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China: Nachhaltige Geldanlage nach eigenen Regeln

Die Regulierung, die Unternehmen vorgibt, wie sie mit Nachhaltigkeitszielen umgehen sollten, lässt in China noch zu wünschen übrig. Wie Anleger trotz mangelnder Transparenz und schwacher Kontrollmechanismen ein nachhaltiges Portfolio aufbauen und böse Überraschungen vermeiden können.

In westlichen Industriestaaten, wo Nachhaltigkeit seit Jahren ein Kernthema für Firmenlenker ist, können sich Anleger in der Regel auf das Wort der Unternehmen verlassen. Firmen schätzen selbst die Umweltverträglichkeit ihrer Aktivitäten ein, oder berichten etwa über ihre sozialen Programme und die Arbeit des unabhängigen Aufsichtsrats.

In China haben es Anleger deutlich schwerer, wenn sie Unternehmen nach ESG-Kriterien bewerten wollen. Denn zwischen der Praxis und der Kommunikation zu Nachhaltigkeitszielen liegen hier Welten. Das heißt nicht unbedingt, dass Firmen ein gutes Verhalten vortäuschen. Vielmehr verhalten sie sich oft vorausschauend, sie kommunizieren ihre Nachhaltigkeitsziele und -Maßnahmen jedoch schlecht.

Worauf Anleger bei der Nachhaltigkeitsanalyse in China besonders achten müssen:

  • Regulierung: Die Offenlegung vieler ESG-Kennzahlen und -Ziele ist für chinesische Unternehmen noch keine Pflicht, sondern liegt in ihrem eigenen Ermessen. So manchem Unternehmen fehlt bisher noch das Bewusstsein für die Bedeutung von Nachhaltigkeitsberichten, oder sie sehen keinen wirtschaftlichen Anreiz, um den nötigen Aufwand zu betreiben. Die Kommunikation zu Nachhaltigkeitsthemen richtet sich deshalb oft nach dem regulatorisch geforderten Minimum, auch wenn Unternehmen in der Praxis schon viel weiter sind. Diese Unternehmen zu finden erfordert einen größeren Aufwand seitens der Anleger. Für aktive Vermögensverwalter kann es sich lohnen, mit Aufsichtsbehörden in den Dialog zu treten und so auf mehr Transparenz und Ehrgeiz rund um Nachhaltigkeit zu pochen.
  • Kontrollmechanismen: In China ist auf die internen Kontrollmechanismen weniger Verlass als etwa in deutschen Unternehmen. Nur ein Drittel des Boards muss dort mit Personen besetzt sein, die kein finanzielles Interesse am Unternehmen haben. Zwei Drittel des Boards decken sich daher oft mit dem Management, während das „unabhängige“ Drittel zuweilen aus dem Freundes- und Familienkreis des größten Aktionärs stammt.
  • Einfluss des Staates: Staatskonzerne sind eine Besonderheit des chinesischen Marktes, die Vor- und Nachteile für nachhaltige Anlagestrategien mit sich bringt. Die Führungsstrukturen führen hier tendenziell zu Abzügen im Governance-Bereich. Dafür behalten Staatskonzerne oft besser im Blick, wie ihre Aktivitäten die Gesellschaft und die Umwelt beeinflussen.
  • Eigentümerstruktur: Die Eigentümerstruktur chinesischer Unternehmen ist oft deutlich konzentrierter als in europäischen oder amerikanischen Unternehmen. Der Staat oder der Gründer haben dadurch große Entscheidungsmacht, was zuweilen dazu führt, dass die Interessen von kleineren Anteilseignern missachtet werden.
  • Anlegerrechte: Minderheitseigner haben in China zuweilen eine schwächere Position, da es häufig vorkommt, dass ein Mehrheitsaktionär besonders viel Entscheidungsmacht auf sich vereint. An der neuen chinesischen Technologiebörse STAR Board sind zudem ungleich gewichtete Stimmrechte erlaubt.
  • Ratings: In anderen Industriestaaten verlassen sich Anleger bei der Bewertung von Nachhaltigkeit oft auf Ratings großer Agenturen. In China reflektieren diese die tatsächliche Lage oft nur schlecht, da sich das Gros der Ratings auf Formalien und die eigenen Angaben der Unternehmen stützen. Nur so können Agenturen effizient eine große Anzahl von Unternehmen auf ihrer Notenskala einstufen.

Aus der Praxis

Um die Nachhaltigkeit chinesischer Unternehmen trotz all dieser Widrigkeiten richtig einzustufen, ist es nötig, diese über Jahre hinweg zu beobachten und aktiv mit ihnen in den Dialog zu treten. Zwei Fallbeispiele zeigen, warum die ESG-Analyse nach oberflächlichen Kriterien in China schlecht funktioniert:

Versteckte Governance-Probleme

Ein asiatisches Unternehmen konnte bei internationalen Rating-Agenturen lange Zeit Bestnoten in der Kategorie Governance erzielen, weil das Board (anders als bei den meisten Wettbewerbern) mehrheitlich unabhängig war. Der Gründer des Unternehmens saß zu dem Zeitpunkt wegen Betrugs hinter Gittern. Später stellte sich heraus, dass dieser die Geschäfte auch aus dem Gefängnis heraus noch steuerte. Weil er seinem Management-Team nicht traute, besetzte er das Board mit unabhängigen Personen, die er jedoch beeinflussen konnte. Das Beispiel zeigt, dass eine Analyse auf Basis der eigenen Angaben von Unternehmen nicht immer belastbare Schlussfolgerungen zulässt.

Versteckte ESG-Verdienste

Ein chinesischer Hersteller von Elektrogeräten erhielt von Rating-Agenturen eine schlechte ESG-Note, weil das Unternehmen kaum Angaben zu seinen Nachhaltigkeitszielen und -Praktiken machte. Das Unternehmen gehörte jedoch zu 80 Prozent einem französischen Konzern, der verbindliche Nachhaltigkeitsstandards für alle Tochtergesellschaften definiert hatte. Die schlechte ESG-Note für die chinesische Tochter war daher unverdient und lediglich ein Ergebnis der geringen Reporting-Anforderungen in China.

Fazit: Noch ist die Geldanlage nach ESG-Kriterien in China mit besonderen Herausforderungen verbunden. Die Aufsichtsbehörden arbeiten jedoch an einer Weiterentwicklung der Regularien. So dürften formale Nachhaltigkeitsberichte auch in China bald zum Pflichtprogramm gehören. In den Unternehmen dürfte das nicht nur die Transparenz, sondern auch die Nachhaltigkeitspraxis weiter verbessern.

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