Wie kam der Fidelity Sustainable Water & Waste Fund durch das volatile Jahr 2020? Fondsmanager Bertrand Lecourt zieht Bilanz zum zweijährigen Fondsjubiläum, blickt zurück auf ein „außergewöhnliches Jahr“ – und prognostiziert für das Jahresende eine Sektorrotation.

Behandelte Themen:
Nachhaltigkeit, Wasser, Abfall

Strukturelle Trends, solide Fundamentaldaten und eine nachhaltige Orientierung: Zeitweilig sah es 2020 so aus, als würden solche langfristigen Erfolgsfaktoren aus dem Blickfeld geraten. Auch der Fidelity Sustainable Water & Waste Fund konnte sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Doch sowohl die Wasser- als auch die Entsorgungsunternehmen haben sich im weiteren Verlauf des Jahres als widerstandfähig erwiesen. Fondsmanager Bertrand Lecourt zieht Bilanz zum zweijährigen Fondsjubiläum, blickt zurück auf ein „außergewöhnliches Jahr“ – und prognostiziert für das Jahresende eine Sektorrotation.

 

Auf einen Blick

  • Abfallbranche und Wasserunternehmen. Die Widerstandsfähigkeit von Entsorgungsunternehmen ist ein gutes Vorzeichen für ihre Erfolgsaussichten nach der Krise. Ihre zugrunde liegenden Fundamentaldaten sind solide, und der Fondsmanager sieht noch erhebliches Wertpotenzial. Auch die Aussichten für die Wasserunternehmen beurteilt der Fondsmanager für 2021 weiterhin positiv.

  • Nachhaltigkeit. Immer mehr Anleger legen Wert auf verantwortungsvolles Investieren. Für den Fonds bedeutet das Rückenwind, da er vollständig auf gleich zwei nachhaltige Themen fokussiert ist.

  • Perspektiven. Zum Jahreswechsel werden viele Investoren eine stärkere Diversifizierung anstreben: Davon ist Bertrand Lecourt überzeugt. Er sieht deshalb eine weitergehende Sektorrotation voraus, von der auch die Wasser- und Abfallbranche profitieren könnte.

Interview mit Bertrand Lecourt, Fondsmanager des Fidelity Sustainable Water & Waste Fund

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Sitz: London, Investmenterfahrung: über 20 Jahre

Herr Lecourt, wie ist Ihr Fonds durch das volatile Jahr 2020 gekommen?

Politik, Emotionen, eine neuartige Krise: Es war wirklich ein sehr merkwürdiges Jahr mit starken Sektorrotationen. Die Aktienkurse scheinen sich in diesem Jahr von den Fundamentaldaten abgekoppelt zu haben.

Das haben auch wir zu spüren bekommen: Unser Fonds ist auf Dienstleistungs-, Ausrüstungs- und Versorgungsunternehmen ausgerichtet, alle aus der Wasser- und Abfallbranche. Daher traf es auch uns im März als „Stay at Home“-Aktien boomten.

Im zweiten Quartal wurden die Auswirkungen der landesweiten Lockdowns und Restriktionen auf die Unternehmen sichtbar. Diese waren weniger stark, als wir ursprünglich befürchtet hatten. Im dritten Quartal lag der Schwerpunkt dann wieder stärker auf den Fundamentaldaten. Und da bestätigte die Entwicklung unsere positive Einschätzung: Die Unternehmen im Portfolio haben Widerstandsfähigkeit gezeigt, die Krise sehr gut gemeistert und bei der Umkehr der Sektorrotation überdurchschnittlich gut abgeschnitten.

Hätten Sie im Nachhinein dennoch gerne etwas anders gemacht?

Im Nachhinein betrachtet gibt es einige wenige Aktien, bei denen ich anders hätte agieren können: Vor allem bei den Titeln, die sehr unter der Coronakrise gelitten haben, hätte ich mein Engagement früher zurückfahren können. Es gibt jedoch auch Beispiele wie Covanta: Solche Firmen wurden zu Unrecht vom Markt abgestraft und haben nun aufgrund starker Fundamentaldaten deutlich zugelegt.

Deshalb bin ich nach wie vor überzeugt: Die beste Möglichkeit für uns war es, einen diversifizierten Ansatz in den beiden Sektoren zu verfolgen. Also auf eine Übergewichtung bestimmter Unternehmen zu verzichten und die Firmen im Portfolio ihre Stärke ausspielen zu lassen, wenn die Fundamentaldaten erneut ins Blickfeld des Marktes geraten – so wie es jetzt der Fall ist (die genannten Unternehmen dienen zu rein illustrativen Zwecken. Dies stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der jeweiligen Werte dar. Die genannten Unternehmen zählen ggf. nicht zu den Fondsbeständen. Dies gilt auch für alle im weiteren Text genannten Unternehmensnamen).

Wie hat sich das Portfolio verändert – punktuell oder strukturell?

Eher punktuell. Strukturell haben wir unsere Ausrichtung auf Entsorgungsunternehmen etwas erhöht, da sie sich als widerstandsfähiger erwiesen und die Kosten besser im Griff haben. Im Portfolio haben wir sonst keine größeren strukturellen Änderungen vorgenommen, die geografische Ausrichtung etwa ist stabil geblieben. Wir wählen die Titel weiterhin nach dem Bottom-up-Prinzip aus. Im Detail haben wir unser Engagement in Desinfektionsmittelherstellern erhöht sowie im stark unterbewerteten Wasserbausegment in China. Andererseits haben wir uns von Unternehmen wie Danaher, Ecolab oder Thai Tap Water getrennt: zum Beispiel, weil sie unser Anlagethema nicht in ausreichender Reinheit abbilden oder weil sie sich nicht mehr an die ESG-Vorgaben des Fonds halten. Dadurch wurden im Sommer Gelder frei, die wir in Suez investiert haben; das Unternehmen hat bei einem Übernahmeangebot gut abgeschnitten. Während der letzten Rallye haben wir unsere Liquidität erhöht, indem wir Positionen in den Unternehmen abgebaut haben, aus denen wir uns allmählich zurückziehen wollten.

Stichwort ESG und Nachhaltigkeit: Was sind die Treiber für den Fonds?

Unser Schwerpunkt liegt nach wie vor auf Firmen mit thematischer Reinheit und guten ESG-Ratings (Environmental, Social, Governance). Angesichts dessen bekommt der Fonds aus verschiedenen Richtungen Rückenwind. In der Coronakrise ist einmal mehr deutlich geworden, dass Versorgungsleistungen wie Wasser und Abfall unverzichtbar sind. Anleger konzentrieren sich allmählich ebenfalls stärker auf diese Unternehmen. Denn viele möchten als Investoren wahrgenommen werden, die in nachhaltige Themen investieren. Zudem profitieren die Bereiche Bau und Konsum von Konjunkturprogrammen; das erhöht das Abfallaufkommen und den Wasserbedarf.

Haben Entsorgungsunternehmen unter dem nachlassenden Konsum gelitten?

Ein Blick auf die Cashflow-Entwicklung der Entsorgungsunternehmen zeigt, dass es hier fast keine Auswirkungen gegeben hat. Sie mussten ihre Dienste jedoch schnell anpassen: Der Konsum verlagerte sich von Schulen, Büros und Restaurants in die Privathaushalte hinein. Dort stieg die Müllproduktion um 20 %. Insgesamt haben sich Entsorgungsunternehmen als widerstandsfähiger gezeigt als Anbieter im Wasserbereich; sie weisen auch nach wie vor bessere Margen und Eigenkapitalrenditen auf. Deshalb haben wir – wie gerade schon angesprochen – unsere Gewichtung in Entsorgungsunternehmen erhöht und beurteilen sie weiterhin positiv.

Die Firmen haben auch aus der Krise gelernt. Die Konjunkturerholung könnte positive Überraschungen mit sich bringen, wenn sich die Lage 2021 wieder normalisiert.

Der Fonds hat die globalen Abfallindizes übertroffen, die Wasserindizes nicht: Wie interpretieren Sie das?

Wasserindizes werden in der Regel nach Marktkapitalisierung gewichtet und von großen Unternehmen wie Danaher und Halma bestimmt. Wir entschieden uns trotzdem (mit Ausnahme von American Water Works) gegen eine Investition – aufgrund der fehlenden thematischen Reinheit: Die Firmen waren einfach zu wenig auf unser Anlagethema fokussiert. Ihr Wachstum wurde unter anderem durch Mergers-&-Acquisitions-Aktivitäten vorangetrieben, so dass Wasser nur noch weniger als 25 % ihres Geschäfts ausmacht.

Was erwarten Sie für den Rest des Jahres 2020?

Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht wäre ein Niedrigzinsumfeld mit einer gewissen Inflation sehr gut für den Sektor. Es würde die Finanzierung erleichtern und die Wiederbeschaffungskosten von Vermögenswerten erhöhen, was wiederum ihren Wert steigern würde. Neben der lockeren Geldpolitik spielt auch die Fiskalpolitik eine wichtige Rolle, da sie den Konsum und die Investitionen in die Wasser- und Abfallinfrastruktur ankurbelt. Im Hinblick auf potenzielle Sektorrotationen sind Ausrüstungs-, Versorgungs- und Dienstleistungsanbieter im Vergleich zu Technologie-, Pharma- und Konsumgüterunternehmen eher unbeliebt. In den letztgenannten Branchen sind viele Anleger übergewichtet. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend umkehren wird, da viele Investoren zum Jahreswechsel eine stärkere Diversifizierung anstreben. Zudem wird dem Markt nun klar, dass solide Betriebsabläufe und Fundamentaldaten neu bewertet werden müssen

Chancen

  • Anleger können von der wachsenden Nachfrage nach Wasser- und Abfallmanagement profitieren.

  • Die Wasser- und Abfallbranchen sind vergleichsweise unzureichend analysiert. Das eröffnet Anlagechancen.

  • Die globale Streuung auf Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette soll Risiken mindern.

  • Das Portfolio ist eher defensiv ausgerichtet. Es enthält keine bzw. nur wenige Aktien von Technologie- oder Finanzunternehmen.

Risiken

  • Der Wert der Anteile des Aktienfonds kann schwanken und wird nicht garantiert.

  • Der Fonds investiert auch in Schwellenländern, für die besondere politische und wirtschaftliche Risiken bestehen können.

  • Der Fonds hält auch Titel in Fremdwährungen. Änderungen der Wechselkurse können zu Wertverlusten führen.

  • Der Fokus auf Firmen mit starkem ESG-Rating kann die Rendite beeinträchtigen. Das ESG-Rating eines Unternehmens kann sich verändern.

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