China ist nicht nur aufgrund seiner dynamischen Wirtschaft attraktiv für Anleger. Die schrittweise Aufnahme chinesischer A-Aktien in internationale Indizes dürfte in den nächsten Jahren für Zuflüsse und dadurch für ein robustes strukturelles Wachstum sorgen.

Für ausländische Anleger sind chinesische A-Aktien bis heute exotische Papiere. Nur drei Prozent des Marktwerts der in Shenzhen und Shanghai gelisteten Papiere sind im nichtchinesischen Besitz. Zum Vergleich: In Hongkong gelistete Aktien sind zu rund einem Drittel in ausländischer Hand.1 Dabei bietet der Onshore-Markt ein weit größeres Universum an chinesischen Emittenten als Offshore-Papiere und dadurch neben Renditechancen auch gute Möglichkeiten zur Diversifizierung. 

Seit gut zwei Jahren halten A-Aktien nun schrittweise Einzug in internationale Indizes – und landen dadurch automatisch in vielen nichtchinesischen Portfolios. Denn Indexfonds sind verpflichtet, die neue Zusammensetzung solcher Indizes abzubilden. 

Gewichtung von A-Aktien nimmt zu

Am 31.5.2018 wurden erstmals chinesische A-Aktien in MSCI-Indizes aufgenommen. Los ging es mit nur gut 200 A-Aktien (ein kleiner Anteil des Universums) wobei diese in den MSCI-Indizes nur mit fünf Prozent ihrer Marktkapitalisierung gewichtet wurden. 

Der Hauptgrund für die vorsichtige Aufnahme von A-Aktien: Da die chinesische Regierung den Markt für Onshore-Papiere streng reglementiert und den Handel in der Vergangenheit wiederholt ausgesetzt hat, sollte zuerst der reibungslose Zugang für internationale Investoren mit einer kleinen Gewichtung erprobt werden. Zwar öffnet sich der Markt stetig, doch bis heute existieren für nichtchinesische Investoren klare Einschränkungen im Handel mit A-Aktien. 

Seitdem hat MSCI die Gewichtung schrittweise erhöht, im November 2019 zuletzt auf 20 Prozent der Marktkapitalisierung. Außerdem wurden erstmals auch Mid-Caps eingeschlossen.2

Im September 2019 wurde eine Auswahl an A-Aktien, die internationalen Investoren über das Handelsprogramm Stock Connect zugänglich sind, zudem in globale Indizes von S&P DJI aufgenommen, bei einer Gewichtung von 25 Prozent ihrer Marktkapitalisierung.3

Index-Aufnahme: Mehr Rendite, weniger Volatilität

Schon die teilweise Aufnahme der A-Aktien in internationale Indizes hat sich für viele Anleger gelohnt. Die Schwellenmarktindizes von S&P etwa boten dank der chinesischen Onshore-Papiere mehr Rendite bei geringerem Risiko. Chinesische Aktien waren hier im vergangenen Jahr der Hauptrenditetreiber: Zwischen September 2019 und September 2020 hat der S&P Emerging BMI 9,5 Prozent zugelegt. Ohne A-Aktien hätte der Index nur 8,2 Prozent gewonnen, ohne chinesische Aktien generell (also auch ohne an anderen Börsen gelistete chinesische Papiere) hätte der Index sogar zwei Prozent im Minus gelegen. 

Chinesische Aktien verbessern das Risiko-Rendite-Profil

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Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Richtwert für zukünftige Erträge. Anlagen in Schwellenländern können volatiler sein als in anderen entwickelteren Märkten. Fremdwährungsanlagen können Wechselkursänderungen unterliegen.
 
Quelle: S&P Dow Jones Indices.

Die Zuflüsse allein aus passiv verwalteten Fonds in chinesische A-Aktien wurden für 2019 auf 100 Milliarden Dollar geschätzt.Diese Dynamik birgt in den kommenden Jahren noch viel Potenzial. Während A-Aktien bei einer Gewichtung von fünf Prozent ihrer Marktkapitalisierung noch lediglich 0,8 Prozent des MSCI Emerging Markets Index ausmachten, würde ihr Anteil bei einer hundertprozentigen Aufnahme in den Index auf 16,2 Prozent steigen. Zusammen mit Offshore-Papieren hätte China in diesem Schwellenmarktindex dann einen Anteil von über 40 Prozent. 

A-Aktien könnten zum Schwergewicht in großen Indizes werden

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Quelle: MSCI (https://www.msci.com/msci-china-a-inclusion). Gewichtung bei 5%: Stand August 2018.

Zusammenspiel von strukturellem und organischem Wachstum

Die strukturellen Zuflüsse, die durch eine steigende Gewichtung in globalen Indizes zu erwarten sind, dürften eine langfristige Stütze für chinesische A-Aktien sein. Wann und wie schnell die großen Indexanbieter ihre Gewichtung von A-Aktien weiter erhöhen, ist jedoch noch ungewiss. Einer weiteren Erhöhung steht unter anderem im Wege, dass internationale Investoren kaum Möglichkeiten zum Risikomanagement haben, da der Zugang zu Hedging-Instrumenten und Derivaten weiter eingeschränkt bleibt. Es ist zu erwarten, dass China den Marktzugang weiter erleichtert und die verfügbaren Instrumente für internationale Anleger ausbaut. Die Situation erfordert natürlich einen entsprechenden Anlagehorizont. 

Im Zusammenspiel mit der Wachstumsdynamik der chinesischen Wirtschaft, der geringen Korrelation von Onshore-Papieren mit anderen Märkten und dem großen Anlageuniversum macht das strukturelle Potenzial chinesische A-Aktien in den kommenden Jahren zu einer spannenden und einzigartigen Chance für Anleger.

Quellen

1 https://kraneshares.com/china-a-shares-from-a-good-option-to-an-essential-piece-of-the-em-puzzle/# 
https://www.msci.com/documents/10199/238444/China_A_Further_Weight_Increase_PR_Eng.pdf/43f3ee8b-5182-68d4-a758-2968b4206e54
3 https://www.spglobal.com/en/research-insights/articles/china-a-share-inclusion-an-update-one-year-later
4 https://kraneshares.com/china-a-shares-from-a-good-option-to-an-essential-piece-of-the-em-puzzle/# 

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