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Wahl in Großbritannien

Die Auswirkungen des politischen Patts im Parlament

Das Ergebnis der Parlamentswahl steht fest, keine Partei konnte eine klare Mehrheit erringen. Welche Folgen hat das für die Wirtschaft in Großbritannien und in Europa? Unsere Anlageexperten beleuchten die möglichen Auswirkungen und welche Anlagechancen sich daraus ergeben.

Webinar-Aufzeichnung: Nach der Wahl in Großbritannien

Im Webinar analysiert Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege von Fidelity, gemeinsam mit Claude Hellers, Leiter Vertrieb von Fidelity, den Wahlausgang, die Folgen für die Brexit-Verhandlungen und die Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft.
 

Das sagen unsere Investmentexperten zum Wahlergebnis

Dominic Rossi – Global Chief Investment Officer

Dominic RossiDieses Ergebnis haben die Märkte befürchtet. Sie waren falsch positioniert und das weltweite Vertrauen in Großbritannien wird leiden. Das britische Pfund ist das erste Opfer. Mit der Ankündigung der Wahl stieg das Pfund gegenüber dem US-Dollar von knapp über 1,20 auf fast 1,30. Wir erwarten, dass das britische Pfund nun entsprechend wieder fällt. Über Nacht ist es schon auf 1,27 gefallen.

Die Unsicherheit wird dem britischen Aktienmarkt einen Dämpfer verpassen. Die Aussicht auf eine weitere Wahl in den nächsten Monaten wird für Anleger in britischen Aktien das Risiko erhöhen; vor allem in Verbindung mit den Austrittsverhandlungen, die jetzt noch mehr Unwägbarkeiten bereithalten.

Paras Anand – Chief Investment Officer Aktien Europa

Paras AnandAuf den ersten Blick könnte man annehmen, dass das Wahlergebnis die Märkte negativ überrascht. Dabei sollten Anleger ihren Blick auf die eher schwache Reaktion von Aktien-, Renten- und Devisenmärkten richten. Zum einen haben die Kurse in Großbritannien und zum gewissen Grad auch weltweit eine Phase der politischen Unsicherheit bereits eingepreist. Zwar war das politische Patt im britischen Parlament nicht erwartet worden, dennoch hatte die Komplexität der anstehenden Austrittsverhandlungen bereits Unsicherheit ausgelöst.

Einfach gesagt ist es nichts Neues, dass wir vor einer Phase politischer Unsicherheit stehen. Zum anderen hat die Unsicherheit dazu geführt, dass der britische Markt langfristig attraktiv bewertet ist, insbesondere im Vergleich zu anderen Märkten weltweit. Das trägt zum Teil auch dazu bei, das der Verkaufsdruck nicht so stark ist. Unsere Aufgabe als aktiver Fondsmanager ist es, sich auf die langfristigen Aussichten einzelner Unternehmen zu konzentrieren und keinen kurzfristigen Marktprognosen zu folgen.

Matthew Siddle – Fondsmanager europäische Aktien

Matthew SiddleEine weitere Wahl, eine weitere Überraschung. Das Ergebnis der Wahl in Großbritannien bringt vor allem Unsicherheit. Keine Partei hat genügend Sitze um alleine zu regieren, auch wenn es so aussieht, also ob die Konservativen mit Unterstützung der DUP, der größten Partei in Nordirland, eine Mehrheit erzielen könnten. Das Ergebnis spiegelt nicht einfach nur die Brexit-Situation wider. Die Liberaldemokraten und die Schottische Nationalpartei haben als klare Gegner des Brexit Stimmen und Sitze verloren, während die Konservativen Sitze dazugewonnen haben. In Schottland, das ja für den Verbleib in der EU gestimmt hat, haben die Konservativen ihre Stimmen sogar verdoppelt, hingegen haben sie in England, das die meisten Brexit-Befürworter hatte, Sitze verloren. Stattdessen haben auch andere Faktoren die Wahl beeinflusst, insbesondere die Staatsausgaben nach Jahren des Sparens. Die Labour-Partei hat sowohl Stimmen als auch Sitze hinzugewonnen, dennoch bleiben sie klar die Nummer zwei. Das Ergebnis bringt vor allem eins, nämlich Unsicherheit. Und zwar darüber, wie der Brexit verlaufen wird, über die Richtung der Innenpolitik und über die Zukunft von Premierministerin May.

Eine solche Unsicherheit ist nicht gut für die Märkte und das britische Pfund wird wohl der Verlierer des Tages sein. Wie immer in einer solchen Situation achte ich darauf, dass das Portfolio meiner Fonds keinen gesamtwirtschaftlichen oder politischen Risiken ausgesetzt ist. Daher beobachte ich das Wirtschaftsumfeld genau und verfolge möglich Risiken der Fonds gegenüber dem Markt ganz genau. Zwar sind in meinen Europa-Fonds britische Unternehmen übergewichtet, jedoch sind die meisten hauptsächlich international tätig und nur begrenzt am britischen Markt. Der Umsatzanteil, der in Großbritannien erwirtschaftet wird, ist daher gering. Über bestimmte Unternehmen sind meine Fonds zwar in der Finanzbranche investiert, in anderen binnenorientierten Wirtschaftszweigen wie Einzelhandel und Immobilien dagegen nicht.

Eugene Philalithis – Fondsmanager Multi Asset

Eugene PhilalithisEin Parlament ohne klare Mehrheiten verheißt nichts Gutes für Vermögenswerte, die auf Pfund Sterling lauten. Das Ergebnis könnte für Spannungen sorgen, deren Hauptlast wahrscheinlich die Währung tragen muss. In den letzten zwölf Monaten hat der binnenmarktlastige FTSE 250 Index zwar gut abgeschnitten. Aber von neuen Unsicherheiten und einer höheren Inflation, die den Konsum ausbremsen kann, dürfte in den nächsten Monaten erheblicher Gegenwind ausgehen. Drei Monate nach dem Auslösen von Artikel 50 ist unklar, wer aufseiten Großbritanniens die Verhandlungen führen und – viel wichtiger noch – welches konkrete Ziel damit verfolgt werden soll. Auch wenn mit den Verhandlungen ernsthaft wohl nicht vor den Bundestagswahlen in Deutschland begonnen wird, ist die derzeit ungeklärte Lage sicher nicht das, was die Briten wollten.

Matthew Jennings – Investment Director europäische Aktien

Matthew JenningsWegen der unklaren Mehrheitsverhältnisse im Unterhaus müssen die Märkte mit zwei konkurrierenden Szenarien zurechtkommen. Erstens dürfte die alte Binsenweisheit, wonach der Markt Unsicherheit verabscheut, Schwankungen an den Devisen- und Kapitalmärkten nach sich ziehen. Denn Anleger müssen die Zugeständnisse der Parteien gleich welcher Couleur beim Versuch einer Regierungsbildung ins Kalkül ziehen.

Zweitens wird ein neuerliches Brexit-Referendum auf einen Schlag zu einer realen Möglichkeit, wenn die Schottische Nationalpartei oder die Liberaldemokratische Partei in einer Koalition ein gewichtiges Wort mitredet. Anleger werden in diesem Fall ihre Annahmen zu Großbritannien und der EU überdenken.

Trotz unvermeidlicher Schwankungen werden die Marktakteure aber aller Voraussicht nach mit wichtigen Anlageentscheidungen warten, bis klar ist, welche Regierung sich aus der Pattsituation im Parlament ergibt.

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