Behandelte Themen:
Coronakrise, Volatilität, Weltwirtschaft

Trotz erneuter Mobilitätsbeschränkungen zeigen alle Teilbereiche des Frühindikators von Fidelity eine erhebliche Stärke, während die Politik sich bemüht, die Wirtschaft bis zur erhofften Einführung eines Coronavirus-Impfstoffs im Jahr 2021 zu stützen.

Der Fidelity Frühindikator setzte seinen Vorstoß in den rechten oberen Quadranten mit weit über dem Trend liegenden Wachstum fort. Die Dreimonatsdynamik ist nun die höchste, die jemals registriert wurde, und im 1-Jahresvergleich bewegt sich der Wert auf dem Niveau kleiner Einbrüche nach der Finanzkrise.

Der Aufschwung ist breit basiert, wobei es in jedem Teilbereich des Indikators zu beschleunigtem Wachstum kommt. Die quantitative „Prognose" des Frühindikators ist nach wie vor positiv und liegt in der Nähe ihres bisherigen Höchststands. Dies spricht für das Eingehen von Risiko und für eine kurze Duration.
 

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Die Datenpunkte zeigen den monatlichen Frühindikator-Wert zwischen September 2018 und September 2020. Quelle: Fidelity International, Oktober 2020.

Die Ergebnisse der Unternehmensumfragen deuten angesichts nach wie vor positiver Entwicklung der Einkaufsmanagerindizes weiterhin auf Expansion hin. Die Auftragsneueingänge im Produzierenden Gewerbe entwickelten sich im Verhältnis zum Abbau der Lagerbestände sehr robust; dieser Trend hat sich weiter beschleunigt. Im Dienstleistungssektor hat sich die Stimmung weiter aufgehellt, wenn auch mit verlangsamtem Tempo, da neue Mobilitätsbeschränkungen eingeführt werden. Hierbei handelt es sich aber vorerst nur um eine unwesentliche Tendenz.

Der Indikator für den Welthandel befindet sich weit im rechten oberen Quadranten. Hier fallen sowohl harte als auch weiche Daten gut aus. Nachdem sich die Hightech-Exporte widerstandsfähig gezeigt hatten, folgt nun eine Erholung auch in anderen Branchen wie der Textil- und Automobilindustrie. Die globalen Frachtraten sind rückläufig, was vielleicht eine einsetzende Preiskorrektur bei einigen Industrierohstoffen nach starkem Anstieg widerspiegelt; die Umfragekomponenten deuten aber auf einen positiven Basistrend hin.

Die Indikatoren für den Konsum und den Arbeitsmarkt haben sich endlich zu den übrigen im rechten oberen Quadranten gesellt. Oberflächlich betrachtet scheint sich die Arbeitsmarktlage sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten deutlich verbessert zu haben. Jedoch lässt das Verbrauchervertrauen in den USA offenbar nach, was möglicherweise auf ein Auslaufen fiskalpolitischer Hilfen zurückzuführen ist. Darüber hinaus könnten erneute Beschränkungen in den meisten Industrieländern einen weiteren Anstieg des Verbrauchervertrauens hemmen.

Die Auftragseingänge in der Industrie haben es ebenfalls in den oberen rechten Quadranten geschafft, nachdem sie zunächst noch im Rückstand waren. In Japan scheint sich die Relation aus Lagerbeständen zu Verkäufen nach einer drastischen Verschlechterung auf dem Weg der Normalisierung zu befinden. Unterdessen setzt sich die Erholung in der amerikanischen und deutschen Industrie fort.

Tempo der Wirtschaftserholung verlangsamt sich

Die starke Dynamik des Fidelity Frühindikators stärkt die Zuversicht, dass die Politik bei der Überbrückung der Zeit bis zur erhofften Impfstoffeinführung im Jahr 2021 erfolgreich ist, obwohl die Rückschlagsrisiken für das Wachstum zunehmen. Das Tempo der Erholung wird sich unweigerlich verlangsamen, da sich viele Volkswirtschaften einem neuen konjunkturellen Gleichgewichtsniveau annähern, das von den Vorgaben zum Abstandhalten bestimmt wird. Zu den Schlüsselfaktoren, die es in naher Zukunft zu beobachten gilt, gehören die anhaltende Wiedereinstellung von Mitarbeitern, die Entwicklung der Produktivität angesichts einer sich verfestigenden „neuen Normalität", erneute Mobilitätseinschränkungen in weiten Teilen der westlichen Welt und auslaufende fiskalpolitische Hilfen - insbesondere in den USA.

Die Aussichten für die US-Fiskalpolitik sind angesichts der verfahrenen Kongressverhandlungen besonders trübe. Je nachdem, welche der Parteien den Kongress kontrolliert und die Präsidentschaft innehat, reichen die Aussichten von einem möglichen Absturz der fiskalpolitischen Unterstützung im Jahr 2021 bis zu einem enormen Steuer- und Ausgabenstimulus. Auch viele andere westliche Volkswirtschaften sind dabei, ihre fiskalpolitischen Hilfen zu reduzieren (wobei dort der Sozialstaat eine stärkere Basis besitzt). In China fielen die Anreize für den Konsum nicht besonders groß aus. Im vierten Quartal treten wir in eine entscheidende Phase ein, da dann die Ergebnisse der Impfstoffversuche veröffentlicht werden. Positive Ankündigungen könnten wieder für neue Zuversicht sorgen und die Realinvestitionen sowie den Konsum ankurbeln. In diesem Fall würde ein Ende der Covid-19-Krise in greifbare Nähe rücken.
 

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