens ist.

* Quelle: Werding-Studie 2013

Beispielrechnungen Lücke nach Vermögen in €*

Geldvermögen***
51.350 €
Monatl. Rente aus Geldvermögen**
225 €
Lücke pro Monat*
51.350 €
*
Berechnung für einen Durchschnittsrentner in Deutschland mit einem durchschnittlichen Brutto-Verdienst von rund 34.000 Euro vor Renteneintritt (2013) und einem Netto-Rentenniveau von 55,2%, ohne sonstiges Vermögen, gerundet in Euro.
**
Bei durchschnittlicher Lebenserwartung von 19 Jahren nach Renteneintritt (Männer) und 0% Realverzinsung des Kapitals nach Inflation, Stand April 2013
***
Quelle: Dt. Bundesbank, Studie "Private Haushalte und ihre Finanzen": Median der Vermögensverteilung in Deutschland

Der dringende Handlungsbedarf ist klar erkennbar: Nur mit einer sinnvollen Kombination aus betrieblicher und privater Altersvorsorge lässt sich die Vorsorgelücke zuverlässig schließen!

Richtig absichern

Rund 41% des privaten Geldvermögens setzen sich aus Bargeld und Sparguthaben zusammen. Knapp 30% stammen aus Ansprüchen gegenüber Versicherungen. In Aktien investiert sind nur 4,8%. Dies zeigt, wie sehr die Überzeugung von der vermeintlichen Sicherheit konventioneller Bareinlagen noch verbreitet ist. In Wahrheit entspricht die Verzinsung oft gerade einmal der Inflationsrate oder liegt sogar darunter. Dies führt zu einem realen Wertverlust.

Wie sind die Deutschen privat investiert?

Wie sind die Deutschen privat investiert?

Quelle: Deutsche Bundesbank Statistiken, 2015

Sparer und Anleger müssen umdenken und zusätzlich zur gesetzlichen Rente für das Alters vorsorgen. Statt Bareinlagen mit Zinsen zum Teil unter der Inflationsrate, bieten sich fondsgebundene Anlagelösungen an.

Im Ausland hat man bereits umgedacht und die Altersvorsorge auf mehrere Säulen verteilt. Neben der privaten Absicherung spielt die betriebliche Altersvorsorge eine zentrale Rolle. In England wird die Pflichtversicherung aktuell eingeführt, in Holland besitzen fast 100% aller Erwerbstätigen eine zusätzliche Altersvorsorge. In den USA sorgen immerhin 30% bis 90% auf freiwilliger Basis vor. In Deutschland sind es 15% bis 70%, je nach Einkommensklasse.

Berechnungsbeispiele zur Schließung der Vorsorgelücke

  • Marlies, Jahrgang 1970, Friseurin, verheiratet, 1 Kind

  • Rolf, Jahrgang 1970, Facharbeiter, verheiratet, 1 Kind

  • Frank, Jahrgang 1970, Diplom-Chemiker, Single

  • Jürgen, Jahrgang 1970, Unternehmensberater, verheiratet, 2 Kinder

Warum sind betriebliche Vorsorge-Modelle sinnvoll?

Die betriebliche Altersvorsorge bietet viele Vorteile:

  • Die betriebliche Altersvorsorge hat Liquiditäts- und Finanzierungseffekte:
    • Beiträge des Arbeisgebers sind Betriebsausgaben.
    • Auf die geleisteten Beiträge sind in der Ansparphase keine Sozialversicherungsbeiträge zu leisten.
    • Falls Pensionsrückstellungenen gebildet werden, erweitert sich die Kapitalbasis. Damit ergibt sich zusätzliches Investitionspotenzial.
  • Das Angebot einer betrieblichen Altersvorsorge erhöht die Attraktivität des Arbeitgebers am Arbeitsmarkt und hilft, qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen.
  • Eine betriebliche Altersvorsorge fördert die Motivation und damit die Bindung an das Unternehmen und kann die Fluktuation von Arbeitskräften senken.
  • Durch die Anhebung der Altersgrenze der gesetzlichen Rente auf 67 Jahre gewinnen Vorruhestands- und Frühverrentungsmodelle an Bedeutung, die mit einer betrieblichen Altersvorsorge gut darstellbar sind.

Betriebliche Altersvorsorgemodelle sind eine äußerst sinnvolle Ergänzung zur gesetzlichen Rente, die im Idealfall bereits bei Berufsstart bespart werden. Bei Fidelity profitieren Sie von 40 Jahren Erfahrung in der Entwicklung von Altersvorsorgelösungen. Wir informieren Sie gerne.

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