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Engagement

Die Investmentbranche hat den Ruf der Anleger gehört. Wie sich ein Investment auf die Gesellschaft auswirkt, muss zuerst abgewogen werden, bevor Geld fließt. Daher bieten jetzt sowohl passive als auch aktive Manager eine Reihe von ESG-Produkten an. Die zwei Ansätze unterscheiden sich durch einen wesentlichen Faktor: das Engagement.


Die Bewertungsmethoden, die eigenen Algorithmen und die Datenanalysen von passiven Managern können sicherlich helfen, die historischen Erfolge von Unternehmen im ESG-Bereich einzuordnen. Diese Methoden können aber nicht die Unternehmen mit den besten ESG-Ratings der Zukunft ausfindig machen. Aktive Fondsmanager sprechen direkt mit der Geschäftsführung, um echte und nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Sie ergänzen die Daten mit menschlichem Urteilsvermögen. Dieses aktive Engagement durch eine guten Dialog ist ein entscheidender Faktor im ESG-Bereich.

ESG im Rückspiegel

Im Allgemeinen bestand die primäre Rolle von aktiven Investmentmanagern in der Vergangenheit darin, für ihre Anleger angemessene Renditen zu erzielen. Doch die Anleger selbst erwarten zunehmend von Vermögensverwaltern, dass sie als Teil des Pakets auch Verantwortung zeigen. Kapitalanlagen müssen neben der wirtschaftlichen Rendite eine positive Wirkung auf die Gesellschaft haben - oder zumindest keine schädigende.

Die Anbieter passiver Produkte haben auf ihre eigene Art und Weise darauf reagiert, hauptsächlich indem sie Bewertungsmethoden für ESG entwickelt haben. Passive Fonds können (definitionsgemäß) kein Alpha generieren, aber sie können Vehikel entwickeln, welche die ESG-Indizes nachbilden, wie den Dow Jones Sustainability Index oder andere Indizes (ich zähle aktuell mindestens 39 verschiedene Anbieter von ESG-Indizes).

Viele passive ESG-Indizes und Strategien sortieren und bewerten Wertpapiere ausschließlich auf Basis verfügbarer Daten. Dieser Ansatz ist von Natur aus rückwärts gerichtet. Da sie auf zukunftsweisendes menschliches Urteilsvermögen und einen intensiven Dialog mit den Unternehmen verzichten, können passive Strategien die führenden ESG-Unternehmen der Zukunft nicht identifizieren.

Grafik 1: Die starke Verbreitung von ESG-Indizes, angeführt von MSCI
 

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Quelle: Bloomberg, Fidelity International, 2017.

ESG-Indizes nutzen unterschiedliche Methoden zur Bestimmung, welche Titel aufgenommen werden. Doch die Ergebnisse sind binär: Entweder wird ein Unternehmen in den Index aufgenommen oder nicht. Wenn das Leben doch nur so einfach wäre.

Ausschlusslisten spielen bei ESG-Überlegungen eine wichtige Rolle, da Anleger und ihre Treuhänder beschließen, dass manche Geschäftsmodelle einfach nicht den sozialen und gesellschaftlichen Normen entsprechen können. Doch das ist nur ein kleiner Teil der gesamten ESG-Überlegungen.

Grafik 2: Übersicht über die ESG-Terminologie
 

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Nur zu illustrativen Zwecken. Quelle: Fidelity International, März 2018.

Aktives Engagement für die Zukunft

Für die Bewertung künftiger Veränderungen ist das menschliche Urteilsvermögen unerlässlich. Auch wenn Roboter beim Sortieren von Daten und dem Erkennen von Mustern sehr effektiv sind, können sie nicht mit der Geschäftsleitung in einen Dialog gehen.

Ein aktives Engagement erfordert eine Beurteilung der Zukunftsaussichten. Außerdem bietet der Einsatz einer großen Mixtur an Analysekapazitäten einen erheblichen Vorteil bei der Bewertung, wie sich eine unbeständige Matrix an Trends und Faktoren im Laufe der Zeit entwickeln wird. Ausgestattet mit diesen Erkenntnissen und Urteilen können Anleger viel nachhaltiger in einen konstruktiven, detaillierten und fruchtbaren Dialog mit einem Unternehmen treten.

An den Kapitalmärkten kann ein aktives Engagement heutzutage zwei Formen annehmen: entweder die Förderung von Veränderungen oder die Durchsetzung von Veränderungen. Bei Fidelity International sind wir überzeugt, dass die Förderung von Veränderungen die effektivste Art und Weise ist, um Unternehmen dazu zu bewegen, ihr Verhalten nachhaltig zu verändern.

Um das zu veranschaulichen: Stellen Sie sich unsere Gespräche mit Unternehmen aus der Metall- und Bergbaubranche vor. Früher hätte unser Treffen mit der Geschäftsleitung vermutlich mit einem Bericht über die Gewinne, die aktuellen und künftigen Investitionen und die erwarteten Erträge begonnen und auch geendet. Mit dem Wissen, dass ESG-Faktoren einen Einfluss auf die Entwicklung der Aktienkurse und die Gesellschaft haben, konzentrieren sich unsere Gespräche in den letzten Jahren jedoch auch auf die Sicherheit der Bergwerke. Unser langjähriger Dialog mit diesen Unternehmen hat dazu beigetragen, den Fokus auf die Sicherheit der Bergwerke an den Anfang der Gespräche zu stellen. Die Renditen bleiben wie immer unabdingbar, aber die Unternehmensleitungen konzentrieren sich jetzt noch stärker auf ihren Einfluss auf die Gesellschaft.

Wir lassen unseren Worten Taten folgen

In Bezug auf die langfristige Wertentwicklung können solche Dialog-Strategien überdurchschnittliche Renditen generieren. Die nachfolgende Grafik vergleicht Engagement mit breiteren Indizes. Dabei nutzen wir stellvertretend für Engagement einen aktivistischen Index, der beide Bereiche beinhaltet: die Förderung und die Durchsetzung von Veränderungen.

Grafik 3: Engagement zahlt sich aus

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Blenden Sie einzelne Kurven aus, indem Sie auf die Legende klicken oder bewegen Sie Ihren Mauszeiger über die Grafik, um Einzelwerte abzulesen.

Rebasiert auf 100. Ein aktivistischer Hedgefonds-Index (der HFRI ED: Activist Index) wird stellvertretend für die Wertentwicklung von Dialog-Strategien genutzt. Der Hedgefonds-Index ist der HFRI Fund Weighted Hedge Fund Index. Quelle: Hedge Fund Research, Thomson Reuters, Juni 2018.

Kursrendite über 12 Monate bis zum: 30.04.2014 30.04.2015 30.04.2016 30.04.2017 30.04.2018
HFRI Fund Weighted Hedge Fund Index 5,6% 5,3% -3,8% 8,2% 5,8%
HFRI ED: Activist Index N/A 12,3% -3,5% 14,1% -0,2%
MSCI World Index 14,3% 5,4% -6,1% 12,4% 11,1%


Quelle: Thomson Reuters, Fidelity International, Juni 2018.

Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein Indikator für zukünftige Ergebnisse.

Fazit

Aktives Engagement mittels einer Dialog-Strategie gibt Anlegern mehr Gewissheit, dass ihre Kapitalanlage auch den gewünschten bleibenden, positiven gesellschaftlichen Einfluss hat. ESG-Indizes können dazu beitragen ESG-Standards zu bewerten, die Aufmerksamkeit auf ESG-Themen zu lenken und Anlegern passive ESG-Anlagevehikel zur Verfügung zu stellen. Doch in ihrer derzeitigen Form können diese Instrumente nicht die wirtschaftlichen und sozialen Vorteile bieten, die mit der aktiven Beteiligung auf Unternehmensebene assoziiert werden, die dann zukünftig einen Wandel bewirken können.

Unsere Arbeit mit den Unternehmen in den letzten Jahren hat gezeigt, dass wir das Verhalten von Unternehmen im positiven Sinne verändern und gleichzeitig die Aktionärsrenditen für die Anleger erhalten und verbessern können.

Ich bin davon überzeugt, dass ein aktives Engagement echte langfristige Vorteile bringt. Schließlich kommen die Anreize für Anleger und die für Unternehmen, die Kapital an den Finanzmärkten aufnehmen wollen, zunehmend in Einklang. Um hier einen Unterschied zu machen, läuft allerdings alles auf einen aktiven Dialog hinaus - ein Bewertungsmechanismus ist einfach nicht gut genug. Ein engagierter und aktiver Manager kann da hingehen, wo ein Algorithmus nicht hinkommt: in die Vorstandsetage.

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