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US-Präsidentenwahl 2016

US-PräsidentenwahlDie Entscheidung ist gefallen. Donald Trump wird der nächste Präsident der USA. In der Wirtschaft wird seine Amtszeit sicher Spuren hinterlassen. Anleger fragen sich, ob nun stärkere Schwankungen programmiert sind? Sie finden hier eine erste Einschätzung unserer Experten zum Ausgang der Wahl und den Auswirkungen für Anleger.

Topaktuell: Kommentar zum Ausgang der US-Präsidentenwahl

Carsten RoemheldCarsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity, erläutert seine Einschätzung zum Ausgang der Wahl, mögliche Auswirkungen auf die Börsen und was das Ergebnis für Anleger bedeutet.

Hier geht’s zur Aufzeichnung der Telefonkonferenz vom 09.11.2016

Das sagen unsere Investmentexperten zum Wahlergebnis

Dominic Rossi, Global Chief Investment Officer – Aktien

Dominic RossiDie Weltordnung steht Kopf

Mit diesem Wahlergebnis stehen uns beispiellose politische Risiken bevor, die die Eckpfeiler der Weltordnung nach dem Zweiten Weltkrieg infrage stellen. Kein Wunder also, dass Anleger in Deckung gehen.

Aber auf die anfängliche Fassungslosigkeit angesichts des Rechtsrucks in der amerikanischen Politik muss schon bald eine nüchterne Bestandsaufnahme der Risiken folgen.

Wahrscheinlichkeit der Zinserhöhung sinkt

Als Erstes dürften sich die Folgen bei der Fed-Politik zeigen. So ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember gefolgt von zwei weiteren Zinsschritten nach oben im nächsten Jahr dramatisch gesunken. Und der in Erwartung einer Zinserhöhung kontinuierlich gestiegene Dollar hat den Rückwärtsgang eingelegt. Beide Faktoren hätten das Ende des Bullenmarktes eingeläutet, das sich mit dem heutigen Ergebnis verzögern dürfte, denn nun ist mit einer Fortsetzung der lockeren Geldpolitik zu rechnen.

Aber diese weithin bekannten Risiken für die Finanzmärkte haben sich durch das beispiellose Ausmaß an politischem Risiko verschoben. Noch können wir nur spekulieren, ob Trump seinen starken protektionistischen Parolen politische Taten folgen lässt. Anleger, zumal jene aus dem Ausland, werden jetzt erst einmal abwarten.

Republikaner haben Mehrheit im US-Kongress

Dass die Republikaner künftig über die Mehrheit in beiden Häusern verfügen, ist auch eine Chance, den politischen Stillstand der letzten Jahre in der amerikanischen Innenpolitik zu beenden. Es wird Bestrebungen geben, wichtige Vorhaben Obamas zurückzunehmen, allen voran Obamacare.

Paras Anand, Head of European Equities

Paras AnandDie Aussicht auf gemeinsame Wirtschaftspolitik von Demokraten und Republikanern ist überraschend gut

Die Wahl Donald Trumps, einem klaren politischen Außenseiter, zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten ist ein weiterer Beleg für das aus politischer Sicht extrem unvorhersagbare Umfeld, mit dem wir es derzeit zu tun haben. Aber wie ich bereits nach dem Brexit-Votum betont habe, beeinflussen politische Entwicklungen die langfristigen Aussichten der meisten Unternehmen nur am Rande. Auch wenn die Schlagzeilen ein politisches Erdbeben nahelegen, fahren Anleger besser, wenn sie sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Vorschnell auf gesamtwirtschaftliche und politische Ereignisse zu reagieren, ist in den seltensten Fällen eine gute Strategie.

Infrastruktur-Ausgaben und Steueranreize ganz oben auf Agenda

Was den Ausblick für die US-Wirtschaft anbelangt, ähneln sich die Wirtschaftsstrategien der beiden Kandidaten interessanterweise in vielen Punkten. Zwar hat Trump im Wahlkampf weitgehend auf konkrete Aussagen zu seinen künftigen Vorhaben und Plänen verzichtet. Beide Präsidentschaftsanwärter hatten jedoch Infrastrukturausgaben ganz oben auf ihre Agenda gesetzt und kurzzeitige Steueranreize für Unternehmen in Aussicht gestellt, die ihre im Ausland generierten Gewinne zurück ins Land holen. Trump mag auf der politischen Bühne eine unbekannte Größe sein. Die Aussicht aber, dass sich Demokraten und Republikaner auf eine gemeinsame Wirtschaftspolitik verständigen, ist tatsächlich überraschend gut.

Inflationsausblick wird wichtiger

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Inflationsausblick. Bereits vor der Wahl waren die offiziellen Inflationsdaten wieder in Richtung auf ihren langjährigen Durchschnitt gestiegen. Und die Reaktion an den Anleihenmärkten mit steigenden Renditen am langen Ende spiegeln die Einschätzung wieder, dass der stärkere Preisauftrieb anhält. Zwar könnte die US-Notenbank Fed auf das Wahlergebnis und die kurzfristig größeren Unsicherheiten mit einer Abkehr von ihrer Strategie der Zinsstraffung reagieren, wie es die Bank von England in den Wochen nach dem Brexit-Votum getan hat. Aber wegen der soliden Konjunkturentwicklung im Land, flankiert von anhaltendem Inflationsanstieg, könnten die Währungshüter damit Gefahr laufen, zu weit hinter die Kurve zurückzufallen.

Angel Agudo, Fondsmanager – Aktien USA

Angel AgudoNicht vom Getöse beirren lassen

Ungeachtet der anfänglichen Reaktion der Börsen glaube ich nicht, dass der Wahlausgang in den USA darüber entscheidet, wie sich die Märkte langfristig verhalten werden. Für Anleger ist es deshalb wichtig, den Blick weiter auf die Fundamentaldaten der Unternehmen zu richten und sich von dem Getöse und der Volatilität rund um die US-Wahl nicht beirren zu lassen.

Sicher wird Trumps Wahlsieg zunächst einmal größere Schwankungen an den Börsen auslösen, da die Märkte ja von einem Sieg Clintons ausgegangen waren. Bei Themen wie Staatsausgaben, Geldpolitik, Handel und Gesetzgebung erwarten die meisten Beobachter, dass Trumps Auftreten in bisher unbekannter Weise für Verunsicherung sorgen könnte. US-Staatsanleihen und Gold könnten deshalb kurzfristig von Geldströmen in „sichere Häfen“ profitieren.

Kurzfristig starke US-Dollar-Schwankungen

Kurzfristig erwarte ich wegen der ungewissen künftigen Handelspolitik der USA auch stärkere Schwankungen des US-Dollars. Umfangreiche Konjunkturprogramme, die „Repatriierung“ von Kapital und eine protektionistische Politik sollten der US-Währung Auftrieb verleihen, besonders gegenüber dem mexikanischen Peso und dem Renminbi.

Steuerpläne mit positivem Effekt für Aktienmarkt

Bei Aktien hätte nach einer kurzen anfänglichen Phase der Volatilität eine Senkung der Körperschaftssteuer – falls sie wie geplant umgesetzt wird – kurz- bis mittelfristig einen positiven Effekt. Durch die Niederlage Clintons sollte zunächst der Gesundheitssektor Auftrieb erhalten. Künftig wird es dann darauf ankommen, welche Pläne Trump für den „Affordable Care Act“ („Obamacare“) und die Arzneimittelpreise präsentiert. Auch der Finanzsektor könnte zu den Gewinnern zählen, sofern Trump sich für weniger Regulierung stark macht.

US-Wirtschaft startet in guter Verfassung ins neue Jahr

Die US-Wirtschaft wird in guter Verfassung ins Jahr 2017 starten, und die positive Entwicklung dürfte in moderatem Tempo andauern. Günstige Beschäftigungslage, robuster Konsum und anhaltende Erholung am Häusermarkt dürften der Konjunktur Impulse geben. Allgemein lassen sich in den USA nach wie vor eine Fülle interessanter Anlagemöglichkeiten finden. Zu beachten ist jedoch, dass der Konjunkturzyklus ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat – die Gewinnmargen sind insgesamt hoch und auch die Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind nicht gerade niedrig. Zudem könnten steigende Löhne und ein wachsender Zinsdruck in Kombination mit dem immer noch starken US-Dollar die Margen in einigen Bereichen schwächen. Ein selektives Vorgehen ist im derzeitigen Marktumfeld besonders wichtig.

Nick Peters, Experte Multi-Asset

Nick PetersDarum birgt Trumps Sieg Risiken für Schwellenländer

Anders als von politischen Beobachtern, Demokraten und selbst zahlreichen Republikanern erhofft, wird Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Weil Trumps restriktive Vorhaben in Sachen Einwanderung und Freihandel das Wachstum der US-Wirtschaft bremsen könnten, stößt der Wahlausgang an den Märkten vermutlich auf wenig Gegenliebe.

Einzelne Folgen lassen sich kaum abschätzen

Mit Trump als Präsident werden die politischen Unwägbarkeiten zunehmen, außerdem wird das Vertrauen in ein offenes Welthandelssystem untergraben. Wie diese abstrakten Risiken von den Märkten eingepreist werden, lässt sich derzeit kaum abschätzen. Wahrscheinlich ist jedoch, dass sie der Stimmung einen spürbaren Dämpfer versetzen. Allerdings dürfte Präsident Trump mit vielen Plänen am Kongress scheitern, und selbst die Republikaner werden einigen seiner Vorschläge wohl eine Absage erteilen.

Mexiko: Stimmung könnte Tiefpunkt erreichen

Für die Schwellenländer gehen mit der Präsidentschaft Trumps zahlreiche Risiken einher. So wird der US-Präsident seinen Einfluss auf die Wirtschaftspolitik mit Blick auf die Schwellenländer geltend machen, z.B. in Form höherer Handelszölle und -hemmnisse, einer Neuverhandlung des NAFTA-Abkommens oder indem er Länder wie China oder Korea, die ihre Währung manipulieren, an den Pranger stellt. Wirtschaftliche Gründe könnten zwar dazu führen, dass den starken Worten keine ebensolchen Taten folgen. Aber vor allem in Mexiko könnte die Stimmung auf einen Tiefpunkt sinken.

Dierk Brandenburg, Analyst für Staatsanleihen

Dierk BrandenburgTrump hat gesiegt – alles in allem kein günstiges Umfeld für US-Staatsanleihen

Es wird ein paar Tage dauern, bis sich der Staub gelegt hat. Davon abgesehen, ist der Wahlausgang für US-Wertpapiere jedoch keineswegs nur negativ. Trump ist ein starker Befürworter niedrigerer Steuern für Firmen und Privathaushalte. Falls er seinen Worten Taten folgen lässt, sollte der Unternehmenssektor davon im Endeffekt profitieren.

Kein günstiges Umfeld für US-Staatsanleihen

Steigende Volatilität und Ungewissheit könnte die US-Notenbank (Fed) veranlassen, die Zinsen auf ihrer Dezember-Sitzung unverändert zu lassen – entgegen den bisherigen Erwartungen. Schon bald wird die Börse jedoch eine restriktivere Haltung der Fed einpreisen, und sei es nur als Reaktion auf die hohe Dosis haushaltspolitischer Stimuli, die die neue Regierung verabreichen wird. Das ist kein günstiges Umfeld für US-Staatsanleihen: Ihre Kurse dürften unter Druck geraten, und die Renditekurve wird weiter an Steilheit gewinnen.

Verdoppelung der Staatsschulden in den nächsten zehn Jahren

Eine wesentlich expansivere Haushaltspolitik wird es für die neue US-Regierung nicht einfacher machen, einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Im März 2017 steht die nächste Debatte über die Schuldengrenze auf der Agenda – sie wird in Washington vermutlich noch mehr als bisher ein Dauerthema sein. Das geplante Konjunkturprogramm wird laut einer ersten Schätzung zur Verdoppelung der Staatsschulden innerhalb der nächsten zehn Jahre und zu einer dramatischen Ausweitung des Primärdefizits der USA führen (auf Basis des Penn-Wharton-Haushaltsmodells).

US-Protektionismus trifft in Schwellenländern auf wenig Begeisterung

Trumps Wahlsieg wird populistischen Bewegungen weltweit Auftrieb geben. Mit Sicherheit wird er auch den Brexit-Befürwortern in Großbritannien Mut machen, die in Trump einen wohlwollenderen Partner bei der Aushandlung von Handelsabkommen sehen werden. Das protektionistische Mantra der neuen Regierung wird wichtige Handelsabkommen torpedieren, denen die USA bereits beigetreten sind. Die Aussicht auf höhere Zölle werden einige Staaten nicht gerade begrüßen. Das gilt vor allem für Schwellenländer, die im Export die Hauptquelle ihres wirtschaftlichen Wachstums sehen.

Was erwartet uns mit Trump als Präsident?

Im Gegensatz zu früheren US-Wahlen sehen Anleger dieses Mal mehr Risiken. Steht Hillary Clinton noch für eine gewisse Kontinuität, wird Donald Trump eher als Gefahr für die Märkte gesehen. James Bateman, CIO Multi Asset, erläutert mögliche Entwicklungen auf Finanzmärkte und Wirtschaft mit Trump als Präsident.

"Was erwartet uns mit Trump als Präsident?" (PDF)

Die wichtigsten Vorhaben von Trump

Im Wahlkampf dreht sich alles um die künftigen Pläne und Strategien der Kandidaten. Aber welche sind für Anleger besonders von Belang? Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Vorhaben der beiden Präsidentschaftsanwärter vor.

Staatsausgaben
  • Keine Ausgabenkürzung für Sozialversicherung und Medicare, mehr Ausgaben für Verteidigung, Kürzung freiwilliger Leistungen
  • Verdopplung der Infrastrukturausgaben auf 500 Mrd. US-Dollar
Steuerreform
  • Vereinfachen der Steuergesetze, Senken der Einkommenssteuer sowie der Körperschaftssteuer (- 15 %)
Internationaler Handel
  • Gegen TPP, gegen NAFTA (sofern nicht reformiert), negative Haltung zu TTIP, für Zölle
Gesundheit
  • Zurücknahme eines Teil bzw. der gesamten Gesundheitsreform, an deren Stelle Marktreformen treten sollen
  • Aufrechterhalten der Medicare-Finanzierung, Neuverhandeln der Preise mit Pharmaherstellern
Finanzmarktregulierung
  • Abschaffen des Dodd-Frank-Gesetzes zum Ankurbeln der Bankenkreditvergabe
  • Staatliche Prüfung der US-Notenbank
Einwanderung
  • Bau "einer großen Mauer" an der Grenze zu Mexiko, verstärkte Grenzkontrollen und mehr Grenzkontrolleure

Demokraten oder Republikaner – Einfluss auf Börsen

Auch wenn die US-Börsen während der Amtszeit demokratischer US-Präsidenten bisher eine bessere Entwicklung zeigten, müssen immer auch die jeweils vorherrschenden wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen der Zeit gesehen werden.

Kapitalmarktexperte Carsten Roemheld ist der Meinung, dass zwischen dem politischen Lager des Präsidenten und der Börsenentwicklung insbesondere in mittel- und langfristiger Sicht kein enger Zusammenhang besteht. Anleger sollten sich daher von politischen Wahlen in ihrer Investmententscheidung nicht beeinflussen lassen, sondern ihre Anlagestrategie konsequent weiterverfolgen.

US-Präsidenten und die Börsenentwicklung

Häufig herrscht die Vorstellung, dass republikanische Präsidenten aufgrund ihrer eher wirtschaftsliberalen Haltung für bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen und damit auch für steigende Aktienkurse sorgen. Analysiert man allerdings die Kursentwicklungen des S&P 500 von 1928 bis heute, zeigt sich, dass sich die Aktienkurse während republikanisch geführter Regierungen schlechter entwickelten als unter demokratischen Präsidenten. Vier Amtsperioden eines republikanischen Präsidenten, aber nur eine eines demokratischen Präsidenten, endeten mit Kursverlusten.

US-Präsidenten und die Börsenentwicklung

Kursindex in % annualisiert

Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung.

Quelle: Fidelity, Bloomberg, Helaba Volkswirtschaft Research, FERI, Stand: 31.12.2015

Die Macht des US-Kongresses

Der US-Präsident braucht für alle politischen Vorhaben die Zustimmung des US-Kongresses, der aus Repräsentantenhaus und Senat besteht. Hat der Präsident die Mehrheit in beiden Kammern hinter sich, kann er extremere politische Maßnahmen durchsetzen. Dieses Risiko ist wahrscheinlich geringer, wenn eine Partei den Präsidenten stellt und die andere die Mehrheit im Kongress hat. Oder wenn die Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus bei verschiedenen Parteien liegen. Dass die Republikaner künftig über die Mehrheit in beiden Häusern verfügen, ist auch eine Chance, den politischen Stillstand der letzten Jahre in der amerikanischen Innenpolitik zu beenden.

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